Mindestens zwölf Menschen sind am Sonntag bei einem Busunfall am Schönefelder Kreuz (Brandenburg) ums Leben gekommen. Die Zahl der Todesopfer musste im Laufe des Tages immer weiter nach oben korrigiert werden. Es soll nach Angaben vom Nachmittag sieben Schwerstverletzte geben und weitere 27 leichter Verletzte. Der Rettungsdienst ist laut einem Polizeisprecher mit rund 250 Kräften aus ganz Südbrandenburg und Berlin im Großeinsatz. Außerdem sind drei Rettungshubschrauber und auch Notfallseelsorger am Unglücksort. Drei Rettungshubschrauber sind im Einsatz. Augenzeugen sprachen von "entsetzlichen Bildern".
Nach ersten Erkenntnissen sei der Bus auf der Autobahn 10 zwischen Rangsdorf und Schönefeld in Richtung Frankfurt (Oder) unterwegs gewesen und gegen 10 Uhr gegen einen Brückenpfeiler geprallt. Ob er von einem von der A113 auf die A10 auffahrenden Auto abgedrängt worden war oder dem Wagen ausweichen wollte, ist derzeit noch unklar. Angeblich hatte die Fahrerin des Pkw die Kontrolle über ihren Wagen verloren. Sie überlebte den Unfall nach Polizeiangaben mit schwersten Verletzungen. Sie war nach dem Zusammenstoß mit dem Bus eine Böschung heruntergefahren und in einem Entwässerungsgraben unter der Autobahnbrücke zum Stehen gekommen. Ein männlicher Insasse ihres Autos wurde verletzt, ein weiterer Insasse überlebte unverletzt. Der genaue Unfallhergang ist nach Polizeiangaben aber noch unklar.
Der aus Polen stammende Reisebus, in dem 47 Menschen saßen, war auf der Rückreise aus Spanien nach Zlocieniec in Westpommern. Die Passagiere sollen Jugendliche gewesen sein, was zunächst nicht bestätigt wurde. Es war das schwerste Busunglück in diesem Jahr in Deutschland. Ob der Fahrer möglicherweise übermüdet war, stand nicht fest.
Die ersten Angehörigen haben Kontakt mit der polnischen Botschaft aufgenommen. Eine Sprecherin sagte am Sonntag in Berlin, bislang hätten Krankenhäuser die Identität von rund zehn Opfern an die Botschaft weitergeleitet. Die Familien seien benachrichtigt worden. Bei allen habe es sich um polnische Staatsbürger gehandelt.
Die bei dem Unfall verletzten Menschen werden in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern betreut. Einbezogen sind in Berlin nach Angaben der Feuerwehr das Vivantes Klinikum Neukölln, das DRK-Krankenhaus Köpenick und das Krankenhaus Hedwigshöhe in Berlin-Bohnsdorf. In Brandenburg werden Verletzte in dem nahe des Unfallortes gelegenen Klinikum Dahme-Spreewald GmbH und dem Achenbach Krankenhaus in Königs Wusterhausen behandelt. Dorthin wurde ein schwer verletzter polnischer Fahrgast gebracht, der unter anderem Kopfverletzungen und Brüche bei dem Unfall erlitt, wie Chefarzt Peer-Ekkehart Waurick sagte. Auch im Helios Klinikum Bad Saarow werden Unfallopfer behandelt.
Der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder), Peter Salender, sprach von einem Großalarm für Polizei und Rettungskräfte. Ein so schweres Unglück mit einem so erheblichen Personenschaden habe es in Brandenburg lange nicht gegeben.
Polens Regierungschef Donald Tusk wird zusammen mit Gesundheitsministerin Ewa Kopacz zum Unfallort reisen. Das teilte Regierungssprecher Pawel Gras am Sonntag in Warschau mit. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will zur Unfallstelle fahren und sich über die Bergungs- und Rettungsarbeiten informieren.