Südlich von Berlin

Das einzigartige Erfolgsmodell Fläming-Skate rollt weiter

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Gudrun Mallwitz

Foto: David Heerde

Es ist eine in Europa einzigartige Skate- und Radstrecke. Jetzt soll die Fläming-Skate südlich von Berlin noch besser Richtung Norden angebunden werden. 24 Kilometer Radweg sollen dafür gebaut werden.

Es ist das Tempelhofer Feld der Brandenburger. Allerdings viel, viel größer und umgeben von Wäldern, Wiesen und Feldern. Im Sommer vor fast 13 Jahren rollten erstmals Inlineskater über den feinen, glatten Asphalt im Fläming. Von manchen zunächst als „verrückte Idee“ belächelt, hat sich die in Europa einzigartige Skate- und Radstrecke südlich von Berlin zum Publikumsmagneten entwickelt.

„Schätzungsweise eine Million Tagesbesucher und 350.000 Übernachtungsgäste kommen pro Jahr in die Reiseregion Fläming“, sagt die Landrätin von Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Linke). „Die meisten werden von der Fläming-Skate angelockt.“ In den vergangenen Jahren wurde die zuerst rund 100 Kilometer lange, drei Meter breite Strecke auf 230 Kilometer verlängert. Jetzt gibt es Pläne, die Piste mit den acht Rundkursen noch besser in Richtung Norden anzubinden.

„Dann könnten Freizeitsportler aus Richtung Berlin und den S-Bahn-Gemeinden schneller bis zur Fläming-Skate kommen“, sagt Landrätin Wehlan. Für die Umsetzung müssten 24 Kilometer Radwege mit zwei Metern Breite in Fläming-Skate-Asphaltqualität gebaut werden – von Siethen, einem Ortsteil von Ludwigsfelde, mit einem Abzweig nach Gröben über Jütchendorf, Mietgendorf, Blankensee und Schönhagen bis nach Hennickendorf. Dort würde sich der Weg dann teilen: nach Dobbrikow und auf der anderen Seite nach Luckenwalde bis zur Berkenbrücker Chaussee am Ortseingang. Die Berliner und Potsdamer könnten demnach mit der S-Bahn bis Ludwigsfelde fahren und dann bequem von Siethen aus starten.

Nordanbindung der Fläming-Skate würde etwa 4,8 Millionen Euro kosten

Noch ist das nur ein Plan, denn die Nordanbindung der Fläming-Skate würde etwa 4,8 Millionen Euro kosten. Der Landkreis – derzeit in einer komplizierten Haushaltslage – und die beteiligten Kommunen könnten das nicht stemmen und hoffen auf EU-Zuschüsse. „Wir werden uns um die Förderung aus dem EU-Programm Leader bewerben“, sagt die Landrätin. „Der Antrag soll in das Konzept der Lokalen Aktionsgruppe ‚Rund um die Fläming-Skate‘ aufgenommen und dem zuständigen Infrastrukturministerium in Potsdam vorgelegt werden.“ Sollte Brüssel die Beihilfe genehmigen, könnte man mit einer bis zu 50-prozentigen Förderung rechnen. Den Rest müssten sich der Landkreis und die Kommunen teilen.

Direkt und in der Nähe der Strecke liegen bereits jetzt mehr als 50 Städte und Dörfer, wie Jüterbog, Luckenwalde, Kloster Zinna, Wiepersdorf oder Dahme. Etwa 25 Millionen Euro sind nach Angaben des Kreises bereits in das Projekt Fläming-Skate investiert worden. Mit Erfolg: Viele Skater reisen sogar aus dem Ausland an, zum Beispiel aus Tschechien und Polen, Großbritannien, Schweden, Belgien, den Niederlanden und Dänemark. Selbst von weit her – es gab schon Besucher aus Neuseeland und den Philippinen – zieht es Skate-Begeisterte nach Brandenburg zur mittlerweile längsten Strecke in Europa. „Zwei Drittel der Tagesgäste und ein Drittel der Übernachtungsgäste kommen aus Berlin und Umgebung“, sagt Kornelia Wehlan, die seit gut einem halben Jahr als Landrätin im Amt ist.

Ein Dorado für Skater im touristischen Niemandsland

Die Idee zu der Asphaltpiste im märkischen Sand hatte ihr Vorgänger, der damalige Landrat von Teltow-Fläming, Peer Giesecke (SPD). Das war Ende der 90er-Jahre. Ein Freund von ihm war damals „in den Urlaub zum Skaten nach Österreich gefahren“. Er schwärmte von den guten Bedingungen: vom glatten Asphalt, dem Ausleih- und Reparaturservice am Ort und den Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene. Auch die gemütlichen Gaststätten an der Strecke machten das Skaten zum Vergnügen. So beschloss der einstige Landrat, aus dem „touristischen Niemandsland“ zwischen Luckenwalde und Jüterbog ein Dorado für Skater zu machen. Das Konzept ging auf: Die Fläming-Skate hat die Region in die Spitzengruppe der nachgefragten Reiseregionen in Brandenburg katapultiert.

Der Landkreis Teltow-Fläming zählt wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Regionen in Ostdeutschland. Vor allem im Norden der Region hat sich eine starke Industrie angesiedelt. Logistikunternehmen und namhafte Konzerne wie MTU Aero Engines, Mercedes-Benz oder Rolls-Royce sind hier vertreten. Der Landkreis zählt heute zu den wichtigsten Standorten der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Der Süden hingegen hat die Fläming-Skate. Für den strukturärmeren Teil des Landkreises ist sie eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. Immer noch beträgt die Arbeitslosigkeit in und um Luckenwalde fast zehn Prozent und ist damit beinahe doppelt so hoch wie im berlinnahen Zossener Raum. „Die Entwicklungspotenziale im Süden liegen neben der Landwirtschaft im ländlichen Tourismus“, sagt Landrätin Kornelia Wehlan.

Die beste Skate-Arena Deutschlands

Viele Orte leben mittlerweile von den sportbegeisterten Besuchern. Cafés, Gaststätten, Hotels und Pensionen liegen an den Rundstrecken, allerdings sind diese von recht unterschiedlicher Qualität. Selbstversorger finden mehr als 40 überdachte Rastplätze vor. Besonders beliebte Anlaufstationen sind das öffentlich zugängliche Schwimmbad auf dem Campingplatz Oehna oder der Erlebnishof Werder, wo geritten werden kann. Auch das Museumsdorf Baruther Glashütte – einer der schönsten Glasmacherorte Deutschlands – liegt nicht weit von der Strecke entfernt.

Unmittelbar an der Fläming-Skate wartet eine weitere Attraktion: die Skate-Arena Jüterbog. Kenner behaupten, sie sei die beste Bahn Deutschlands. Sie wird von Amateuren wie Profis genutzt. Auf 800 überdachten und 600 freien Sitzplätzen können Besucher den „schnellen Sport auf leisen Rädern“ mit verfolgen. Im August 2005 fanden hier die Bahnwettbewerbe der Europameisterschaften im Speed-Skating statt.

Weitere Informationen unter www.teltow-flaeming.de und www.flaeming-skate.de