Bahnverkehr

60 Brandenburger Bahnhöfe von Schließung bedroht

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg prüft unrentable Bahnhöfe. Fahrgastverbände und Gemeinden warnen vor einem Kahlschlag. Gerade kleinere Orte fürchten die Folgen einer Abkopplung vom Netz.

Foto: Nestor Bachmann / picture-alliance/ ZB

Was haben Netzeband in der Prignitz, Golzow bei Eberswalde und Kolkwitz in Niederlausitz gemeinsam? Alle Orte liegen in Brandenburg und haben Bahnhöfe, an denen weniger als 50 Fahrgäste pro Tag in die dort haltenden Regionalverkehrszüge ein- oder aussteigen. Insgesamt 60 solcher „nachfrageschwachen Stationen“ hat das Potsdamer Infrastrukturministerium ausgemacht. Das ist ein Sechstel der 360 Haltepunkte im Bundesland. Für zwölf dieser Bahnhöfe besteht laut dem Ende vorigen Jahres beschlossenen Landesnahverkehrsplan konkreter Entscheidungsbedarf.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat nun den Auftrag bekommen, die Stationen auf ihre Zukunftsaussichten hin zu prüfen. Am Ende könnte dies auch heißen, dass die kleinen Orte in einigen Jahren ihren Anschluss an das Bahnnetz verlieren. „Kein Bahnhof ist aktuell von der Schließung bedroht, auch für 2014 sind die Leistungen bereits bestellt und alles bleibt wie es ist“, versucht VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz die Wogen der Aufregung zu glätten.

Für kleine Orte ist ein Bahnanschluss wichtig

Nicht nur die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sondern auch mehrere Fahrgastverbände befürchten, dass im Bahnnetz ein weiterer Kahlschlag droht. Bereits in den 90er-Jahren war der Zugverkehr auf mehreren Bahnverbindungen abbestellt worden. Und da die Deutsche Bahn als Eigentümer der meisten Strecken und Stationen dadurch keine Einnahmen mehr hatte, begann die damit, Bahnhöfe zu verkaufen und Strecken stillzulegen. „Die Abbestellung eines Verkehrshalts ist der Einstieg in den Ausstieg. Und wenn ein Bahnhof erst einmal weg ist, dann ist er für immer weg“, warnt etwa Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb.

Der Fahrgastvertreter kritisiert, dass die Zukunft der Bahnhöfe rein unter finanziellen Aspekten, nicht jedoch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Entwicklung einer Region geprüft wird. Gerade für kleinere Orte in der Uckermark oder in der Lausitz sei eine direkte Bahnverbindung nach Berlin lebenswichtig.

Bessere Bus-Anbindungen könnten Bahnhofe attraktiver machen

„In erster Linie gilt es jetzt zu überlegen, wie die Fahrgastzahlen an den nachfrageschwachen Stationen erhöht werden könne“, sagt VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Geprüft werden demnach zum Beispiel bessere Anschlüsse an den Busverkehr der jeweiligen Landkreise sowie bauliche Maßnahmen, mit denen der Bahnhof und dessen Umfeld attraktiver für die Nutzer werden kann. Nur wenn dies alles nichts bringe, müsse man auch darüber nachdenken, einzelne Halte abzubestellen.

Im Fokus stehen beim VBB insbesondere Stationen, die an Bahnstrecken liegen, die den nächsten Jahren ausgebaut werden sollen. In deren Modernisierung müsste erheblich investiert werden. Das gilt etwa für die Schönow und Petershagen in der Uckermark, die an der Bahnstrecke Berlin – Stettin liegen, oder für Klasdorf, Drahnsdorf und Waldrehna an der Berlin–Dresdner-Bahn. Alle diese Stationen haben auf der Karte des Verkehrsministeriums einen roten Punkt – und der steht für dringenden Entscheidungsbedarf.

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