Kunst im öffentlichen Raum

Bekommt Treptow-Köpenick eine Graffiti-Brücke?

Alles für die Kunst: Auf zwei Brücken im Südosten könnte es bald Freiflächen für Graffiti-Kunst geben.

Graffiti auf der Minna-Todenhagen-Brücke: Bald soll es hier Flächen für erlaubte Sprüh-Kunst geben, hat die Lokalpolitik beschlossen. Der Senat muss noch zustimmen.

Graffiti auf der Minna-Todenhagen-Brücke: Bald soll es hier Flächen für erlaubte Sprüh-Kunst geben, hat die Lokalpolitik beschlossen. Der Senat muss noch zustimmen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Treptow-Köpenick. Das geht raus an alle Sprayer und Straßenkünstler: Im Bezirk Treptow-Köpenick könnte es nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung bald freie Flächen zum Sprühen geben – zur Verschönerung des Bezirks. Graffiti im öffentlichen Raum? Dazu gibt es eigentlich keine zwei Meinungen, jedenfalls nicht juristisch: Egal, wie schön ein gesprühtes Bild auf einer Wand, Mauer oder Gehwegplatte auch sein mag – Sprayen ist Sachbeschädigung und Vandalismus, sofern es nicht ausdrücklich erlaubt wurde.

Auf privaten Flächen natürlich nicht, öffentlich aber eben schon. Oft gerät die Artikulation per Sprühfarbe ohnehin recht unansehnlich, das kennt man auch in Köpenick. Dort werden Gebäude oder Brücken besonders oft mit dem Schriftzug „FCU“ verunziert, der Abkürzung für den Fußballclub Union Berlin. Etwas Schöneres als diese doch recht schlichten Tags würde der Linken-Bezirksverordnete Philipp Wohlfeil (41) gerne in Zukunft auf der Minna-Todenhagen-Brücke sehen.

Spree-Brücke ist schon längst von der Sprayer-Szene vereinnahmt

Schon jetzt prangen an der vierspurigen Brücke zahlreiche Graffiti, hat die Sprayer-Szene dort längst einen Platz für sich entdeckt – obwohl das 420 Meter lange Bauwerk erst Ende 2017 eröffnet wurde. Es führt über die Spree und verbindet die Ortsteile Oberschöneweide und Niederschöneweide. Gemeinsam mit der SPD hat die Linksfraktion nun etwas beantragt, das es in dieser Form im Bezirk noch nicht gab: Ein Konzept für die „künstlerische Gestaltung freier Betonflächen“ an der Minna-Todenhagen-Brücke und an der kleineren Mathilde-Rathenau-Brücke an der Kiefholzstraße.

Graffiti wird dabei zwar nur als ein Beispiel genannt, ist aber dem Vernehmen nach das Hauptziel. Wohlfeil sagt zur Begründung: „Statt einen Kampf gegen Graffiti-Tags zu führen, erscheint es sinnvoll, eine künstlerische Konzeption für die Brücke zu erarbeiten und dabei Flächen für dauerhafte und wechselnde Graffiti-Projekte zur Verfügung zu stellen.“ Urbane, großflächige Kunst stellt er sich vor, die den Brücken einen ganz eigenen Charakter verleihen könne.

CDU-Fraktion: Von dem Beschluss darf kein falsches Signal ausgehen

Da auch die Grünen in der BVV mitzogen, wird das Bezirksamt nun versuchen, den Beschluss umzusetzen – sprich: mit der zuständigen Verkehrssenatsverwaltung darüber zu reden. Beim Senat liegt die Entscheidungsmacht über Brücken und Straßen der Stadt. Ob er zustimmt, ist noch offen. „Klar, mit dem Projekt bringen wir die vielen Tags im Bezirk nicht unter Kontrolle“, sagt Wohlfeil. „Aber wir wollen die Szene einbinden. Uns geht es auch um das Umfeld. Da der Bezirk auch Skateanlagen in Niederschöneweide plant, passt es von der Idee her gut, dort neue Angebote zu schaffen.“ Bei dem Projekt beraten könnte den Bezirk den Verein „Graffiti Lobby Berlin“, der seit 20 Jahren Erfahrung mit Streetart in der Hauptstadt hat.

Die CDU-Fraktion sieht das Thema übrigens kritisch und ist dagegen. Der Bezirksverordnete Sascha Lawrenz sagt: „Graffiti kann durchaus Kunst sein, aber wir werden immer die Stimme erheben, wenn es um aufgedrängte Kunst geht. Und das passiert sehr häufig in dieser Stadt.“ Von dem Beschluss dürfe kein falsches Signal ausgehen: „Graffiti trägt nicht unbedingt immer zur Verschönerung dieser Stadt bei“, so Lawrenz.