Brandenburg

Der Fall “Maskenmann“ - Ein Prozess der großen Gesten

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Hans H. Nibbrig

Foto: Patrick Pleul (2) / dpa

Der Fall gehört zu den spektakulärsten in Brandenburg. Das Gericht brauchte mehr als ein Jahr für den Maskenmann-Prozess. Es gab zahlreiche theatralische Auftritte. Jetzt wird das Urteil erwartet.

„Hier sitzt der Falsche.“ Ganze vier Worte des Rechtsanwalts Christian Lödden, einem von zwei Verteidigern im „Maskenmann“-Prozess, reichten aus, um das mehr als vierstündige Schlussplädoyer der Verteidigung zusammenzufassen. Am Ende des Vortrags, den Löddens Kollege Axel Weimann bereits am Freitag begonnen hatte, stand die erwartete Forderung nach einem Freispruch für Mario K., der zwei in Brandenburg lebende wohlhabende Unternehmerfamilien überfallen haben soll.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags beantragt. Der 47 Jahre alte Angeklagte hat die Tat stets bestritten, am Montag verzichtete er auf das ihm zustehende letzte Wort. Am Freitag wollen die Richter der zuständigen Schwurgerichtskammer am Landgericht Frankfurt (Oder) das Urteil sprechen.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, 2011 die Ehefrau eines Berliner Immobilienunternehmers in Bad Saarow niedergeschlagen und Monate später auf die Tochter geschossen zu haben, als die sich gerade auf der zum Anwesen gehörenden Pferdekoppel aufhielt. Ein Wachmann schützte die junge Frau und wurde getroffen. Er sitzt seither im Rollstuhl. 2012 soll ein maskierter Täter einen Banker in Storkow mit einem Kanu auf eine Schilfinsel entführt haben. Das Opfer konnte sich nach eigener Darstellung nach mehr als einem Tag befreien.

Es war der Prozess der großen Gesten und der nicht minder großen Worte, der Ende der Woche in erster Instanz zu Ende geht. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wähnte sich, wie er im Laufe der Verhandlung einmal spöttisch erklärte, in einem amerikanischen Gericht, in der die Anwälte theatralische Auftritte bevorzugen. In der Tat war vieles von dem, was die Verteidiger vortrugen, durchaus schlagzeilentauglich. Die gesamte Anklage stütze sich ausschließlich auf Indizien, die die Staatsanwaltschaft nutze wie ein Puzzle, sagte Lödden am Montag.

Kritik an Medien und Ermittlern

„Es passen aber nur ein paar Punkte, der Rest wird mit dem Hammer passend gemacht“, so die äußerst plastische Darstellung Löddens. Die Darstellung der Staatsanwaltschaft, es gebe keine Indizien, die den Angeklagten entlasten, konterte der Verteidiger mit der Bemerkung, dass Entlastendste sei der Umstand, dass es nichts Belastendes gegen Mario K. gebe. Gleichzeitig nahm er sich die Indizienkette vor, die die Anklagebehörde aufgebaut hatte, viele Punkte davon versah er mit der Feststellung „null Beweiswert“.

Die Staatsanwaltschaft stand den Verteidigern in Sachen effektvoller Auftritt allerdings in nichts nach. Anklagevertreter Jochen Westphal hatte bereits Ende April sein Plädoyer gehalten und sich dabei nicht nur mit dem Angeklagten befasst. In seinem Schlussvortrag setzte er auch zum Rundumschlag an, gegen die Medien und auch gegen kritische Beamte der Polizei. Bedienstete der Sonderkommission „Imker“ hatten schon frühzeitig Zweifel an der Entführung des Unternehmers geäußert. Reagiert haben soll die Polizeiführung darauf mit Drohungen und der Versetzung eines Beamten. In seinem Plädoyer erklärte Westphal die Sorgen der Beamten mit „fachlichem Unvermögen“ und einer „katastrophalen Fehleinschätzung“.

Ebenso scharf griffen die Verteidiger ihrerseits die Staatsanwaltschaft an. Diese habe schnell unverpixelte Fotos vom Beschuldigten veröffentlicht, sagte er. Dadurch sei sein Mandant, der bis zu seiner Festnahme in Berlin gewohnt hatte, vielen ein Begriff gewesen. Aussagen von Zeugen, die ihn gesehen haben wollen, seien nur so gesprudelt. Lödden berief sich auch auf einen Gutachter, der vor Gericht bezweifelt hatte, dass der Angeklagte wegen einer früheren Beinverletzung in der Lage sei, schnell durch das Sumpfgelände, in das der Manager entführt worden war, zu gehen oder ein Kanu durch den See zu ziehen, wie es das Opfer geschildert hatte.

Kein Zweifel an Revision

Auch wenn die Staatsanwaltschaft in der Sache durchaus schlüssig und präzise ihre Indizienkette aufgebaut hat, einige Fragen bleiben zumindest bis zur Urteilsverkündung am Freitag offen. Und ob die Richter sie mit ihrem Urteil abschließend beantworten können, ist ebenfalls noch höchst ungewiss. Seit vier Jahren beschäftigen die beiden Taten und der Prozess inzwischen Medien und Öffentlichkeit, weit über die Region Berlin-Brandenburg hinaus. Und das Urteil am Freitag ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das Ende.

Wie immer der Spruch der Richter lauten wird, kein Prozessbeobachter hegt auch nur den geringsten Zweifel, dass der Prozess in die Revision beim Bundesgerichtshof gehen wird.