Arena in Treptow

Der Weg zum Piks - Besuch in Berlins erstem Impfzentrum

Über 90-Jährige werden mit dem Taxi gebracht. Auch Pfleger lassen sich impfen und sprechen von großer Bereitschaft unter den Kollegen.

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Berlin. Mit langsamen Schritten verlässt am Montagvormittag eine kleine, grauhaarige Dame die Arena in Treptow. Ursula Feitsch ist mit ihren 99 Jahren eine der ersten über 90-Jährigen in Berlin, die hier seit diesem Morgen geimpft werden. „Ich fühle mich gut, das Impfen hat auch überhaupt nicht weh getan. Nur ein Piks und fertig“, sagt sie und lächelt. Ihr Schwiegersohn Hans Joachim Schulz hat sie mit dem Auto aus Friedrichshain abgeholt und zum Impfzentrum gefahren. „Besser kann ich es ja gar nicht haben“, sagt Feitsch.

Ansonsten hätte sie aber auch die Möglichkeit gehabt, mit dem Taxi gefahren zu werden. Vor dem Impfzentrum in der Eichenstraße warten zehn Taxen. „Sechs über 90-Jährige haben unser Angebot heute bereits in Anspruch genommen und sind mit dem Taxi gekommen“, sagt Carsten Reichert (58), Vorstandsmitglied der Berliner Taxi-Innung. Wer als über 90-Jähriger eine Impf-Einladung erhalten und einen Termin vereinbart hat, kann unter der Nummer 030 202020 anrufen. Dann holt ein so genanntes „Safe-Taxi“ mit Trennscheibe die Impfkandidaten von zu Hause ab und fährt sie zum Impfzentrum. Die Kosten dafür trägt der Berliner Senat. Alle 7000 Taxen stünden dafür in der ganzen Stadt zum Einsatz bereit, so Reichert. Bisher habe alles gut funktioniert. Wahrscheinlich werde es dieses Angebot auch für die über 80-Jährigen geben, wenn sie an der Reihe sind.

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Impfungen in der Arena in Treptow - 98-Jährige: „Alles hat sehr gut funktioniert“

Die 98-jährige Liselotte Mühlhausen hat dieses Angebt genutzt. „Alles hat sehr gut funktioniert“, sagt sie. Erfahren habe sie von dieser Möglichkeit aus ihrem Schreiben, in dem sie auch zur Impfung eingeladen wurde. Ansonsten hätte sie ihr Enkel Johannes Schwarz (44), der sie zum Impftermin ohnehin begleitet, mit einem Leihauto gefahren. So sei es jedoch einfacher gewesen. Am Abend vorher habe er ein Taxi bestellt, das sie dann pünktlich und ohne Komplikationen aus Lichtenberg abgeholt habe. Auch nach der Impfung, die Liselotte Mühlhausen kaum weh getan habe, nehmen die beiden auch für den Heimweg wieder eines der Taxen, die vor dem Ausgang bereit stehen.

Wolfgang Kast (63), einer der Koordinatoren des Impfzentrums, appelliert an alle, das Angebot zu nutzen. „Besser kann man gar nicht hierher kommen.“ Weiter sagt er: „Wenn man hier steht, alles vorbereitet hat und dann fast 100-jährige Damen und Herren begrüßen kann, dann hat sich der ganze Aufwand gelohnt.“

Aber auch einige Pflegerinnen und Pfleger sind am Montag zur Arena gekommen und haben sich impfen lassen. So kommen zwei Mitarbeiterinnen (31 und 43) vom Seniorenzentrum Bethel in Lichterfelde aus dem Impfzentrum gut gelaunt heraus. „Wir wollen ja auch den Bewohnern damit Sicherheit geben“, sagen sie. Außerdem erhoffen sie sich davon, irgendwann nicht mehr die FFP2-Masken tragen und nicht mehr jeden zweiten Tag einen Corona-Test machen zu müssen. Allgemein sei die Impfbereitschaft unter ihren Kolleginnen und Kollegen recht hoch, sagen sie. Rund 80 Prozent unter ihnen wollen sich impfen lassen, drei weitere von ihnen hätten heute ebenfalls noch einen Termin.

Corona-Impfungen in Berlin: 70 Prozent der Vivantes-Belegschaft wollen sich impfen lassen

Für eine weit verbreitete Skepsis gegenüber der Impfung unter Pflegekräften in Krankenhäusern und Pflegeheimen haben Berliner Klinik- oder Heimbetreiber bislang keine Belege. In einer nicht repräsentativen Umfrage hätten 70 Prozent der Mitarbeiter angegeben, sich impfen lassen zu wollen, sagte die Sprecherin des städtischen Krankenhauskonzerns Vivantes, Christina Tschenett. Es liege eher am fehlenden Impfstoff als an der mangelnden Bereitschaft der Beschäftigten, dass es nicht schon mehr Geimpfte gebe, meint sie. Vor dem Jahreswechsel wurden 500 Impfstoffdosen gegen das Coronavirus in den Vivantes-Häusern Neukölln, Friedrichshain und Humboldt für Beschäftigte in der Intensivmedizin, auf Covid-Stationen und in der Pneumologie ausgegeben. „Es gab mehr Voranmeldungen von Mitarbeitenden als verfügbaren Impfstoff“, so die Sprecherin.

Auch Andreas Grenz, Geschäftsführer der Sozialdienste der Volkssolidarität Berlin, nimmt eine „hohe Impfbereitschaft“ wahr. „Das Impfen unterstützen wir ausdrücklich. Deshalb erkennen wir dafür zwei Stunden als Arbeitszeit an.“ Bisher sind in zwei der drei Pflegeheimen des Sozialunternehmens einmal 22 und einmal acht Beschäftigte beim Besuch der mobilen Teams geimpft worden. Die Mitarbeiter hätten jene Dosen erhalten, die nicht für die Bewohner benötigt worden seien, sagte eine Volkssolidarität-Sprecherin. Zwei Heime hätten am 27. Dezember von der Senatsverwaltung den Code für eine Terminvereinbarung im Impfzentrum erhalten. „Das läuft alles jetzt an.“

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