Schuljahresausblick

Schülerrückgang erreicht gymnasiale Oberstufe

Das Schlimmste dürfte bald vorüber sein, während der Geburtenknick in Brandenburg die Oberstufe erreicht, nimmt die Zahl der Schüler in der Primarstufe wieder zu. Doch noch werden Schulen geschlossen und Lehrer versetzt – während zugleich neue Lehrer kommen sollen.

In Brandenburg startet am Montag (1. September) das neue Schuljahr mit erneut weniger Schülern als zuvor. Die Zahl der Schüler sinke im Vergleich zum vergangenen Schuljahr um 15.000 auf 287 000, sagte Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD). Der Rückgang habe die Schließung weiterer staatlicher Schulen notwendig gemacht. Insgesamt wurden nach Angaben des Ministeriums 16 Einrichtungen aufgegeben.

Der Geburtenknick von Anfang der 90er Jahre habe jetzt aber die gymnasiale Oberstufe erreicht, sagte Rupprecht. Damit sei ein Licht am Ende des Tunnels sichtbar. In den kommenden Jahren würden sich die Zahl der Schüler und damit auch das Schulnetz stabilisieren.

In der Primarstufe nimmt die Zahl der Schüler bereits wieder leicht um 2000 auf 118.400 zu. Am Samstag werden 19.400 Kinder eingeschult, das sind etwa so viele wie im Vorjahr. In der Sekundarstufe geht die Zahl der Schüler nur noch leicht um 500 auf etwa 67.000 zurück.

In der gymnasialen Oberstufe sinkt die Zahl der Schüler dagegen um 7000 auf nur noch 34 400. An den beruflichen Schulen reduziert sich die Zahl der Schüler sogar um 9000 auf 64 700.

60 Lehrer wurden zwangsversetzt

Die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich. Während die Schulen im Speckgürtel um Berlin einen Zuwachs an Schülern verzeichnen, müssen die Schulen auf dem Lande vielfach Verluste verkraften. Besonders betroffen sind in diesem Jahr die Schulamtsbezirke Frankfurt (Oder) und Cottbus. Dort mussten aufgrund des Schülerrückgangs zahlreiche Lehrerstellen abgebaut werden. Etwa 4000 verbeamtete Pädagogen akzeptierten Teilzeitregelungen, um Versetzungen zu verhindern. 40 Beamte ließen sich freiwillig versetzen, 60 mussten sich einer Zwangsversetzung in das Berliner Umland beugen.

Rupprecht betonte, im Schulsystem werde es immer Versetzungen geben. Schließlich müsse auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden. Beamte erklärten sich in ihrem Arbeitsvertrag bereit, dorthin zu gehen, wo sie ihr Arbeitgeber benötige. Das Land versuche, Versetzungen so gering wie möglich zu halten und so gut wie möglich zu managen. Die Zahl der Vollzeitstellen sinke zum neuen Schuljahr um 950 auf 17.300. Damit gebe es weiterhin zu viele Pädagogen. Dennoch sei mit Blick auf das zum Teil schon hohe Alter zahlreicher Lehrer, die also in absehbarer Zeit aus dem Dienst ausscheiden werden, ein Einstellungskorridor geschaffen worden. So würden im Lauf des Jahres 200 Lehrer eingestellt.

Lerncamps gegen Schulabbruch

Zum neuen Schuljahr wird auf Beschluss der rot-schwarzen Regierungskoalition ein Schulsozialfonds für Kinder aus finanzschwachen Elternhäusern aufgelegt. Die Schulen erhalten künftig 2,2 Millionen Euro pro Jahr, um Zuschüsse für kostenpflichtige Angebote wie Klassenfahrten oder Lernmaterialien zahlen zu können. Außerdem müssen die Landkreise keine Gebühren mehr für die Schülerbeförderung kassieren. Wenn sie Elternbeiträge einfordern, müssen sie diese sozial staffeln. Das Land stellt zum Ausgleich jährlich rund vier Millionen Euro bereit.

Erstmals werden in diesem Schuljahr zwei „Lerncamps“ veranstaltet. Nach dem Vorbild in anderen Bundesländern erhalten dabei rund 90 Schüler der 9. Und 10. Klassen die Chance, ihre schulischen Leistungen in Lernwerkstätten zu verbessern. So soll die Zahl der Jugendlichen gesenkt werden, die ohne Abschluss die Schule verlassen.