Berliner Museen

Heimatmuseum Köpenick: Von den Spreewanen zu „Mutter Lustig“

Das in der Altstadt Köpenick gelegene Heimatmuseum zeichnet die Geschichte des Ortsteils von den Anfängen nach.

Erbaut 1661: Bereits das Fachwerkhaus, in dem sich das Heimatmuseum Köpenick befindet, ist historisch.

Erbaut 1661: Bereits das Fachwerkhaus, in dem sich das Heimatmuseum Köpenick befindet, ist historisch.

Foto: Martin Schwarz

Schon das Gebäude des Heimatmuseums Köpenick selbst hat historischen Charakter: Bereits 1661 taucht es in den Annalen Köpenicks auf. Es ist ein Geschenk des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an den Heidereiter Peter Bock. „Heidereiter“ hießen damals die späteren Förster. 1857 erwarb die Kommune den Gutshof am Alten Markt 1. Er diente in den Jahrzehnten danach als Armenhaus, Volksschule und Kindertagesheim und wird seit 1991 als Heimatmuseum genutzt.

Im Erdgeschoss des schmucken Fachwerkhauses ist nun eine sorgfältig arrangierte Sammlung in der Dauerausstellung „Köpenick – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ zu sehen. Bereits vor etwa 10.000 Jahren sind erste Siedlungen im Zusammenfluss von Dahme und Spree nachweisbar. Zu sehen sind Knochenfunde und archäologische Ausgrabungsstücke aus der Köpenicker Altstadt. Ab dem 7. Jahrhundert siedelte dort der slawische Stamm der Spreewanen und errichtete an der heutigen Schlossinsel seine Hauptburg.

Köpenick wurde erstmals 1209 urkundlich vom Markgrafen erwähnt

An einer Wand hängt eingerahmt ein besonderes Blatt: ein Dokument aus dem Jahr 1209, eine Urkunde des Markgrafen Konrad II. der Lausitz, in dem Köpenick das erste Mal urkundlich erwähnt wird. Damit ist der heutige Berliner Ortsteil – ähnlich wie Spandau im Westen der Stadt – älter als Berlin selbst.

Neben kurzen Erläuterungen, etwa über den Ortsteil Grünau („Grüne Aue“), birgt die Ausstellung auch Überraschungen. Oder wussten Sie, dass es in Köpenick ein Schloss Bellevue gab? Es wurde 1776 auf einem Weinberg östlich der heutigen Bahnhofstraße errichtet, beherbergte unter anderen den Dichter Bernhard von Lepel und wurde nach schweren Bombardements im Februar 1945 abgerissen. Nur noch der Bellevuepark an der Friedrichshagener Straße kündet von diesem Schloss mit seinem berühmten Namensvetter in Tiergarten.

War es seit jeher der Fischfang, der das Leben der einfachen Köpenicker ­bestimmte, so kamen später weitere Handwerke hinzu. So entwickelte sich Köpenick wegen seines Wasserreichtums zur „Waschküche Berlins“. Zwei bedeutende Personen tauchen in diesem Zusammenhang in der Ausstellung auf. Zum einen der Unternehmer Wilhelm Spindler und seine 1873 eröffnete „Anstalt zur chemischen Reinigung, Wäscherei und Färberei“, daher der Name Spindlersfeld. Zum anderen Henriette Lustig, genannt „Mutter ­Lustig“, eine Wäscherin, die ab 1835 die erste Lohnwäscherei in Köpenick betrieb. Sie ist auf einem Gemälde im Heimatmuseum abgebildet, ihre Wäscherei befand sich gleich neben dem heutigen Museum und ist mit einer Gedenktafel gekennzeichnet.

Sonderausstellung über Eingemeindung in Groß-Berlin

Nach kurzen Abhandlungen über die Zeit des Kapp-Putsches 1920, die Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Terror der ­Köpenicker Blutwoche 1933 streift die Ausstellung auch die Zeit der DDR bis zur friedlichen Revolution 1989. Und da taucht auch die Jacke eines Regimegegners mit dem aufgenähten Sticker „Schwerter zu Pflugscharen“ auf.

Seit dem 17. September geht die Sonderausstellung „Wir kommen nicht mit ­leeren Händen – Die Ortsteile des heutigen Treptow-Köpenick auf ihrem Weg nach Groß-Berlin“ in einem separaten Raum auf die Umstände ein, die der Bereich südöstlich von Berlin zur Zeit der Schaffung Groß-Berlins am 1. Oktober 1920 hatte. Durch die „Eingemeindung“ von 59 Landgemeinden, 27 Gutsbezirken und sieben Städten war das so geschaffene Groß-Berlin quasi über Nacht zur drittgrößten Stadt der Welt avanciert. Und da konnte sich die bis dato eigenständige Stadt Köpenick sehr selbstbewusst geben, punktete sie doch nicht nur mit ihrer langen Geschichte, sondern auch mit ihrem Wasser- und Waldreichtum und etlichen industriellen Anlagen. Interessantes Kartenmaterial steht hier im Wechsel mit historischen Fotos aus 100 Jahren Treptow und Köpenick ab 1920.

Und Historisches gibt es auch im ­Garten des Heimatmuseums zu sehen. Dort steht nämlich ein schmuckes Bootshaus mit diversen Museumsstücken, die mit der Fischerei zusammenhängen. Das Heimatmuseum: klein, aber fein – und in einem Kiez gelegen, der mit seinen historischen Bauten, dem Rathaus Köpenick und der Schlossinsel unbedingt zu einem Spaziergang einlädt.

Museums-Info

Heimatmuseum Köpenick Alter Markt 1, Köpenick, Tel. 902 97 33 51. Geöffnet Di./Mi.,10–16 Uhr; Do.,10–18 Uhr, So., 14–18 Uhr, Mo./Fr./So. geschlossen, Eintritt frei. Internet: www.berlin.de/museum-treptow-koepenick/