Kriminalität

Chef der Brandenburger „Pillen-Bande“ in Uruguay gefasst

Mit gefälschten Potenzmitteln, Schlankheitspillen und Muntermachern ergaunerte eine Bande mehr als 21 Millionen Euro. Acht der mutmaßlichen Betrüger stehen derzeit vor Gericht. Bislang fehlte der Chef.

Foto: Frank May / picture-alliance/ dpa

Der mutmaßliche Kopf der sogenannten „Pillen-Bande“ ist in Uruguay gefasst und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Der 44 Jahre alte Deutsche sitzt in Brandenburg/Havel in U-Haft, wie Staatsanwaltschaft und Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg am Montag mitteilten. Das Amtsgericht Potsdam hatte am Freitag einen Haftbefehl erlassen.

Acht Komplizen der mittleren Führungsebene, mit denen er für mehr als 21 Millionen Euro gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel übers Internet verkauft haben soll, müssen sich derzeit vor dem Landgericht Potsdam verantworten.

Der 44-Jährige hatte sich im April 2011, nach dem die „Pillen-Bande“ aufgeflogen war, ins Ausland abgesetzt. Er stammt nach Angaben der Potsdamer Staatsanwaltschaft aus Frankfurt/Main und ist in Montevideo von der uruguayischen Polizei festgenommen worden – auf Ersuchen deutscher Behörden. Er saß in Uruguay einige Zeit in Abschiebehaft, bis er in der vergangenen Woche nach Deutschland zurückgeholt wurde, hieß es.

„Der 44-Jährige hat um seine neue Wohnanschrift in Südamerika kein großes Geheimnis gemacht“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sarah Kress, so dass es nicht all zu schwer war, auf seine Spur zu kommen. Im Internet soll er sie sogar frei kommuniziert haben. Dort ist auch zu lesen, dass er zudem mit einem falschen Doktortitel auftrat. Laut Zollfahndungsamt hat er mit sechs verschiedenen Identitäten samt gefälschter Pässe agiert.

Der 44-Jährige ist derzeit der Einzige der „Pillen-Bande“, der hinter Gittern sitzt. Die anderen Acht, die derzeit in Potsdam vor Gericht stehen, sind auf freiem Fuß.