Gesundheit

Ein Blick in das neue Krebszentrum in Köpenick

In Köpenick ist das neue Onkozentrum Berlin (OZB) fast fertig - die Einrichtung soll Patienten Wege ersparen und Abläufe erleichtern.

Ärztliche Leiter im neuen Onkozentrum: Chirurgie-Chefarzt Prof. Matthias Pross (l.) und Radiologe Dr. Konrad Mohnike.

Ärztliche Leiter im neuen Onkozentrum: Chirurgie-Chefarzt Prof. Matthias Pross (l.) und Radiologe Dr. Konrad Mohnike.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Krebs macht Angst: Laut einer Umfrage der DAK fürchten sich die Deutschen vor keiner Erkrankung so sehr wie vor einem bösartigen Tumor. Mehr als 230.000 Menschen in Deutschland starben im Jahr 2018 daran. Und Krebs macht keine Pause, auch dann nicht, wenn gerade eine Corona-Pandemie die Schlagzeilen bestimmt. Die Behandlung von Krebspatienten muss weiter laufen, oft kommt es dabei auf schnelles Handeln an.

„Das Sterberisiko von Krebspatienten steigt bereits nach kurzen Therapie­verzögerungen“, fasst der Berliner Arzt Prof. Wolfgang Mohnike (71) eine aktuelle Studie zusammen. Mohnike ist Gründer des Diagnostisch Therapeutischen Zentrums Berlin (DTZ), ein medizinisches Versorgungszentrum mit onkologischer Ausrichtung in Friedrichshain. Für 23 Millionen Euro hat der Nuklearmediziner jetzt einen neuen Standort aufgebaut – in Köpenick. Mit dem Onkozentrum Berlin (OZB) soll der Kampf gegen den Krebs im Berliner Südosten in eine neue Phase gehen.

Alles unter einem Dach für Kassen- und Privatpatienten

Kassen- und Privatpatienten steht mit dem OZB jetzt ein „Komplettpaket“ zur Verfügung, sagt Mohnike. Es soll ihnen beschwerliche Wege ersparen und Abläufe erleichtern – dadurch, dass sich dort „alles unter einem Dach“ befindet. Alle Schritte einer Therapie sollen vor Ort durchgeführt werden. Öffentliche Fördermittel gab es nicht, die Kosten trägt Mohnike als Investor.

Als Kooperationspartner sind die DRK Kliniken Köpenick bei dem Projekt dabei. Auf dem Grundstück des 525-Betten-Krankenhauses in der Salvador-Allende-Straße liegt der 2400 Quadratmeter große Neubau, der Zimmer für Zimmer in den vergangenen Monaten in Betrieb genommen wurde. Einige Räume sind noch unfertig, einige Seifenspender, Monitore oder Schläuche stehen noch in Kartons verpackt im Erdgeschoss.

Offiziell eingeweiht wird das neue Krebszentrum am Donnerstag, 10. Dezember. Wegen Corona können vor Ort nur wenige Personen teilnehmen. Per Livestream kann aber jeder Interessierte ab 11 Uhr online zuschauen. Es gibt ein moderiertes Programm mit Gesprächsrunde.

Onkozentrum ist „das modernste außeruniversitäre Klinikum der Stadt“

80 Beschäftigte sollen in dem interdisziplinären Zentrum bald arbeiten. Die speziell geschulten Pflegekräfte für diesen Bereich seien allerdings, gerade während der Corona-Situation, nicht leicht zu finden, sagt Professor Matthias Pross (57), Chirurgie-Chefarzt in Köpenick. Neben Mohnike ist er einer der Initiatoren des Projekts. Das OZB sei „das modernste außeruniversitäre Klinikum der Stadt“ und ein „Leuchtturmprojekt“ im Bezirk Treptow-Köpenick, sagt der Mediziner. Fast alle anderen onkologischen Zentren sind in der Stadtmitte und weiter im Westen angesiedelt.

