Nach Umbau

Autobahndreieck Havelland – Der Weg nach Norden ist frei

Das Autobahndreieck Havelland, das den nördlichen und westlichen Berliner Ring A10 mit der A24 verbindet, wurde zwei Jahre lang aus- und umgebaut. Ab Dienstag rollt der Verkehr wieder uneingeschränkt.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb / dpa-Zentralbild

Berufspendler zwischen Berlin und Hamburg sowie Ostseeurlauber können aufatmen. Eines der engsten Nadelöhre auf ihrem Weg gen Norden ist aufgeweitet. Am kommenden Dienstag wird das neu gestaltete Autobahndreieck Havelland auch offiziell für den Verkehr freigegeben. Der gut zwei Jahre dauernde Komplettumbau ist abgeschlossen, und das sogar termingerecht: Bei Großvorhaben in Berlin und Brandenburg ist dies bekanntermaßen längst keine Selbstverständlichkeit.

Bei den Kosten gab es allerdings die übliche kräftige Steigerung: War zu Beginn der Arbeiten im März 2012 noch von 45,5 Millionen Euro die Rede, die der Umbau des Autobahnknotens und der Anschlussstelle Kremmen kosten soll, so wurde die Summe später auf 52 Millionen Euro nach oben korrigiert. Nun, zum Abschluss der Arbeiten, werden die Investitionskosten mit insgesamt rund 60 Millionen Euro angegeben. Bezahlt wird die Rechnung hauptsächlich vom Eigentümer, dem Bund. 18 Millionen Euro steuert die Europäische Union über einen ihrer Strukturfonds bei.

Gut angelegtes Geld, sind sich aber Bundes- wie Landespolitiker einig. Denn das Autobahndreieck (AD) Havelland liegt an einer besonders neuralgischen Stelle im transeuropäischen Straßennetz. Es verknüpft bei Kremmen (Oberhavel) den nördlichen und westlichen Berliner Ring (A10) mit der Autobahn 24, über die der Verkehr in Richtung Hamburg, Kiel und Rostock beziehungsweise in die Gegenrichtung rollt.

Eine typische Urlauberstrecke also. Doch vor allem der zuletzt stark angestiegene Schwerlastverkehr zwischen Ost- und Südosteuropa sowie den deutschen Übersee-Häfen im Norden ließ den Verkehrsknoten wiederholt an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gelangen. Zudem kam es dort zu überdurchschnittlich vielen Unfällen. Kilometerlange Staus vor allem im Sommer waren häufig die Folge.

Die wichtigsten Änderungen

Solche Zustände sollen nun der Vergangenheit angehören – zumindest für die nächsten zehn Jahre. Das Dreieck Havelland, dessen Verkehrsführung noch aus DDR-Zeiten stammt, wurde dafür – weitgehend bei rollendem Verkehr übrigens – komplett umgebaut. „Die alte Knotengeometrie mit zu geringen Kurvenradien, die zu schmalen Fahrbahnquerschnitte und das Fehlen von Standstreifen sind durch ein modernes Knotenpunktdesign ersetzt worden“, heißt es dazu in einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums und des brandenburgischen Infrastrukturministeriums.

Wichtigste Änderung: Statt zwei stehen den Autofahrern beim Übergang vom nördlichen Ring zur A24 nun drei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung. Die Verbindung vom Westring zur A24 bleibt vierspurig (zwei Fahrstreifen pro Richtung), dort soll aber eine neu gebaute großzügige Brückenkonstruktion – ein sogenannter Überflieger – den Verkehrsfluss spürbar verbessern.

Alle Veränderungen, dazu gehört auch der faktische Neubau der Anschlussstelle Kremmen, sollen sicherstellen, dass das Autobahndreieck problemlos von den für 2025 vorhergesagten 65.000 Fahrzeugen am Tag passiert werden kann. Ob diese Prognose Bestand hat, muss sich allerdings noch zeigen. Zuletzt hatte das Bundesamt für Straßenwesen bereits im Jahr 2010 51.100 Fahrzeuge aus Richtung Osten und 48.200 aus der Gegenrichtung gezählt. Inzwischen hat sich das Verkehrsaufkommen vor allem in Richtung Hamburg nochmals kräftig erhöht.

„Flüsterasphalt“ und Schutzwall

Erheblich investiert wurde beim Umbau des Autobahndreiecks Havelland auch in den Schallschutz. So erhielten die neu angelegten Fahrbahnen einen lärmmindernden offenporigen Belag – sogenannten „Flüsterasphalt“. Und um die Bewohner des Dorfes Wolfslake weniger dem Verkehrslärm auszusetzen, entstand neben der südlichen Richtungsfahrbahn der A10 auf einer Länge von fast 800 Metern ein bis zu sechs Meter hoher Schutzwall. Millionenbeträge wurden zudem für ökologische Ausgleichsmaßnahmen ausgegeben. Der brandenburgische Landesbetrieb Straßenwesen verweist unter anderem auf das Entsiegeln eines 9,4 Hektar großen Areals auf dem ehemaligen Militärgelände Vogelsang sowie auf Aufforstungen auf einer Gesamtfläche von 22 Hektar. Durch die Renaturierung von Laichgewässern sollen noch Ersatzlebensräume für Zauneidechsen und Ameisen geschaffen werden, heißt es.

Der Komplettumbau des Autobahndreiecks Havelland ist Teil der Modernisierung des gesamten, 196 Kilometer langen Berliner Rings. Vorausschauende Verkehrsplaner hatten bereits in den 1920er-Jahren einen leistungsfähigen Autobahnring um die deutsche Hauptstadt herum konzipiert, gebaut wurde dieser schließlich zwischen 1936 und 1939. Einen weiteren Ausbau, bei dem unter anderem das Autobahndreieck Pankow und eben das Dreieck Havelland angelegt wurden, gab es zwischen 1972 und 1979.

Um den wachsenden Anforderungen vor allem durch den in den vergangenen Jahren stark zugenommenen Fernlastverkehr gerecht zu werden, planen der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, den gesamten nördlichen Berliner Ring sechsstreifig auszubauen. Auch alle Verkehrsknoten sollen modernisiert werden. „Das haben wir nunmehr mit Ausnahme des Dreiecks Pankow auch geschafft“, sagte Lothar Wiegand, Sprecher des brandenburgischen Infrastrukturministeriums. Fraglich ist allerdings, ob das Ziel, den nördlichen Berliner Ring bis 2022 komplett sechsspurig auszubauen, noch erreicht werden kann. „Für den nächsten Bauabschnitt, den sechsspurigen Ausbau des westlichen Nordrings bis zum Dreieck Havelland, liegen alle Planungen vor und wir haben auch Baurecht“, sagte Wiegand. Doch es gebe mehrere noch nicht von Gerichten entschiedene Klagen von Anwohnern, die bislang eine Fortsetzung der Arbeiten verhindern.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.