Brandenburg

Mann nach Sex-Tod seiner Geliebten freigesprochen

Der Angeklagte sollte die Frau beim Sex so schwer verletzt haben, dass sie starb. Dafür sah das Cottbuser Gericht keine Beweise. Dabei war der Mann schon einmal zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Ein 61-jähriger Mann muss wegen des Todes seiner Geliebten beim Sex vor vier Jahren nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Cottbus sprach ihn am Donnerstag in einem neuen Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung mit Todesfolge frei.

Die Richter hielten es nach vier Wochen Prozessdauer nicht für erwiesen, dass der Angeklagte die verheiratete, 53-jährige Frau im März 2009 beim Liebesspiel in seiner Wohnung so schwer verletzt hatte, dass sie starb. „Die Beweisaufnahme hat keine zweifelsfreie Schuld des Angeklagten ergeben“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Fiedler zur Begründung.

Mit dem Freispruch folgte die Kammer den Anträgen von Verteidigung und Nebenklage. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert. Tatmotiv sei eine kränkende Bemerkung der Frau gewesen. Sie will aber prüfen, ob sie Revision gegen das Urteil einlegt.

Der weißhaarige Angeklagte mit Schnurrbart nahm das Urteil mit sichtbarer Erleichterung auf.

Verletzungen im Genitalbereich

In seinem Plädoyer warf Oberstaatsanwalt Thomas Schell dem Angeklagten vor, er habe die Verletzungen im Genitalbereich der Frau durch einen Gegenstand verursacht. Dies habe zu einer Lungenembolie und damit zu ihrem Tode geführt. Damit habe er sich auch einer Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht.

Der angeklagte frühere Imbissbetreiber aus Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) hatte die Vorwürfe bestritten und von einem Unfall beim einvernehmlichen Liebesspiel gesprochen. Der Angeklagte hatte sich damals nach dem Tod seiner Geliebten bei ihren Angehörigen entschuldigt.

Die Tochter der Frau trat in dem neuen Prozess als Nebenklägerin auf und saß die ganze Zeit stumm im Gerichtssaal. Ihr Anwalt sagte: „Es bleiben nach den Erläuterungen der medizinischen Gutachter zu viele Zweifel an einer Schuld des Angeklagten übrig.“ Das sahen die Richter genauso.

Eine andere Kammer des Landgerichts Cottbus hatte den Angeklagten im Januar 2010 wegen Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Mann war jedoch beim Bundesgerichtshof mit seiner Revision erfolgreich.

Er ist nach eineinhalbjähriger Untersuchungshaft seit August 2010 auf freiem Fuß. Deshalb sprach ihm die Kammer eine Haftentschädigung zu.