Potsdam

Für Wiederaufbau der Garnisonkirche fehlen noch 26 Millionen

Altbischof Wolfgang Huber setzt trotz Verzögerungen auf eine Fertigstellung des Turms der Garnisonkirche 2017. Für ihn wird es der schönste Kirchenbau der Barockzeit in Norddeutschland.

Foto: Karlheinz Schindler / pa/ZB

Berliner Morgenpost: Herr Huber, waren Sie von Anfang an für den Wiederaufbau der Garnisonkirche?

Wolfgang Huber: Natürlich musste ich das selbst erst einmal einordnen. Jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, bekommt die Spannungen und Widersprüchlichkeiten unserer Geschichte vor Augen geführt. Er muss sich auch mit der Frage beschäftigen, wie weit die Kirche in diese Spannungen hineingezogen war.

Sie waren also auch skeptisch?

Die Frage, ob der Bau der Kirche befürwortet wird, beschäftigte die Leitung der evangelischen Kirche intensiv. Mittlerweile steht sie dahinter. Ich selbst habe die Schirmherrschaft über das Projekt – und später auch den Vorsitz des Kuratoriums der Stiftung – übernommen, weil ich nach kritischer Prüfung voll hinter dem Projekt stehe.

Und wofür soll die Kirche stehen?

Für ein kritisches Erinnern der Geschichte und eine verantwortliche Gestaltung der Zukunft, für die Schulung des Gewissens und das Feiern des Gottesdienstes. Sie wird ein Ort des Friedens und der Versöhnung sein.

Was antworten Sie Pfarrer Friedrich Schorlemmer, der sagt: Die braune Asche lässt sich nicht von der Garnisonkirche abkratzen?

Das halte ich für ein Argument, das der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht dient, sondern ihr ausweicht. Demnach müsste man alle Orte tilgen, mit denen sich Erinnerungen an die NS-Zeit verbinden.

Wie viel Geld fehlt denn noch?

Die Bundesregierung hat uns zwölf Millionen Euro zugesichert. Das Geld fließt aber erst, wenn das Vorhaben finanziell abgesichert ist. Die Anerkennung der nationalen Bedeutung stärkt auch die Spendenbereitschaft.

Wie viel Eigenkapital ist nötig?

6,5 Millionen haben wir bereits zur Projektvorbereitung eingesetzt. Bei einer verbleibenden Bausumme für den Turm von 40 Millionen Euro fehlen uns noch 26 Millionen Euro. Die Aufgabe, die vor uns steht, ist groß. Wir hoffen, die Begeisterung möglichst vieler zu wecken, damit der schönste Kirchenbau der Barockzeit in Norddeutschland wieder entsteht.

2014 können Sie aber nicht mehr beginnen?

Der Baubeginn verzögert sich, weil wir das Projekt nicht in Einzelabschnitten finanzieren, sondern die Gesamtfinanzierung erst einmal stehen muss. Dann wollen wir aber ohne Unterbrechung bauen. Wir halten daher an unserem Ziel fest, dass der Turm im Oktober 2017 steht.

Hilft es, dass das Stadtschloss aufgebaut ist?

Ja. Auch beim Stadtschloss gab es eine ausgesprochen kritische Diskussion, jetzt sind selbst frühere Kritiker begeistert. Wichtig ist der inhaltliche Sinn: Mit dem wieder aufgebauten Stadtschloss hat der demokratische Souverän heute genau dort seinen Sitz, wo vorher der Monarch saß. Auch bei der Garnisonkirche wird ein Wandel hin zu einer demokratisch-friedlichen Nutzung vollzogen.

In Potsdam sammeln Gegner Unterschriften für ein Bürgerbegehren.

Als guter Demokrat bejahe ich eine faire und lebhafte Diskussion. Würde der Protest aber zu einer weiteren Verzögerung führen, wäre das sehr schade.