RBB-Bericht

Protz-Vorwürfe gegen Potsdamer IHK-Präsident

Privatsekretärin, 70.000-Euro-Dienstwagen, autoritärer Stil: Potsdams IHK-Präsident Stimming steht nach einem RBB-Bericht in der Kritik. Insbesonders seinen Vorgänger stören die Privilegien.

Im Zusammenhang mit seiner Amtsführung sind gegen den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam im RBB-Fernsehmagazin „Klartext“ Vorwürfe laut geworden. Victor Stimming pflege einen unbescheidenen Führungsstil, der innerhalb der rund 77.000 Mitgliedsunternehmen zunehmend umstritten sei. Der Bauunternehmer steht seit rund 18 Jahren ehrenamtlich an der Spitze der IHK.

Sein Vorgänger im Amt, Hans-Joachim Leue, sagte in der Sendung: „Das kann nicht sein, dass die Privilegien so groß werden, dass das Allgemeinwohl der Kammer zwar nicht infrage gestellt wird, aber doch darunter leidet.“ Vor etwa einem Jahr hat Leue sein Amt als Ehrenpräsident der Kammer niedergelegt – nach eigenen Aussagen wegen der Art, wie Stimming das Amt ausübe. Er habe einen „sehr autoritären“ Führungsstil.

Sekretärin mit Mitgliedsbeiträgen finanziert

Dem RBB-Bericht zufolge kritisieren Mitglieder unter anderem, dass die Industrie- und Handelskammer mit den Mitgliedsbeiträgen Stimmig eine Sekretärin finanziert, die nicht etwa in der IHK-Zentrale in Potsdam sitzt. Die Vollzeitkraft hat ihren Arbeitsplatz in Stimmings Baufirma in Brandenburg an der Havel. Stimmig verteidigt dies. „Ich kann es nicht möglich machen, dass ich mich bei jedem Verwaltungsakt hierher setze und die Post zum Beispiel bearbeite“.

Dass die Sekretärin bei ihm im Betrieb sitze, sei vom Präsidium bestätigt. Laut „Klartext“ soll nicht das Präsidium, sondern allein Hauptgeschäftsführer René Kohl diese Praxis abgesegnet haben. IHK-Sprecher Jörg Forthmann sagte der Berliner Morgenpost: „Die Sekretärin arbeitet ausschließlich zu Zwecken der IHK“.

Kritik an Potsdamer IHK-Präsident Stimming

Auch regt sich innerhalb der Mitgliedschaft laut „Klartext“-Recherchen Unmut darüber, dass Stimming protzige Dienstwagen fahre. Nein, keinen Porsche, sagt der IHK-Sprecher. Derzeit warte der Präsident auf einen geleasten Mercedes als Dienstfahrzeug. Wert: rund 70.000 Euro. „Ein IHK-Präsident muss repräsentieren und ist viel unterwegs“, verteidigt Forthmann die Wahl des Fahrzeugs, das Stimmung nur dienstlich nutze. Nicht gut kommt bei den Mitgliedern an, dass Hauptgeschäftsführer Rene Kohl mit einem Dienstwagen herumfährt, der die eigenen Initialen im Kennzeichen hat: P-RK wie Rene Kohl. Ein bisschen mehr Bescheidenheit würden sich mache Mitglieder schon wünschen.

Auch alte Vorwürfe kommen auf den Tisch. Beim Anbau der Verbandszentrale in der Breiten Straße durfte einst auch Stimmings Sohn mitbauen. Der IHK-Sprecher sieht darin kein Problem. „Die Firma des Sohns erhielt den Auftrag am 26. Januar 2004, nachdem diese bei einer Ausschreibung das günstigste Angebot abgegeben hatte.“ Das Votum sei in Abwesenheit von Victor Stimming gefallen, betont Forthmann. 2005 habe die Rechnungsprüfungsstelle der IHK den Vorgang geprüft – und nicht beanstandet.

Brandenburgisches Wirtschaftsministerium will Vorwürfe prüfen

Den Vorwurf, der IHK-Präsident wolle sich mit der fünf Millionen Euro teuren Sanierung der Villa Carlshagen in Potsdam ein Lebensdenkmal setzen, weist der IHK-Sprecher als „absurd“ zurück. Die Villa sei als Sitz der IHK-Stiftung vorgesehen und für die Fortbildung für Führungskräfte der brandenburgischen Wirtschaft. Der Vorstand der Stiftung wird durch durch den Präsidenten und den Hauptgeschäftsführer besetzt.

Ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministerium kündigte an, es werde „die Vorwürfe analysieren und prüfen, ob Rechtsverstöße vorliegen“.