BBI in Schönefeld

Tausende protestieren gegen Flugrouten und Lärm

Mit viel Lärm haben am Sonntag mehrerer Tausend Menschen in Schönefeld nahe des künftigen Großflughafens BBI gegen die künftigen Flugrouten protestiert. Die Aktion stand unter dem Motto "Kein internationales Drehkreuz, kein Nachtflug, kein Flugroutenbetrug".

Mehrere Tausend Menschen haben am Sonntag gegen die geplanten Flugrouten des Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI), gegen ein internationales Drehkreuz sowie für ein striktes Nachtflugverbot demonstriert. Die Polizei zählte etwa 4000 Teilnehmer. Der Sprecher des Bündnisses „Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten“, Markus Peichl, sprach zu Veranstaltungsbeginn von mehr als 10.000 Demonstrierenden. Es war bereits die dritte große Demonstration gegen die Flughafen-Pläne in Schönefeld. Die Fluglärmgegner forderten Geradeausstarts und ein strenges Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

Trotz der jüngsten Entwicklungen in der Fluglärmkommission, wonach alternative Flugroutenvorschläge weniger Lärmbelastungen zur Folge hätten, ist der Widerstand groß. Nach wie fordern die in dem Bündnis vereinten Bürgerinitiativen aus vom Fluglärm betroffenen Kommunen und Berliner Bezirken eine Rückkehr zu den ursprünglichen Planungen. Diese gehen von einem Verkehrsflughafen aus, der den regionalen Bedarf für Berlin und Brandenburg deckt.

Nach Ansicht des Sprechers des Bündnisses, Markus Peichl, ist das Einlenken bei den Flugrouten „Kosmetik“. Die ganze Diskussion sei ein Ablenkungsmanöver „von den Planungen des Flughafens als internationales Drehkreuz“. Der Sprecher der Bürgerinitiative Zeuthen gegen Fluglärm Martin Henkel sagte: „Es geht längst nicht mehr allein um die Frage von Flugrouten, sondern darum, wie transparent die Politik mit Großprojekten umgehen, und ob sie diese am öffentlichen Interesse und an Gerichten vorbei planen und durchsetzen will.“

Der Sprecher der Kleinmachnower Initiative, Matthias Schubert, hält die gegenwärtigen Bestrebungen der Planer, Betreiber und der beiden Landesregierungen für ein internationales Drehkreuz – mit bis zu doppelt so vielen Flugbewegungen im Jahr wie im Genehmigungsverfahren geplant – für einen „Betrug zulasten der Bürger“.

Durch den Protestzug, der durch einen Teil der Gemeinde Schönefeld über die Bundesstraße 96 führte, war die Erreichbarkeit des Flughafens für etwa eine Stunde beeinträchtigt. Flugreisende, die mit dem Auto zum Airport gelangen wollten, waren nach Veranstalterangaben vor der Demonstration auf Einschränkungen hingewiesen worden.

Flugsicherung stellt präzisierte Varianten vor

Im Streit um die künftigen BBI-Flugrouten stellt die Deutsche Flugsicherung (DFS) am morgigen Montag der Fluglärmkommission in Schönefeld präzisierte Varianten vor. Erwartet werden vor allem Lösungen für den Berliner Südwesten im Bereich Wannsee. Für Ost-Abflüge sollte geklärt werden, ob Flugzeuge bei Parallelstarts länger als gesetzlich erlaubt geradeaus fliegen dürfen.

Erste Routenvorschläge von September 2010 hatten für massive Proteste in Brandenburg und im Berliner Süden gesorgt. Seither nahm die DFS zahlreiche Nacharbeiten und Korrekturen vor. Die endgültigen Flugrouten werden erst kurz vor Eröffnung des Airports Berlin Brandenburg International (BBI) festgelegt. Allein bis März 2011 waren von der beratenden Fluglärmkommission 69 Bitten um Prüfung von Alternativrouten an die DFS gegangen. Es wurden 37 verschiedene Abflugvarianten diskutiert.

Ende März hatte die DFS Varianten vorgestellt, wonach bei West-Abflügen von der BBI-Südbahn Maschinen nach ihren Starts um 15 Grad abbiegen (Variante 3). Von der Nordbahn würden die Maschinen geradeaus fliegen, was besonders Ludwigsfelde entlastet. Bei Ost-Starts von der Nordbahn würden die Maschinen geradeaus fliegen (Variante 1). Von der Südbahn könnten die Flugzeuge kurz nach dem Start eine scharfe Kurve nach Süden fliegen (Kurze Südkurve). Damit würde zwar Zeuthen weitestgehend von Fluglärm verschont. Allerdings fürchten Gemeinden im Umfeld des Schönefelder Kreuzes neue Belastungen, darunter Neu-Diepensee, Deutsch Wusterhausen und Ragow.

Darüber hinaus können sehr große Maschinen dieses Manöver der Kurzen Südkurve nicht durchführen. Sie müssten bei Parallelstarts von Nord- und Südbahn mit Ausnahmegenehmigungen fliegen. Eine entsprechende Sonderprüfung ist geplant.