Kommunalwahl

Potsdam führt die Plakatschlacht an

So bunt wie in Potsdam geht es derzeit nirgendwo in Brandenburg zu. In der Landeshauptstadt liefern sich die Parteien und Wählergruppen in den letzten Wochen vor der Kommunalwahl die wohl größte Plakatschlacht aller Städte und Gemeinden. In Schönefeld sorgen drei nackte Frauen für Aufruhr.

Foto: ZB / DPA

Bis zum 28. September werden in Potsdam rund 12.000 Wahlplakate hängen. CDU und Linke liegen mit je 3000 Themen- und Kandidatenplakaten vorne. Die SPD wirbt auf 2000 Plakaten für ihre Kandidaten und Ziele. Ihr Slogan: „In Potsdam zu Hause“. Die Partei von Oberbürgermeister Jann Jakobs hat sich dafür entschieden, nur die fünf Spitzenkandidaten der Wahlkreise abzubilden.

Bei der CDU („Potsdam kann mehr“) hingegen lächeln auch viele unbekannte Bewerber von den Straßenmasten. Die FDP wirbt wie die Grünen auf jeweils 1250 Plakaten, fast so viele haben Familienpartei, Bürgerbündnis und die Partei Die Andere.

Die Linke („Ein Potsdam für alle“) musste bereits 250 zerstörte Wahlplakate austauschen. Die anderen haben ähnliche Probleme. Etwa hundert beschädigte Plakate unterschiedlicher Bewerber wurden der Polizei allein in Babelsberg gemeldet. Die meisten waren heruntergerissen worden. Die Parteien gehen von Vandalismus aus, nicht von einem unfairen Konkurrenzkampf.

Die Landes-SPD steckt den größten Teil ihres Wahlkampf-Etats (150.000 Euro) in die Plakatierung. So massiv die Parteien aber auch in die Wahlwerbung investieren – der Bürger schenkt ihr in der Regel nicht zu viel Beachtung.

Einige Plakate sorgen für Ärger

Anders in Schönefeld. Dort sorgte ein Plakat der Wählergruppe „Alle-für-Eine“ (AFE) für Aufruhr. Es zeigte drei nackte Frauen, die auf dem Bauch am Strand liegen, über jedem Gesäß ein Wort, woraus sich ergibt: „Alle für eine“. Der Name der Wählergruppe. Er bedeutet: Alle sechs Ortsteile wollen sich für eine Gemeinde einsetzen. Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Dahme-Spreewald, Elke Voigt, verlangte: „Die Plakate müssen sofort verschwinden“. Sie seien sexistisch, weil „die nackten Hintern lediglich voyeuristische Instinkte bedienen“. Udo Haase, Schönefelds Bürgermeister und AFE-Mitglied, verteidigte das Motiv als „sehr schön“; es würde die Bürger nach ihrem Urlaub an die Wahl erinnern. Jetzt, im Endspurt, wirbt die Wählergruppe lieber mit den Köpfen der Kandidaten.

Ärger hatte es zum Wahlkampfauftakt auch gegeben, als die neue Schönefelder Wählergruppe BIS sich bei der Plakatierung von der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister „ausgebremst“ fühlte. So habe die Gemeinde zwölf Plakate vor dem Rathaus abgerissen. Wahlleiterin Dorothea Schulze weist die Vorwürfe zurück. Die Verwaltung habe unerlaubt angebrachte Wahlwerbung vor dem Rathaus wie an Kreuzungen oder Ampeln entfernt – auch Plakate der Wählergruppe des Bürgermeisters.

Streit gab es auch um Wahlplakate der rechtsextremen NPD in Königs Wusterhausen. Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Thomas Lunacek, hat sich über die NPD-Plakate auf dem Weg zum Landesfest „Brandenburg-Tag“ empört „Es wäre angezeigt, nicht nur zu reden, sondern zu handeln“, so Lunacek an die Adresse des Bürgermeisters Stefan Ludwig (Die Linke). Der verweist darauf, dass die Stadt alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, wonach im Festbereich generell nicht plakatiert werden dürfe. Die NPD hat die meisten Plakate in Oder-Spree geklebt, wo ihr Landeschef Klaus Beier beheimatet ist, die rechtsextreme DVU vor allem in Oberspreewald-Lausitz.

Es gibt Kommunen, die frei von Wahlplakaten sind. Zum Beispiel Lauchhammer. „Wir haben uns in einer Vereinbarung darauf geeinigt, keine Plakate zuzulassen“, sagt Jens Nowack, CDU-Fraktionschef in der 18.000-Einwohner-Stadt in der Lausitz. „Es kostet zu viel und die Dinger sind anschließend nur schwer zu entfernen.“