Unternehmen

Berliner Maschinenbauer wird zum Masken-Macher

Maschinenbauer Jonas & Redmann entwickelt neue Maschinen und investiert 25 Millionen Euro in neuen Firmenhauptsitz in Adlershof.

Stefan Jonas (l.) und Lutz Redmann haben ihren neuen Firmenhauptsitz in Treptow-Köpenick bezogen.

Stefan Jonas (l.) und Lutz Redmann haben ihren neuen Firmenhauptsitz in Treptow-Köpenick bezogen.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin.  Lasertechnologie, Photovoltaik, Medizintechnik, Energiespeicherung und der Bau von Maschinen, mit denen millionenfach FFP2-Masken produziert werden können: Der Berliner Maschinenbauer Jonas & Redmann hat gleich in mehreren Technologiebranchen seine hochmodernen Eisen im Feuer. Mitten in die Corona-Krise fällt jetzt der größte Umzug der 31-jährigen Firmengeschichte: Für 25 Millionen Euro ist Jonas & Redmann einmal quer vom mittleren Westen aus Moabit hinübergezogen in den Südosten nach Treptow-Köpenick.

„Unsere Stadt braucht diesen Unternehmergeist“

Der neugebaute Firmensitz steht auf einem 23.000 Quadratmeter großen Grundstück am Segelfliegerdamm nahe Adlershof. Die gesamte Belegschaft, rund 400 Mitarbeiter, hat ihre neuen Arbeitsplätze in Büros und vor allem in den großflächigen Industrieproduktionshallen am Freitag offiziell bezogen. Einige Umzugskartons stehen noch herum. Aber fertig wurden die Gebäude planmäßig in nur 14 Monaten Bauzeit.

Wenn das kein Berliner Unternehmergeist in Reinkultur sei, den die beiden Chefs Stefan Jonas und Lutz Redmann da an den Tag legten, lobte Staatssekretärin Barbro Dreher von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe am Freitag bei der Einweihung des neuen Hauptquartiers denn auch. „Das sind nicht nur gute Nachrichten für das Unternehmen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Berlin. Unsere Stadt braucht diesen Unternehmergeist auch in der Krise“, befand Dreher außerdem. Daher gab es auch einen Förderzuschuss von rund 2,8 Millionen Euro für die Firma.

Corona hat die meisten Projekte verlangsamt

Wie bei vielen anderen Unternehmen hat zwar auch bei Jonas & Redmann Corona dafür gesorgt, dass die meisten Projekte in diesem Jahr extrem verlangsamt und behindert wurden. Im Sommer mussten mehr als 50 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, es herrschte Flaute in den Auftragsbüchern. Auf einen Jahresumsatz wie sonst um die 60 Millionen Euro werde man keinesfalls kommen, so Redmann.

Erst konnte man nicht zu den wichtigen Partnern nach China reisen, dann auch nicht nach Italien wegen des Einreiseverbots. So fiel ein zukunftsweisendes Brennstoffzellenprojekt flach, „daran konnten wir erst einmal nicht weiterarbeiten“, bedauert Redmann. Aber die Lage bessere sich zusehends. Fast sei man schon wieder voll ausgelastet.

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Firma verkauft Masken-Maschinen ab 300.000 Euro

Und, natürlich: Jonas & Redmann hat in der Krise als Maschinenbauer schnell reagiert – und hat innerhalb von sechs Wochen Anlagen entwickelt, mit denen hochwertige FFP2-Masken hergestellt werden können. Diese Maschinen baut die Firma seit Sommer und verkauft sie, ein gutes Geschäft in Pandemiezeiten. Damit kann man also seine eigenen Masken herstellen, muss sich dafür aber noch genügend Vliesstoff besorgen. Wer sich eine solche Maschine zulegen will, muss allerdings auch beachten: Sie kostet zwischen 300.000 und 450.000 Euro pro Stück je nach technischer Ausstattung.

Und, darauf weist Redmann vor allem hin: „So eine Maschine läuft nicht von alleine.“ Vielmehr muss sie mit dem richtigen Know-how gewartet und bedient werden. Das Vlies-Material wird darin übrigens mit Ultraschalltechnik geschnitten und verschweißt. Eine Millionen solcher FFP2-Masken, die zur Filtration von Viren dienen und den Träger damit wirksamer schützen als die sogenannten Alltagsmasken, fertigt die Firma pro Woche selbst – für ihre Mitarbeiter und für den Verkauf.

Staatssekretärin lobt: „Sie denken nicht nur in eine Richtung“

Lob für den Umstieg von anderen Maschinen auf die Maskenherstellung kam erneut von Staatssekretärin Dreher, die dem Berliner Unternehmen höchste Flexibilität bescheinigte. „Sie denken nicht nur in eine Richtung, das haben Sie mit Ihrer Maskenproduktion bewiesen.“

Aber auch der neue Standort habe Zukunft. Die Nähe zum Flughafen BER spiele für sein Unternehmen eine wichtige Rolle, so Lutz Redmann. „Wenn Corona vorbei ist, wird Fliegen wieder wichtig werden“, ist er sicher. Mit einem Kundenstamm in China, den USA oder Italien ist Jonas & Redmann durchaus auf kurze Wege zum Airport angewiesen. Vor Corona waren die Mitarbeiter auf der ganzen Welt tätig und sorgten vor Ort bei den Kunden für die reibungslose Inbetriebnahme ihrer modernen Technik.

Boomende Nachbarschaft in Adlershof

Adlershof, das hat sich in der Wirtschaft schon lange herumgesprochen, ist die erste Autobahnausfahrt in Berlin auf der Strecke der Stadtautobahn A113 vom BER in Richtung Zentrum – und ist daher spätestens seit der Eröffnung des BER vor drei Wochen eine begehrte Lage. Die neue Nachbarschaft von Jonas & Redmann in Adlershof boomt indes sowieso: Mehr als 1200 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen sind vor Ort ansässig, es gibt etwa 23.500 Beschäftigte und 6500 Studierende.

Und auch der Maschinenbauer selber will weiter wachsen, sagt Redmann. Er prognostiziert – vorsichtig allerdings – einen Zuwachs an Arbeitsplätzen um 10 bis 15 Prozent im kommenden Jahr.