Linienschifffahrt

Express-Fähren sollen von Köpenick bis ins Zentrum fahren

SPD-Lokalpolitiker aus Treptow-Köpenick wollen emissionsfreie Linienschiffe von Köpenick bis ins Stadtzentrum Berlins einrichten.

Würde der Linienverkehr zwischen Köpenick und Charlottenburg aufgenommen, wäre der Hafen Treptow auf der Route ein möglicher Haltepunkt.

Würde der Linienverkehr zwischen Köpenick und Charlottenburg aufgenommen, wäre der Hafen Treptow auf der Route ein möglicher Haltepunkt.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Ein Antrag der SPD-Fraktion in Treptow-Köpenick ist zum Stadtgespräch geworden. Die Idee schlägt im wahrsten Sinne des Wortes hohe Wellen: Es geht dabei um neue Wasserwege. „So viel mediale Aufmerksamkeit bekommen wir nicht alle Tage, das war ein echter Volltreffer. Wir werden mit Zuspruch überrannt“, sagt der SPD-Bezirksverordnete Steffen Sambill, der unter anderem dem Berliner Rundfunk ein Radio-Interview gegeben hat.

Dass offenbar noch niemand vorher auf die Idee gekommen ist, wundert die Initiatoren Sambill und Edwin Hoffmann schon ein wenig. Was die SPD vorhat, ist schnell erklärt. Da es im Bezirk Treptow-Köpenick wegen zahlreicher Bauprojekte immer enger und voller auf den Straßen wird, sollen die Köpenicker aufs Wasser ausweichen.

Lesen Sie auch: Senat will mehr Tempo beim Klimaschutz

Von Wendenschloß über Mitte bis nach Charlottenburg per Fähre

Per Schiff sollen sie in die Berliner Innenstadt fahren können. Von Wendenschloß/Grünau über Mitte bis nach Charlottenburg und durch den Teltowkanal bis Steglitz – so ungefähr stellt die SPD es sich vor. Nicht auf langsamen Touristenschiffen mit zehn Kilometern pro Stunde, sondern auf schnellen Express-Fähren, die ein Tempo von bis zu 35 km/h erreichen können – am besten emissionsfrei oder zumindest emissionsarm.

„Ich kenne das aus Hamburg, dort gibt es solchen Linienverkehr mit Katamaran-Fähren“, erzählt Steffen Sambill. Müssen es unbedingt Elektro-Fähren sein? Aus Umweltschutz- und Innovationsgründen ist Sambill dafür. „Ich glaube, es macht keinen Sinn, wenn wir alte Fähren aus Städten wie Hamburg oder Flensburg holen würden. Wir reden hier ja auch über eine Umweltzone“, gibt der Bezirksverordnete zu bedenken. Sein Fazit: „Die Elektromobilität auf dem Wasser ist technisch weit fortgeschritten, die Fähren sind leise und stinken nicht.“

Auch interessant: Naturschutzbund: Kreuzschifffahrt hat keine Klimastrategie

Straßen entlasten, ÖPNV-Angebot erweitern

Wann könnte der neue Linienverkehr fahren? Von montags bis freitags, morgens bis abends, besonders zu den Stoßzeiten. „So spart man nicht nur Zeit, sondern auch Nerven‍️ und schont nebenbei noch die Umwelt“, schreiben die Sozialdemokraten auf ihrer Facebookseite. Die Idee wäre eine Alternative zum Auto – und der Bedarf wäre da. Denn wer von Köpenick in der Rushhour gen Zentrum fährt, braucht mit dem Auto nicht selten eine Stunde und länger. Straßen könnten damit entlastet, das ÖPNV-Angebot erweitert werden.

Doch soweit ist es noch lange nicht. Die SPD-Fraktion muss den Antrag nun erst einmal in den Fachausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung beraten lassen. Dann wäre das Bezirksamt an der Reihe, um auszuloten, wie ein solcher Linienverkehr eingerichtet werden könnte. Es kann also dauern. Dass das Projekt im nächsten Jahr schon umgesetzt werden könnte, glaubt Sambill daher keinesfalls. „Realistisch gesehen, gehen da drei, vier, fünf Jahre ins Land.“

Mehr zum Thema: Berlin hat sein erstes Solarschiff

BVG oder privater Unternehmer könnte Linie betreiben

Zum Hintergrund: Fährverkehr gibt es natürlich bereits in der wasserreichen Stadt Berlin, teilweise im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und eingebunden in das Tarifsystem des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Aber nicht über so weite Strecken; meist beschränken sich die Fahrten von Ufer zu Ufer.

Vorgespräche mit der BVG zu dem Thema seien positiv gewesen, so Sambill. Für besagte Katamaran-Fähren wären Ausnahmegenehmigungen nötig. Passende Haltestellen in Form von Stegen müssten auch gebaut werden, die Infrastruktur vor Ort müsste jeweils geprüft werden. Bei Steganlagen sind mehrere Behörden gefragt, unter anderem das Bundesschifffahrtsamt.

„Uns geht es jetzt auch um einen Expertenaustausch“, sagt Sambill. Er wolle sich beispielsweise in Hamburg genauer informieren. Zwei Reedereien hätten sich auch schon bei ihm gemeldet und ihr Interesse an der Idee bekundet. Statt der BVG könnte auch ein privater Unternehmer mit dem Linienverkehr beauftragt werden. „Klar ist aber, dass es sich für Otto Normalverbraucher rechnen muss“, meint Sambill. Die Tickets oder ein Monatsabo dürften nicht zu teuer sein.

Mehr aus dem Bezirk Treptow-Köpenick lesen Sie hier.