Jüterbog

Kindstötung – Mutter war Jugendamt bekannt

Die 37-Jährige, die ihr Baby getötet und im Garten vergraben hat, war dem Jugendamt seit Jahren bekannt. Obwohl sie dort regelmäßig wegen ihrer anderen drei Kinder vorsprechen musste, war den Mitarbeitern die erneute Schwangerschaft nicht aufgefallen.

Die Mutter des getöteten Babys in Jüterbog (Teltow-Fläming) war dem Jugendamt seit Jahren bekannt. Die Behörde stehe seit 2004 mit der 37-Jährigen in Kontakt und versuche in „hochstrittigen Sorgerechtsverfahren“ zu vermitteln, sagte Jugenddezernent Horst Bührendt vom Landkreisamt Teltow-Fläming am Montag.

Die Frau hat drei Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahre. Diese befinden sich laut Bührendt seit der Verhaftung ihrer Mutter in Obhut des Jugendamtes. Details nannte er mit Verweis auf den Datenschutz nicht. Der Dezernent zeigte sich schockiert über den Fall – zumal die Frau unter den Augen seiner Behörde mit dem später getöteten Baby schwanger gewesen sein muss.

„Wir wussten nicht, dass sie ein weiteres Kind erwartete“, sagte Bührendt. Seinen Angaben zufolge führte das Jugendamt jedoch kontinuierlich Beratungsgespräche mit der Mutter – in der Behörde und am Telefon. Auch Hausbesuche habe es gegeben. Die zuständige Mitarbeiterin sei nach der Verhaftung der Frau befragt worden. Sie habe keine Schwangerschaft bemerkt, so der Dezernent.

Nach erster Durchsicht der Unterlagen seien keine Versäumnisse festzustellen, sagte Bührendt. „Wir werden den Fall aber noch intensiver prüfen“, betonte er. Dies gelte auch mit Blick auf den Umgang mit anderen Sorgerechts-Verfahren.

Derzeit können die Ermittler noch nichts zur Todesursache sagen. „Durch die lange Liegezeit gestaltet sich die Obduktion außerordentlich schwierig“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam am Montag. Die Untersuchung habe bereits am Wochenende in der Rechtsmedizin Potsdam begonnen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Eltern wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen, sagte der Sprecher. Gegen die 37-jährige Frau und ihren 34 Jahre alten Ex-Partner war am Sonntag Haftbefehl erlassen worden. Laut Staatsanwaltschaft stehen beide gleichermaßen im Verdacht. Die Ermittler gehen von einem gemeinschaftlichen Tatplan aus.

Nach Angaben der Polizei hatte die Frau bei ihrer ersten Aussage den früheren Partner belastet. Demnach sollte der Mann das Neugeborene nach der Geburt an sich genommen und vergraben haben. Nach Hinweisen der Frau stießen Polizisten dann auf Überreste der Babyleiche im Garten des Haues in der Werderschen Siedlung in Jüterbog.

Etwa 30 Beamte waren nach Angaben eines Polizeisprechers am Samstag vor Ort. Der Mann schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Vor dem Haftrichter in Potsdam sagte der 34-Jährige dann aber auch aus. Nach über sechs Stunden Vernehmung erließ der Richter schließlich am Sonntagnachmittag Haftbefehl wegen Mordes gegen beide. Sie befinden sich in Untersuchungshaft.

Der Hinweis auf die Tat kam aus dem Umfeld der Frau: Eine Bekannte informierte die Polizei in Jüterbog am Samstag über die Tötung des Babys und dass sich die 37-Jährige stellen wolle. Gemeinsam mit dem 34-Jährigen und weiteren Kindern lebte die Frau seit etwa drei bis vier Jahren in der Siedlung.

Der Bürgermeister der 12.700-Einwohner-Stadt südlich von Berlin, Bernd Rüdiger (FDP), zeigte sich betroffen. Ihm sei die Familien vom Sehen bekannt gewesen. „Ich gehe da täglich vorbei“, sagte Rüdiger. Er habe nichts Auffälliges bemerkt. Angaben über den Verbleib der anderen Kinder konnte der Bürgermeister zunächst nicht machen. Er verwies auf die Zuständigkeit des Landratsamtes Teltow-Fläming. Von dort waren zunächst keine Angaben zu erhalten.

Nach Medienberichten soll sich das Paar vor seiner Trennung häufiger so heftig gestritten haben, dass die Polizei einschreiten musste. Laut „Bild“-Zeitung soll die Polizei zudem 2006 nach einem Fenstersturz einer Tochter der 37-Jährigen ermittelt haben. Das Verfahren wurde eingestellt. Angaben dazu wollte die Potsdamer Staatsanwaltschaft nicht machen.