Gewerbepark Schönefeld

Airport BBI bekommt einen Flugsimulator

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Katrin Schoelkopf

Piloten sollen in Schönefeld in einem neuen Simulatorzentrum das Fliegen trainieren. Der Baubeginn ist für November geplant. Damit kommt Bewegung in die bislang schleppende Entwicklung des nahen Flughafenumfelds.

Am Flughafen Schönefeld wird ein Simulatorzentrum zum Pilotentraining gebaut. Investor für das neue Zentrum, das dem bereits seit 1990 in Schönefeld bestehenden Trainingscenter der Lufthansa Konkurrenz machen will, ist das niederländische Unternehmen FSC (Flight Simulation Company) mit Sitz in Amsterdam.

FSC hat als Partner die in Schönefeld ansässige Flugschule Berlin mit ins Boot geholt. 50 bis 60 Millionen Euro will das Unternehmen, das Flugsimulatorzentren bereits am Amsterdamer Flughafen Schiphol, in Dallas/Texas und auch in Ungarn betreibt, im Gewerbepark Schönefeld direkt an Hans-Grade-Allee investieren. Dabei setzt es auf den neuen Hauptstadtflughafen BBI und will vor dessen geplantem Start im Juni 2012 mit dem neuen Zentrum betriebsbereit sein. Geplant ist die Installation von zunächst sechs Flugsimulatoren. Diese ermöglichen das Flugtraining auf dem Langstreckenflugzeug vom Typ Airbus A330 sowie auf den Mittelstreckenflugzeugen A320 und Boeing 737, wie sie Easyjet und Air Berlin fliegen. Beide Airlines beherrschen neben der Lufthansa den Berliner Luftverkehrsmarkt. Auch das Simulatorzentrum der Lufthansa bietet ein entsprechendes Training für die gleichen Flugzeugmuster an.

„Wir werden insgesamt 16 Standplätze für Simulatoren planen“, sagt Jens Egerland, der zugleich Geschäftsführer der eigens gegründeten FSC Berlin Brandenburg GmbH und der Flugschule ist. Baubeginn soll im November dieses Jahres sein. Knapp ein Jahr später, im Oktober 2011, wird das Center nach Angaben von Egerland mit zunächst sechs Simulatoren in Betrieb gehen. FSC hat für den Bau der Simulatorhalle 10.000 Quadratmeter im Gewerbepark Schönefeld von der HVB Immobilien AG gekauft.

Projekt wird von der EU gefördert

Das Bauschild wurde vor wenigen Tagen dort aufgestellt. Ein Bauantrag ist allerdings noch nicht gestellt. „Dies soll jetzt passieren, da nun klar ist, dass das Projekt von der EU gefördert wird“, kündigt Egerland an. Der Förderbescheid der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) liegt seit Juni vor und sieht 3,9 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur vor.

„Der Zuwendungsbescheid bezieht sich auf ein Investitionsvolumen von 24,4 Millionen Euro“, sagte ILB-Sprecher Matthias Haensch. Der Antrag sei schon im Sommer 2007 gestellt worden. Damals war FSC davon ausgegangen, 2008 mit dem Bau des Simulatorzentrums zu beginnen, um im Sommer vergangenen Jahres an den Start zu gehen. Die Finanzkrise aber machte einen Strich durch diese Rechnung. Es gab offenbar Probleme bei der Gesamtfinanzierung, so dass das Projekt mehrfach umgeplant werden musste und nun erst startklar ist.

In der Gemeinde Schönefeld wie auch im Landkreis Dahme-Spreewald ist man sich sicher, dass es diesmal klappt. Die Gemeinde und die Flughafengesellschaft begrüßen das Projekt ebenso wie das direkt gegenüber liegende Hotel Holiday Inn, das derzeit für 18 Millionen Euro seine Bettenanzahl von 396 auf 600 aufstockt und sich von dem neuen Zentrum zusätzlich Gäste erhofft. Bei der Lufthansa wollte man sich zu der Konkurrenz nicht äußern. Das Lufthansa-Simulatorzentrum, das Lufthansa Flight Training Center, liegt nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Gewerbepark Schönefeld entfernt.

Airlines bauen Werften

Ein Investorenboom im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Hauptstadtflughafens, wie ihn die Wirtschaftsförderer beider Länder und die Politik bereits für Jahre zuvor prognostiziert haben, hat längst noch nicht eingesetzt. Sichtbar ist bislang nur der erste Hotelneubau in Schönefeld an der Bundesstraße 96a gegenüber des alten Flughafens. Das Intercity-Hotel mit 400 Betten ist im März dieses Jahres eröffnet worden. Investitionsvolumen 22 Millionen Euro. Überdies haben die beiden großen Airlines Air Berlin und Lufthansa den Bau großer Wartungshangars im Westen des neuen Flughafens angekündigt. So plant Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin auf 150 mal 80 Metern Grundfläche eine Werft für mindestens vier Flugzeuge des Typs Airbus A320.

Das Investitionsvolumen benannte Air Berlin nicht, es dürfte sich aber um einen höheren zweistelligen Millionenbetrag handeln. Der Berliner Wartungshangar ist dann neben Düsseldorf und München einer von drei Air-Berlin-Wartungsstandorten, wo kleine wie auch große Wartungsarbeiten an den Maschinen der 145 Flugzeuge umfassenden Flotte von Air Berlin durchgeführt werden können.

Auch die Lufthansa als größte deutsche Airline plant einen Hangar am neuen BBI. Dieser wird mit 6800 Quadratmetern etwas kleiner sein und drei Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen Platz bieten. Mit dem Bau soll im dritten Quartal 2011 begonnen werden. Nach Angaben der Lufthansa wird ein zweistelliger Millionenbetrag investiert.