Für die Gesundheitsförderung in der gesamten Süd-Ost-Region sei das Projekt „extrem wichtig“, meint auch Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Die Situation für Krebspatienten könne sich damit erheblich verbessern. Der Standort in Köpenick sei bestens geeignet, denn das DRK-getragene Krankenhaus genieße „höchstes Vertrauen.“ Mit 1200 Mitarbeitern sind die DRK Kliniken einer der größten Arbeitgeber im Bezirk und Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin. „Die Charité ist in der Grundlagenforschung bedeutend – und wir bringen die neuen Therapiekonzepte zum Patienten“, erklärt Matthias Pross.

Erkrankung präzise im Körper detektieren und lokalisieren

Generell arbeiten bei Krebsbehandlungen Spezialisten aus mehreren medizinischen Fachrichtungen zusammen. „Bisher mussten Patienten aus Köpenick zur Nachbehandlung in die Stadtmitte oder zur Bestrahlung nach Marzahn“, sagt Pross. Gerade wenn man aber körperlich oder psychisch belastet durch die schlimme Krankheit sei, könnten diese Wege schwerfallen. Hausärzte hätten mit dem Onkozentrum nun einen Ort, an dem ihr Patient die komplette Diagnostik und Therapie bekomme, sagt Pross.

Erstmals komme in Treptow-Köpenick ein sogenanntes PET/CT-Gerät für onkologische Untersuchungen sowie eine Strahlentherapieeinrichtung mit Linearbeschleunigern zum Einsatz, erklärt Dr. Konrad Mohnike (44), Ärztlicher Leiter am DTZ und Sohn von Wolfgang Mohnike. Mit dem PET/CT könne eine Erkrankung präzise im Körper detektiert und lokalisiert werden. Die Ausrüstung sei „auf höchstem technischen Niveau“, so Mohnike. Auch eines der modernsten MRT-Geräte Deutschlands nehme man in Betrieb.

Während die nuklearmedizinische und radiologische Diagnostik sowie Strahlentherapie ambulant durchgeführt würden, erfolgten Leistungen der DRK-Kliniken in der Chirurgie, Inneren Medizin und Gynäkologie stationär. Zusätzlich könnten sich Patienten ambulant einer Radionuklid-, Chemo- oder radiologischinterventionellen Behandlung unterziehen und anschließend stationär auf einer interdisziplinär-onkologischen Therapiestation nachversorgt werden.

Eingangstür zum „Strahlenbunker“ wiegt 25 Tonnen

Der Blick in einen der neuen Bestrahlungsräume lässt erahnen, wie der Kampf gegen aggressiven Krebs aussieht. Der Raum wird inoffiziell „Strahlenbunker“ genannt – kein so hübscher Name. Er ist umgeben von meterdickem Spezialbeton, allein die Eingangstür wiegt 25 Tonnen. Durch die helle Holz-Verkleidung wirkt der „Bunker“ innen jedoch recht angenehm. Dr. Matthias Lampe (44), Spezialist für die Hochpräzisions-Strahlentherapie, erklärt, dass hier „sehr hohe Standards“ gelten. Die Linearbeschleuniger stellen eine besondere Art von Röntgenstrahlung her und seien hocheffektiv.

Ganz klar: Corona spielt zurzeit in jeden Krankenhausalltag hinein. Das DRK-getragene Krankenhaus müsse 35 Prozent seiner Intensivbetten für Covid-Patienten freihalten. „Den Betrieb unter den Bedingungen von Corona aufrecht zu erhalten, ist eine große Belastung für Kliniken“, sagt Chirurgie-Chefarzt Pross. Der Bau des Onkozentrums hat sich aufgrund der Krise um ein dreiviertel Jahr verzögert – unter anderem, weil Arbeiter aus verschiedenen EU-Ländern ausreisen mussten und nicht weiterbauen konnten. Wichtig sei aber, meint der Bezirksbürgermeister, dass das Bau-Projekt in so schwierigen Zeiten nun überhaupt umgesetzt werden konnte. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so Igel.