Mercure Hotel

Potsdams Oberbürgermeister will DDR-Hotel abreißen

Das Mercure Hotel in Potsdam soll fallen. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs kündigte Gespräche mit dem Eigentümer Blackstone an. Problem: Es fehlt Geld für einen Ankauf des Gebäudes aus DDR-Zeiten.

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Seit mehr als 40 Jahren überragt der Hotelklotz alles in Potsdam. 54 Meter misst der schlichte 17-Stöcker an der Havel. Zu DDR-Zeiten residierten im einstigen Interhotel Berühmtheiten wie Zsa Zsa Gabor. Die Gäste ließen sich von 400 Angestellten verwöhnen. „Verdiente“ DDR-Bürger durften in dem 1969 eröffneten Haus „in bester Lage“ ebenfalls Urlaub machen. Im heutigen Mercure nächtigen überwiegend Geschäftsleute. In den Sommermonaten ist das Vier-Sterne-Haus mit dem Traum-Panorama vor allem bei Touristen beliebt. Wenn es nach dem Willen von Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) geht, soll der Plattenbau-Koloss aber möglichst bald verschwinden. Er will das ungeliebte Hochhaus abreißen lassen. Das passe städtebaulich da schon jetzt und in Zukunft schon gar nicht mehr hin. Denn der Hotelklotz wird den Landtagsneubau mit der Fassade des alten Stadtschlosses „erdrücken“, der bis 2013 auf dem gegenüberliegenden Alten Markt entstehen soll.

Nutzungsvertrag läuft aus

Zustimmung erhält Jakobs vor allem von den Stadtschloss-Liebhabern. Der Umzug des Landesparlaments vom Brauhausberg zum Alten Markt ist für Anfang 2013 geplant. Im Jahr davor läuft der Nutzungsvertrag zwischen dem Hoteleigentümer, der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone und der französischen Hotelbetreiberin Accor aus. Bis dahin müsste die Stadt Potsdam ein Angebot vorgelegt haben.

Kurz bevor er in den Sommerurlaub entschwand, kündigte Jakobs überraschend an, mit dem Hotel-Eigentümer sprechen zu wollen. Für den Fall, dass die US-amerikanische Investmentgesellschaft die Immobilie verkaufen will, verfügt die Stadt über ein Vorkaufsrecht. Allerdings endet dieses auch 2012. Es bleibt also wenig Zeit.

Das Problem ist das fehlende Geld für einen Ankauf des Gebäudes. Mehrere Millionen Euro würden schon benötigt. Deshalb wohl gibt man sich beim Hotel-Betreiber Accor recht gelassen. „Wir sind seit 20 Jahren in Potsdam vertreten und zuversichtlich, dass wir dort bleiben“, sagte Unternehmenssprecher Michael Kirsch Morgenpost Online. Accor habe in den vergangenen Jahren viel in das bei den Gästen sehr beliebte Haus investiert und es innen wie außen liebevoll saniert.

„Ein städtebaulicher Schandfleck"

Der Verein Potsdamer Stadtschloss hält den Abriss des Hochhauses langfristig für unvermeidbar. „Es handelt sich um eine banale Architektur“, sagt dessen stellvertretender Vorsitzender, Hans-Joachim Kuke. Das Hochhaus sei von der SED als „politisches Fanal des modernen Städtebaues gegen das alte Potsdam“ gebaut worden. Da, wo das Mercure steht, breitete sich einst der Lustgarten des nach Kriegsschäden von der SED abgerissenen Hohenzollernschlosses aus. Hans-Joachim Kuke hofft, dass die Stadt als großer Grundstückseigentümer den Hotel- Eigentümern innerhalb Potsdams eine Kompensation anbieten kann.

Auch die CDU-Landes- und Fraktionschefin Saskia Ludwig fordert, dass der Bau abgerissen wird. „Aus städtebaulicher Sicht muss das Hotel dort unbedingt weg“, sagte sie Morgenpost Online. Dies sei längst nur noch eine finanzielle Frage. Das Hochhaus sei bereits zu Ost-Zeiten ein städtebaulicher Schandfleck gewesen, über den sich ganz Potsdam aufgeregt habe.

Die Potsdamer FDP will den Abriss als Vorhaben festschreiben, dem Hotel aber noch eine Bestandsgarantie über 20 Jahre geben. Sie schlagen vor, dass die Stadt das Hotel kauft und zunächst selbst weiter betreibt. Dies aber lehnt Oberbürgermeister Jann Jakobs ab.

Der Potsdamer Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg hingegen kritisiert die Pläne scharf. Der Herausforderer Jakobs im bevorstehenden Oberbürgermeister-Wahlkampf sagt: „Es ist abenteuerlich, das Hotel zu kaufen, um es dann abzureißen. Die Stadt sollte das Geld lieber in wichtigere Projekte stecken. Scharfenberg sieht keinen Widerspruch zwischen der Nachbarschaft des künftigen Landtagsschlosses und des Mercure-Hotels. Er ist für eine Bestandsgarantie für das Gebäude, das noch bis zu 25 Jahren „Lebensdauer“ haben werde.

Kasten schon immer in der Kritik

Die Äußerungen Jakobs werden erst mal dem Oberbürgermeister-Wahlkampf zugeordnet. Doch der Ruf nach einem Abriss des Hotels an der prominenten Stelle ist nicht neu. Geliebt haben die Potsdamer den Kasten an der Havel tatsächlich nie – auch wenn zu DDR-Zeiten das hoteleigene Restaurant „Sanssouci“ wegen seiner guten Qualität äußerst beliebt war. Und in einem sind sich alle einig: Obwohl heute viele Potsdamer Geschäftsleute und Politiker die Mercure-Tagungsräume gern buchen und die wunderbare Aussicht genießen – schöner wird der himmelstrebende Bau neben dem wiedergekehrten Stadtschloss auf keinen Fall.

Die Wechselvolle Geschichte des Hotels

Das frühere Interhotel in Potsdam wurde aus vorgefertigten Platten errichtet. Zu DDR-Zeiten beherbergte es 200 Zimmer in fünf Kategorien.

Zur Havel hin lagen das Restaurant „Sanssouci“ und der Mehrzweckraum „Salon Rouen“. Von der Terrasse aus war die Selbstbedienungsgaststätte „Havelblick“ zu erreichen. Einen imposanten Ausblick hatte man von der „Cafè-Bellevue-Bar“.

Seit 1992 wird das Hotel von der Accor-Gruppe unter der Marke Mercure betrieben. Es wurde umfangreich saniert und verfügt über 210 Zimmer und 15 Konferenzräume. Etwa 60 Angestellte kümmern sich um das Wohl der Gäste. Das Restaurant „Oscar“ ist bis 22.30 Uhr geöffnet, die „Cinebar“ bis 1 Uhr.