Bildung

Grundschüler müssen 700 Wörter kennen

Die Lese- und Schreibkenntnisse vieler Schüler in Brandenburg lassen zu wünschen übrig. 700 Wörter für Viertklässler werden deshalb zur Pflicht. Aber auch bei Lehrern gibt es Fortbildungsbedarf, vor allem in Englisch.

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Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) zieht die Zügel an. Mit Neuregelungen für Schüler, Lehrer und Lehramtsstudenten will sie die Qualität der Bildung verbessern.

So müssen Kinder bis zur 4. Klasse ab diesem Schuljahr einen verbindlichen Grundwortschatz von 700 Wörtern lernen, kündigte Münch am Donnerstag in Potsdam am. Gymnasiasten sollen in der Oberstufe künftig mehr Kurse auf höherem Niveau belegen als bisher und angehende Lehrer nach dem Willen Münchs künftig schon frühzeitig während ihres Studiums auf ihre Eignung für den Beruf geprüft werden. Außerdem will die Ministerin die Lehrerfortbildung stärken.

Die Idee des festgelegten Grundwortschatzes stamme aus Bayern, erklärte Münch. Dabei handelt es sich um rund 700 Wörter von A wie „aber“ bis Z wie „zurück“, die man in der deutschen Sprache häufig gebraucht.

Die Schüler sollen lernen, diese richtig zu lesen und schreiben. Außerdem soll dieser Grundbestand an Wörtern den Kindern helfen, sich die Schreibweise weiterer Wörter zu erschließen.

Außerdem will Münch mit verbindlichen Literaturvorgaben die Lesekompetenz verbessern. Zur besseren Überprüfung der Schülerleistungen kündigte sie weitere Tests an: Zweit- und Viertklässler sollen ab diesem Schuljahr Orientierungsarbeiten in Deutsch und Mathe schreiben.

Auch der Weg zum Abitur soll anspruchsvoller werden. Gab es früher zwei Leistungskurse mit je fünf Wochenstunden, sollen sie ab jetzt fünf Fächer auf „erhöhtem Anforderungsniveau“, das heißt je vier Wochenstunden, belegen. In den restlichen Fächern vermindert sich die Stundenzahl entsprechend.

Die neue Verordnung gilt zunächst für Schüler der elften Klassen an Gesamtschulen und Beruflichen Gymnasien, ab 2012/13 auch an Gymnasien.

Für Lehrer will Münch die Fortbildung verstärken, unter anderem in Englisch. Im Sommer hätten 130 Lehrer an einem ersten Kurs teilgenommen, im Herbst sei ein weiterer Kurs für 60 Lehrer geplant, sagte sie.

Für Lehramtsstudenten will sie Beratungsangebote ausbauen, die fachbezogene Ausbildung verbessern und sonderpädagogische Kompetenzen stärken. Diese werden die Lehrer verstärkt brauchen, denn künftig sollen behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam lernen (Inklusion).

Im neuen Schuljahr besuchen rund 269.000 Schüler und damit rund 3000 weniger als im vergangenen Jahr die Schulen im Land. Von dem Rückgang ist vor allem die Sekundarstufe 2 betroffen. Um das Schüler-Lehrer-Verhältnis von 15,4 zu halten, sollen bis 2014/15 rund 1400 neue Lehrer eingestellt werden. „Ich gehe davon aus, dass wir die auch finden“, sagte Münch. Allein in diesem Jahr hätten sich 1600 Lehrer beworben. Das zeige, dass Brandenburg attraktiv für Lehrer sei.