Feuer in Forst

Todesumstände der verbrannten Mädchen weiter ungeklärt

Die Ermittlungen zum Tod der zwei 18-Jährigen, deren Leichen nach einem Brand in einer Fabrik in Forst gefunden wurden, dauern an. Viele Fragen sind offen. Fremdverschulden schließt die Polizei aus.

Foto: Steffen Pletl / privat

Im knapp 20.000 Einwohner zählenden Forst an der Grenze zu Polen sind die Menschen schockiert. Der tragische Tod zweier Mädchen ist in der Lausitzstadt das Gesprächsthema. Auch wenn Polizei und Staatsanwaltschaft ein Fremdverschulden an dem Tod der 18-Jährigen nach derzeitigem Ermittlungsstand ausschließen, gibt es Vorwürfe an die Stadtverwaltung. „Seit Jahren verfallen die einst gewaltigen Fabrikhallen“, sagte eine Anwohnerin am Donnerstag. Irgendwann habe dort ja etwas passieren müssen, so die Frau. Die Industriebrachen seien ihrer Ansicht nach kaum gegen unbefugtes Betreten abgesichert. Immer wieder würden in den alten Gebäuden Jugendliche herumlungern, Obdachlose fänden dort wenn auch kein warmes, so doch ein trockenes Plätzchen.

Die sterblichen Überreste der polizeilich als vermisst gemeldeten Schülerinnen waren am 2. Februar nach einem Feuer in der seit mehr als 20 Jahren leer stehenden Tuchfabrik gefunden worden, zwei Tage nachdem die Feuerwehr die Flammen auf dem ehemaligen Industrieareal gelöscht hatte. Das Feuer war am Vormittag des 31. Januar ausgebrochen. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Cottbus war der unsachgemäße Umgang mit offenem Feuer Ursache. Doch die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, so der leitende Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon.

Am Tag des Brandes in der alten Tuchfabrik, einem Sonnabend, hatten die Eltern von Katrin Ba. und Dunja Be. ihre gerade erst volljährigen Töchter bei der Polizei als vermisst gemeldet. Sie waren am Abend zuvor zuletzt bei ihren Familien gewesen und hatten sich wie gewöhnlich verabschiedet. Es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass sie nicht zurückkehren würden, erfuhr die Berliner Morgenpost aus dem familiären Umfeld. Dass beide Ereignisse – das Verschwinden der Mädchen und das Feuer – in irgendeiner Form im Zusammenhang stehen, konnten zu diesem Zeitpunkt weder Polizei, Feuerwehr noch die Eltern ahnen.

Leichen der Mädchen zwei Tage nach Brand entdeckt

Am Sonnabend gegen 11 Uhr hatte eine Zeugin den Brand in der maroden Fabrikhalle der Polizei gemeldet. Noch am Tag der Löscharbeiten war vorsorglich auch eine Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes am Brandort im Einsatz. Doch die Suche der Hunde sei ohne Ergebnis geblieben, sagte ein Polizeisprecher. Somit hatte zunächst nichts darauf hingedeutet, dass Menschen bei dem Feuer zu Schaden gekommen sein könnten. Um den Brandort wegen der möglichen Einsturzgefahr überhaupt betreten zu können, musste ein Bausachverständiger zuvor grünes Licht geben. Dies erfolgte zwei Tage nach dem Feuer. Während der Untersuchungen durch die Brandermittler der Kriminalpolizei waren dann die zur Unkenntlichkeit verbrannten Körper entdeckt worden. Zur Auffindesituation der toten Mädchen wollte die Staatsanwaltschaft Cottbus unter Verweis auf die andauernden Ermittlungen keine Einzelheiten nennen.

Die Obduktion gestaltete sich ausgesprochen schwierig und nahm mehr Zeit als erwartet in Anspruch. Und auch nach der Identifizierung der Opfer anhand von DNA-Analysen durch Sachverständige des Landesinstituts für Gerichtsmedizin ist unklar, was genau zum Tod der Gymnasiastinnen geführt hat. Wie und wodurch ist das Feuer konkret entstanden und warum geriet es außer Kontrolle? Welche Rolle spielte das Einatmen von Rauchgas? Gab es durch das Feuer einen erhöhten Kohlenmonoxidgehalt in der Atemluft? Warum konnten die Mädchen der Feuerbrunst nicht entkommen? Hatten sie Alkohol oder Drogen konsumiert und waren deshalb nicht von den lodernden Flammen erwacht? Einige dieser Fragen könnten durch weitere feingewebliche Untersuchungen beantwortet werden.

Indizien deuten nicht auf Fremdverschulden hin

Oder gab es doch irgendeine Fremdeinwirkung durch Dritte? Bislang haben die Ergebnisse der Ermittlungen durch die Kriminalpolizei hierfür jedoch keine Anhaltspunkte ergeben. Dies bestätigte auch die Staatsanwaltschaft. „Alle vorliegenden Indizien deuten bislang auf ein tragisches Unfallgeschehen hin“, unterstrich Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Donnerstag.

Offen ist ebenso der Grund, warum sich die jungen Frauen am späten Freitagabend oder in der Nacht zum 31. Januar überhaupt dem Fabrikgelände an der Parkstraße genähert hatten. Wollten sie einfach einmal Abstand von ihrem Zuhause und den Familien gewinnen? Oder gar für einen längeren Zeitraum untertauchen? Und wenn ja, aus welchem Grund?

Verbrannte Mädchen besuchten Gymnasium in Forst

Die zwei Freundinnen, die das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium an der Jahnstraße in Forst besuchten, hatten sich offenbar dazu entschlossen, die Nacht auf dem Industrieareal zu verbringen. Das Ambiente der baufälligen Anlage hat mit dem Charme der Vergänglichkeit möglicherweise einen Reiz auf die zwei angehenden Abiturientinnen ausgeübt. Ausgerechnet dorthin hatten sie sich bei nasskaltem Wetter und Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt zurückgezogen. Am Vormittag des nächsten Tages musste dann die Feuerwehr dort einen Brand löschen.

Dunja Be. ist im Gymnasium beliebt und bekannt gewesen. Mehrfach hat sie bei Sportveranstaltungen und Vergleichen zwischen den Schulen in Leichtathletik-Disziplinen vordere Plätze belegt. Neben dem Sport interessierte sich die 18-Jährige besonders für Biologie. Pflanzen und Tiere hatten es ihr angetan. Ihnen hatte sich Dunja Be. auch in ihrer Freizeit gewidmet.