Brandenburger Jugend-Studie

Jugendliche lehnen Rechtsextremismus immer mehr ab

Wie tickt Brandenburgs Jugend? Rechtsextremisten scheinen es jedenfalls immer schwerer bei ihr zu haben. Das fanden Forscher heraus, deren neueste Studie jetzt in Potsdam vorgestellt wird.

Der Rechtsextremismus verliert unter Brandenburgs Jugendlichen weiter an Rückhalt. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie, die am Dienstag im Beisein von Ministerpräsident Matthias Platzeck und Bildungsminister Holger Rupprecht (beide SPD) vorgestellt werden soll. Schon vorher wurde bekannt, dass inzwischen 60,2 Prozent der Jugendlichen im Land rechtsextreme Einstellungen völlig ablehnen. Das bestätigt den Trend der vergangenen Jahre: 2005 waren es 52 Prozent.

Da hatte das in Vehlefanz (Oberhavel) ansässige Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung (IFK) zuletzt seine Forschungsergebnisse präsentiert. Alles fing 1991 mit einer Pilotstudie an, die „Wende bedingte“ Veränderungen der Lebenssituation märkischer Jugendlicher erfassen wollte. Das Projekt wurde 1993, 1996, 1999 und 2001 fortgeführt.

Aktuell Sorgen bereitet den Bildungsexperten, dass immer noch rund 40 Prozent der jungen Leute meinen, es gebe hierzulande zu viele Ausländer. Dieser Anteil sei weiterhin bedenklich hoch, heißt es in der Studie „Jugend in Brandenburg 2010“. Von den 2,5 Millionen Einwohnern in Brandenburg sind laut Innenministerium 46.000 ausländischer Herkunft. Unter den Jugendlichen gibt es der Studie zufolge einen harten Kern Rechtsradikaler, der etwa drei Prozent ausmacht.

Vor fünf Jahren war auch die Zahl derer deutlich gestiegen, die Gewalt von Mitschülern ablehnen: von 23,4 Prozent 1999 auf 32,4 Prozent 2005. Damals gaben fast 24 Prozent der Befragten an, dass sie möglichst ohne Anstrengung leben wollten; sechs Jahre zuvor waren es noch 26,5 Prozent. Der Gründung einer Familie maßen 58 Prozent große Bedeutung bei (1999: gut 53 Prozent). Für die jüngste Untersuchung wurden nach Angaben des Instituts 3132 Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren nach ihrer Lebenssituation und ihren politischen Einstellungen befragt.

Deutlich weniger euphorisch reagierten die Bündnisgrünen auf die Ergebnisse der Jugendstudie. „Auch wenn sich leichte Verbesserungen zeigen, sind 40 Prozent ausländerfeindliche Jugendliche immer noch zu viele“, sagte die Bildungsexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Marie Luise von Halem. Auch den Optimismus von Bildungsminister Rupprecht könne sie nicht teilen. „Immer noch verlässt jeder zehnte Jugendliche in Brandenburg die Schule ohne Abschluss.“