Regattastraße

Der Schandfleck von Grünau

Ein leeres, ungesichertes Wohnhaus an der Regattastraße in Treptow-Köpenick verärgert Anwohner, Politiker und Gewerbetreibende.

Am 12. Oktober 2020 steht der SPD Abgeordnete Robert Schaddach in Berlin Grünau vor einem Haus in der Regattastraße.

Am 12. Oktober 2020 steht der SPD Abgeordnete Robert Schaddach in Berlin Grünau vor einem Haus in der Regattastraße.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Tolle Lage, Privatbesitz, nah am Wasser – eigentlich ein schöner Altbau. Und doch ist das Haus an der Regattastraße/Ecke Wassersportallee in Grünau seit Jahren ein Schandfleck. Und wird zusehends zum Sicherheitsrisiko. Ein Wunder, dass die Berliner Besetzerszene noch nicht auf das leerstehende Objekt aufmerksam geworden ist, findet der SPD-Politiker Robert Schaddach, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Er ist über den Zustand der Immobilie empört. Dass aus der Adresse Regattastraße 134 keine zweite Liebigstraße 34 wird, können Anwohner und Gewerbetreibende vor Ort nur hoffen. Denn hineinzukommen ist kinderleicht: Von drei Seiten im Erdgeschoss kann man ungehindert in das Gebäude einsteigen und gelangt zu einem brüchig aussehenden Treppenaufgang. Nicht einmal ein Verbotsschild oder einfaches Absperrband gibt es. Das ärgert auch Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD): „Das könnte als Einladung zum Eintritt missverstanden werden.“

Auch die Anwohner sind genervt. Das Gebäude steht seit der Wende leer, zu DDR-Zeiten war dort eine Bibliothek untergebracht. Eine Passantin berichtet, kürzlich habe einfach jemand die Rohre der Regenrinnen abmontiert und in einen Transporter eingeladen – „wahrscheinlich geklaut“, vermutet sie. Ansonsten tue sich an dem leerstehenden Haus nichts. „Wir müssen diesen Anblick seit Jahren ertragen“, sagt sie. Und das Bild, das das Haus abgibt, ist wahrlich kein angenehmes: Durch die Öffnungen sieht man einen Haufen Bauschutt, Schrott, Unrat, Farbeimer, Steine, Stangen, Matratzen, alte Säcke mit polnischem Zement, viel Plastikmüll und einiges, was man lieber gar nicht so genau identifizieren möchte.

Bezirk kann nichts gegen den Stillstand der Bauarbeiten tun

„Alles ist offen, Kinder können reinlaufen und sich verletzen“, sagt auch Jaqueline Pajong. Sie betreibt mit ihrem Mann Thomas einen Zeitungs- und Lotto-Kiosk in der Straße. Thomas Pajong sieht auch ein „hygienisches Problem“. Er meint damit Ratten, die er dort gesehen habe. „Außerdem leben wir hier in Waldnähe, da werden auch Marder oder Füchse angezogen. Das geht doch so nicht. Was ist denn mit der Infektionsgefahr an so einem Ort?“ Was Robert Schaddach zudem ärgert: In dem Haus könnten Wohnungen entstehen, die dringend gebraucht würden. Der Abgeordnete will nun versuchen, den Eigentümer zur Verantwortung zu ziehen. Den muss er allerdings erst ausfindig machen; das Bezirksamt hält den Namen aus Datenschutzgründen unter Verschluss – Eigentümerangaben dürften nur dann rausgegeben werden, wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse darlegt.

Schaddach pocht dagegen auf das öffentliche Interesse und fragt: „Ist die öffentliche Hand nicht verpflichtet, bei Kenntnis solcher Gefahren, diese zu unterbinden?“ Bei Bezirkschef Igel ist eine gewisse Machtlosigkeit in dieser Frage wahrzunehmen. Das Haus gehöre privaten Eigentümern. Der behördliche Handlungsspielraum sei in diesen Fällen sehr begrenzt, sagt er. „Der Bau ist nicht vollendet worden. Informationen über konkrete Gründe für die verzögerte Bauausführung liegen im Stadtentwicklungsamt nicht vor“, so Igel weiter. Fest steht nur: Bauarbeiten wurden begonnen – vor einigen Jahren wurden etwa Dachziegel erneuert und die Hauswand gestrichen – und sie waren genehmigt.

Die Bauaufsicht könne daher nur dann eine Anpassung fordern, erklärt Igel, „wenn dies zur Vermeidung einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung, insbesondere von Leben oder Gesundheit, erforderlich ist“. Es gebe keine Rechtsgrundlage für ein Einschreiten gegen den Stillstand der Bauarbeiten. Der Grundstückseigentümer sei selbst in der Verantwortung. Nur wenn von dem Gebäude Gefahren für die Öffentlichkeit ausgehen würden – für die öffentlichen Flächen, die an das Gebäude angrenzen –, könnte die Bauaufsicht eingreifen. Igel betont: „Für Gefahren, denen sich Menschen aussetzen, die unbefugt das Grundstück und das Gebäude betreten, haftet der Grundstückseigentümer. Es sollte also in seinem eigenen Interesse liegen, das Gebäude ordentlich zu sichern.“

Ist dem Eigentümer bewusst, dass er diese Verantwortung hat? SPD-Mann Schaddach hofft darauf, dass nun noch mehr öffentliche Bewegung in das Thema kommt. Den Grünauern sei damit vielleicht schon ein bisschen geholfen.