Friedrichshagen

Flugroutengegner planen Demo mit Menschenkette

Rund 2000 Demonstranten wollen am Montag ihrem Ärger Luft machen und mit einer Menschenkette gegen die geplanten Flugrouten demonstrieren. Unter den Rednern ist diesmal auch Regisseur Leander Haußmann.

Im Berliner Südosten wollen am Montag wieder Anwohner gegen die Flugrouten protestieren. Die Veranstalter rechnen damit, dass auf dem Friedrichshagener Marktplatz ab 19 Uhr rund 2000 Menschen ihrem Ärger Luft machen. Seit Anfang Juni protestieren Bürgerinitiativen aus dem Berliner Südosten gegen die geplanten Flüge über die Müggelsee-Region. Sie fürchten um das Erholungsgebiet und die Wohngebiete in Friedrichshagen und Schöneiche und fordern ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr.

Nach Angaben der Bürgerinitiative sind rund 620000 Menschen in der Region von den jüngsten Flugroutenplänen der Deutschen Flugsicherung für den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld unmittelbar betroffen. 80000 von ihnen müssen mit erheblichen Lärmbelästigungen rechnen, wenn BER im Juni 2012 in Betrieb geht.

Bei Ostwind sollen demnach täglich bis zu 120 startende Flugzeuge das Naherholungsgebiet Müggelsee in einer Mindesthöhe von 1150 Metern überfliegen. Außer vor den gesundheitlichen Folgen des Fluglärms warnen die Kritiker auch vor einer erhöhten Kerosin-Belastung über einem der wichtigsten Wasserreservoirs der Stadt. Über das Nachtflugverbot will das Bundesverwaltungsgericht im September entscheiden, geklagt haben Anrainergemeinden und betroffene Anwohner. Die Routenvorschläge der Deutschen Flugsicherung prüft derzeit das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung.

Vergangene Woche hatten die Grünen-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Renate Künast, und Linken-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi zu den Demonstranten gesprochen. Künast riet den Initiativen, alle Einwände und eigenen Gutachten an das Bundesumweltamt zu senden. Das prüfe derzeit auch Alternativrouten, bevor eine Entscheidung gefällt werde. Auch CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel war in Friedrichshagen. Die Bürgerinitiative fordert, dass auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu einer Demonstration kommt. Dafür gebe es aber momentan keine Pläne, sagte ein Senatssprecher. Man sei aber mit den Bürgern im Dialog. Auch der Senat fordert, dass die Bundesbehörden die Müggelsee-Route überdenken.

Menschenkette um den Müggelsee

Als Redner wird am heutigen Montag auch wieder der Friedrichshagener Schauspieler und Regisseur Leander Haußmann erwartet. Ihn hatte die Senatskanzlei vergangene Woche aus einem Krisengespräch ausgeladen, zu dem die Initiative ins Roten Rathaus gekommen war. Die Kanzlei teilte der Initiative mit, Wowereit lege keinen Wert auf die Anwesenheit des Filmemachers und verwies auf die „beleidigenden Worte“, mit denen dieser den Bürgermeister Ende Juli bedacht hatte. Haußmann hatte vor 2000 Demonstranten gesagt: „Wowereit, hebe deinen Arsch hierher und übe deinen Beruf aus – sei ein Meister der Bürger!“

Die Bürgerinitiative will ihre Proteste jetzt ausweiten. Neben den wöchentlichen Demonstrationen auf dem Friedrichshagener Marktplatz ist am 28. August eine Menschenkette um den Müggelsee geplant. Von September bis November soll es monatlich Demonstrationen in Schönefeld geben. Wegen der Flugrouten gibt es seit fast einem Jahr Proteste. Am 6.September 2010 hatte die Deutsche Flugsicherung bekannt gegeben, dass die Flugzeuge am neuen Großflughafen ab 2012 nicht, wie geplant, an der Stadt vorbei aufsteigen sollen, sondern auf abknickenden Route über dem Berliner Süden und angrenzende Gemeinden. Während die Planung für den südwestlichen Teil korrigiert wurden, verlaufen die südöstlichen Routen nach wie vor über das Stadtgebiet.