Gleichberechtigung

An der Uni Potsdam sind auch Männer jetzt Professorinnen

Die Mitglieder des Senats der Uni Potsdam haben jetzt genug von Texten, die wegen der Emanzipation nur noch schwer lesbar sind. Männer und Frauen bekommen eine einheitliche weibliche Bezeichnung.

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Statt komplizierter Schreibweisen, die Männer und Frauen unter einen Hut bringen sollen, setzt nun auch der Senat der Universität Potsdam auf eine andere Variante. Männer und Frauen sollen in der neuen Geschäftsordnung künftig einheitlich weiblich bezeichnet werden. Uni-Sprecherin Birgit Mangelsdorf teilte am Donnerstag mit, dass es einen entsprechenden Beschluss des Senats gegeben hat. Mit der Bezeichnung „Professorin“ wäre dann künftig auch der männliche Hochschullehrer gemeint. Zuvor hatte die Universität Leipzig mit einem ähnlichen Beschluss für Schlagzeilen gesorgt. Dort soll die Universitätsverfassung umgeschrieben werden.

Der Senat habe sich aus rein pragmatischen Gründen für die neue Schreibweise entschieden, sagte der stellvertretende Vorsitzende Fred Albrecht der Nachrichtenagentur dpa. Die durch die Genderisierung „verhunzelten“ Texte sollten wieder besser lesbar sein. Hätte das Gremium sich aber nur für männliche Bezeichnungen entschieden, hätte es Ärger von Feministinnen gegeben, sagte der Physiker. Bislang wird in der Geschäftsordnung versucht, mit Bezeichnungen wie „der/die Vorsitzende“ oder „ein/eine Redner/in“ beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Sätze mit diesen Bezeichnungen seien nur schwer lesbar, sagte Albrecht.

Im persönlichen Umgang soll sich nichts ändern

Das neue Sprachmodell sei nur eines von vielen, betonte Birgit Mangelsdorf. Die Geschäftsordnung sei zudem nicht das einzige Papier, das geändert werden soll. Auch in der Berufungsordnung einer Fakultät sei das Modell geplant. Sie betonte auch, dass sich trotz dieser schriftlichen Änderungen im persönlichen Umgang nichts ändern werde. „Herr Präsident, Frau Professorin, Herr Senator – an der Universität Potsdam wird wie eh und je eine dem Geschlecht entsprechende Anrede gepflegt“, erklärte sie.

Die Geschäftsordnung des Senats regelt den Ablauf von Sitzungen des elfköpfigen Gremiums aus Professoren, Studenten und Mitarbeitern. Der Senat ist unter anderem für den Erlass und die Änderung der Uni-Verfassung sowie die Wahl des jeweiligen Präsidenten der Hochschule zuständig.

An Hochschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen wird seit Jahren versucht, die Geschlechter sprachlich gleichzustellen. Zu den Möglichkeiten zählt das „Binnen-I“, zum Beispiel in „ProfessorIn“ oder die Neutralisierung der Geschlechter, wie etwa „Mitarbeitende“ oder „Studierende“.