Berliner Speckgürtel

Teltow - Ein Industriestandort mit sanierter Altstadt

Teltow ist im Wandel. Vor einigen Jahren kamen junge Familien, um Häuser zu bauen. Jetzt sind zudem bezahlbare Wohnungen gefragt. Aber Investoren halten sich noch immer zurück.

– Der zehnjährige Mischlingshund hat es sich auf dem alten Sofa im Zwinger bequem gemacht, Hühner glucken auf ihren Eiern, Katzen klettern zwischen muffigen Büchern und staubigen Kerzenleuchtern hindurch. „Teltow ist die Symbiose zwischen Land und Stadt“, erklärt Roni Jacobowitz das Stillleben an der Hauptverkehrsader, der Potsdamer Straße. Das ist wohl einer der Gründe, warum es so viele Berliner in die Kommune vor dem Stadtrand treibt. 25.000 Einwohner zählt sie derzeit, ist seit der Wende stetig gewachsen. Auch Jacobwitz, 69, kommt aus Berlin, führte dort einen Antiquitätenhandel. Heute lebt er auch der günstigeren Mieten wegen in Teltow.

Jacobowitz würde gern ein Antikcafé installieren, „einen Treffpunkt für alle.“ Er schaut in Richtung Marktplatz. Der Platz im Sonnenschein ist leer. „Tote Innenstadt, schade“, sagt er. Es fehle an Netzwerken. „Aber nicht am Interesse. Die Teltower sind offen für Ideen.“

Eine Schlafstadt ist die ehemalige Ackerbürgerstadt nicht. Aber Charme hat sie auch nicht. „Zumindest nicht auf den ersten Blick“, sagt Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD). „In Teltow muss man geführt werden – in die sanierte Altstadt.“ Die steht komplett unter Denkmalschutz. „Uns prägt die Industrie.“ Thomas Schmidt denkt an die Gewerbesteuereinnahmen. Und lächelt. Er spricht von restriktiver Trennung: Wohnen hier, Arbeit dort.

Spaziergänger gibt es kaum, Teltow zieht sich. Kaum ein Kind auf den Spielplätzen. Nachwuchs gibt es trotzdem. „In den nächsten fünf Jahren müssen wir eine neue Grundschule bauen.“ Für einen zweistelligen Millionenbetrag. Bislang sei man schuldenfrei. „Das könnte sich ändern“, sagt Schmidt mit Blick auf den aktuellen Haushalt. Das Land lebe vom Speckgürtel, wünscht sich Schmidt speziell darauf zugeschnittene Fördermittel.

Teltow ist im Wandel. Vor einigen Jahren kamen junge Familien, um Häuser zu bauen. Jetzt sind zudem bezahlbare Wohnungen gefragt. „Aber Investoren wollen nicht zuschnappen“, stöhnt er. Schmidt muss Überzeugungsarbeit leisten. In einer Befragung wünschten sich die Teltower eine Schwimmhalle, ein Freizeitzentrum, mehr Jugendeinrichtungen. „Hier müssen wir unsere Hausaufgaben machen.“ Für Schmidt aber auch ein Beleg, dass Einheimische wie Zugezogene sich mit Teltow identifizieren. „Das Verbindende ist der Teltow-Kanal“, hat er festgestellt. „Jetzt wird die Marina ausgebaut. Das bringt uns zueinander.“