Lokführer verletzt

Ermittler suchen Ursache für schweres Zugunglück in Hosena

Nach ersten Erkenntnissen hatten sich am Bahnhof Hosena zwei Güterzüge zur selben Zeit auf ein und demselben Gleis befunden. Es kam zum Zusammenstoß, ein Lokführer wurde verletzt.

Verkeilte Waggons, abgerissene Kabel und Räder: Nach dem zweiten schweren Zugunglück in Hosena (Oberspreewald-Lausitz) innerhalb von 16 Monaten suchen Ermittler nach der Ursache. Möglich seien ein technischer Defekt oder auch menschliches Versagen, sagte am Dienstag eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Forst.

Warum es ausgerechnet in Hosena in Südbrandenburg schon wieder zu einem solchen Unfall kommen konnte, muss nun geprüft werden. Zwei Züge seien zur selben Zeit auf ein und demselben Gleis gewesen. Der leicht verletzte 51 Jahre alte Lokführer des Unglückszuges sei bisher nicht befragt worden.

Am Montagabend gegen 18.30 Uhr war der unbeladene Güterzug mit unbekanntem Tempo auf einen zweiten, stehenden Zug geprallt. Dieser hatte laut Bundespolizei 3500 Tonnen Split geladen. Dieser mehrere hundert Meter lange Zug habe vor einem Ausfahrsignal gestanden. „Zumindest einer der Züge hätte dort nicht sein dürfen“, sagte die Sprecherin.

Strecke bleibt vorerst gesperrt

Der zweite Lokführer wurde nicht verletzt. Vermutlich habe er von dem Aufprall nicht viel mitbekommen, sagte die Sprecherin der Bundespolizei. Beide Züge seien mehrere hundert Meter lang gewesen – zusammengerechnet seien es rund 500 Meter gewesen.

Bisher sei der Lokführer des Unglückszuges nicht befragt worden. „Dass er relativ heil da rausgekommen ist, ist ein Wunder.“

Die Lok, die Güterwagen und die Infrastruktur des Bahnhofs seien durch den Zusammenstoß stark beschädigt worden, teilte die Bahn am Dienstag weiter mit.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ließ nach Angaben der Bundespolizei den Tatort sperren. Zur Unfalldokumentation wurde auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Spezialisten führen die kriminaltechnische Spurensicherung durch. Die elektronischen Fahrtenschreiber und Fahrtenbücher wurden beschlagnahmt.

Laut Deutscher Bahn ist die Strecke zwischen Ruhland und Hoyerswerda auf unbestimmte Zeit gesperrt. Auf den Regionalexpress-Linien RE11 Leipzig-Hoyerswerda und RE15 Dresden-Hoyerswerda fahren seit Dienstag nach Bahn-Angaben zwischen Ruhland und Hoyerswerda Busse statt Bahnen.

Der Unfall passierte laut Polizei etwa 200 Meter von dem Ort entfernt, an dem schon im Juli 2012 zwei Züge kollidiert waren. Ein Streckenwärter starb damals.

Ein mit 3000 Tonnen Schotter beladener Zug war damals auf einer Weiche in einen Güterzug gekracht. Wegen des Aufpralls stürzten eine Lok sowie 30 Waggons um und verkeilten sich ineinander. Ein Waggon walzte ein Stellwerk neben der Bahnstrecke nieder – in den Trümmern starb der 54 Jahre alte Streckenwärter. Der Lokführer des Schotterzuges wurde schwer verletzt.

Am Verkehrsknotenpunkt Hosena sind Züge aus Dresden, Berlin und Leipzig unterwegs.

Bis Ende 2014 soll das Ersatzstellwerk nach Angaben der Deutschen Bahn stehen. Ein Jahr nach dem schweren Unglück liefen noch immer die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cottbus. Im Juli 2013 hieß es, dass die Behörde noch auf ein Eisenbahngutachten warte. Erst dann werde entschieden, ob Anklage wegen fahrlässiger Tötung und wegen fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr erhoben werde. Zum Stand der Dinge war bis Dienstagnachmittag keine Auskunft bei der Cottbuser Staatsanwaltschaft zu bekommen.

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