Treptow-Köpenick

Köpenick gedenkt an die Opfer der Köpenicker Blutwoche

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Lea Hensen
Das frühere Gerichtsgefängnis in der Puchanstraße ist heute Gedenkstätte für die Köpenicker Blutwoche: Mindestens 23 Menschen wurden ermordet.

Das frühere Gerichtsgefängnis in der Puchanstraße ist heute Gedenkstätte für die Köpenicker Blutwoche: Mindestens 23 Menschen wurden ermordet.

Foto: Ralf Drescher

Zum Gedenktag hält Kulturstadträtin Cornelia Flader eine Rede. An der Gedenkstätte eröffnet eine neue Kunstinstallation

Berlin. Am 21. Juni 1933 begann in Köpenick eine nationalsozialistische Verhaftungsaktion gegen Zivilpersonen. Über fünf Tage, bis zum 26. Juni 1933, verschleppten und folterten die Einheiten der Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) bis zu 500 politisch Andersdenkende sowie Jüdinnen und Juden. Mindestens 23 Menschen wurden im Köpenicker Gefängnis ermordet oder erlagen den Folgen der Gewalt.

Anlässlich des 88. Gedenktages der sogenannten Köpenicker Blutwoche hat das Bezirksamt Treptow-Köpenick mitgeteilt: „Die Gewalt fand nicht im Verborgenen statt, sondern in aller Öffentlichkeit und vor den Augen der Mitbürgerinnen und Mitbürger. Bis heute zeigen diese Ereignisse, wie wichtig Zusammenhalt und eine starke Zivilgesellschaft sind.“

Am Montag, 21. Juni, 19 Uhr, wird Kulturstadträtin Cornelia Flader (Freie Wähler) an der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, Puchanstraße 12, eine Rede halten. Auch der Erste Vorsitzende des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin, Christoph Kreutzmüller, wird sprechen.

Sechs Informationsorte im Bezirk verteilt

Am Gedenktag waren an sechs Stationen im öffentlichen Raum Informationen und Hinweise zur Köpenicker Blutwoche zu sehen. Damit will das Bezirksamt auf den dezentralen Charakter der NS-Gewalt aufmerksam machen, die sich 1933 in der Phase der Machteroberung befand und diese durch breit gestreute Gewaltaktionen erreichte. Banner und Informationsstandorte waren an zwei Ausgängen am S-Bahnhof Köpenick, am Platz des 23. April, am Schlossplatz Köpenick, am Nachbarschaftshaus Rabenhaus an der Puchanstraße 9 sowie an der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche zu sehen.

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In der Gedenkstätte, die regulär donnerstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist, wird am Montag die Raum-Klang-Installation „Es waren Nachbarn, es sind Menschen“ eingeweiht. Die Künstlerin Renate Herter hat die Wände eines früheren Zellenraumes so behandelt, dass sie etwas von der Geschichte freisetzen, die sich in ihnen einlagerte.

Eine Abfolge von ineinander verschränkten, in die Mauern eingeritzten Worten zeigt Begriffe von negativ und positiv besetztem Handeln, ein Pro und Contra, das die Besucherinnen und Besucher herausfordern soll, eine eigene Position einzunehmen.