Stadtentwicklung

Hochschule für Technik und Wirtschaft zieht es an die Spree

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft will ihren Campus in Karlshorst aufgeben und komplett nach Oberschöneweide ziehen.

Carsten Busch vor dem HTW-Gebäude an der Spree in Oberschöneweide: „Berlins schönste Hochschule“, sagt der Präsident.

Carsten Busch vor dem HTW-Gebäude an der Spree in Oberschöneweide: „Berlins schönste Hochschule“, sagt der Präsident.

Foto: Funke Fotoservice

Berlin. Die mannshohen Buchstaben KWO schmücken jetzt die graue Fassade der Fahrzeughalle. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat zu ihrem 25. Geburtstag die wechselvolle Geschichte ihres Hauptstandortes in Oberschöneweide in Erinnerung gerufen. Die Kabelwerke Oberspree prägten mehr als ein Jahrhundert lang in den gelben Klinker-Bauten am Spreeufer eines der wichtigsten Industriegebiete Berlins.

2006 hatte die HTW die neuen Räume in den sanierten Industriebauten bezogen. Wissenschaftler und Studierende haben seither den Strukturwandel in dem Treptow-Köpenicker Stadtteil schon deutlich voran gebracht. Wenn es nach HTW-Präsident Carsten Busch geht, sollte dieser Prozess der Neubelebung des riesigen ehemaligen Industrieareals im Berliner Südosten noch einmal einen richtigen Schub bekommen.

Seit Jahren drängen die Vertreter der HTW darauf, ihre 14.000 Studenten in mehr als 70 Studiengängen und fast 300 Professoren auf einem Campus zu konzentrieren. Mit Busch, der seit knapp anderthalb Jahren die größte Fachhochschule der Stadt leitet, bekamen diese Bemühungen noch mehr Schwung.

Hochschulpräsident Busch braucht keinen Schreibtisch

Der Medieninformatiker empfängt in seinem Präsidenten-Büro im Verwaltungs-Hochhaus auf dem zweiten Campus der HTW an der Treskowallee. Gerne hätte Busch das Büro aufgegeben. Sein Büro sei hier, sagt er und tippt mit dem Finger an seinen Kopf und auf seinen Laptop. Aber ein Präsident ohne eigenes Büro, das gehe nicht, fand die Verwaltung. So verzichtet Busch nur auf einen Schreibtisch. Flexibilität und Offenheit für Neues sind ihm wichtig.

Im Lichtenberger Stadtteil Karlshorst belegt die HTW mit knapp 5000 Studenten, vor allem angehenden Betriebswirten, das Gelände der ehemaligen DDR-Hochschule für Ökonomie. Es ist alles da: Mensa, Audimax, Seminarräume, Sporthalle, Beachvolleyball-Felder. „Das ist ein wunderbarer Standort“, sagt Busch. Dennoch würde er den Standort Treskowallee gerne aufgeben und seine Hochschule komplett in Oberschöneweide ansiedeln.

Man habe keine Not, die Hochschule funktioniere, auch wenn es sicher positiv wäre, wenn etwa seine Betriebswirte aus Karlshorst enger an die Informatiker und Designer an der Wilhelminenhofstraße heranrücken könnten, um leichter gemeinsame Projekte oder neue Unternehmen aufziehen zu können.

Vor allem aber versteht Busch seine Umzugspläne als Angebot an die Stadt. „Wir könnten dann eine noch aktivere Rolle als Entwicklungsmotor in der Region übernehmen“, sagt der HTW-Präsident. Gemeinsam mit dem Senat könne man daran arbeiten, mehr Gewerbe an den traditionsreichen Industriestandort zu holen, Existenzgründungen zu fördern, Zukunftsthemen wie Energie und Digitalisierung voranzutreiben und auch die Verkehrsprobleme anzugehen. Das wäre die Investition in dreistelliger Millionenhöhe wert, glaubt der Professor. Und an der Treskowallee hätte die Stadt sofort Platz für eine Schule und für Wohnungsbau. In Oberschöneweide ist seit dem Zusammenbruch der Industrie nach der Wiedervereinigung zwar viel passiert. Die HTW ist da, Künstler sorgen für Leben, Unternehmen expandieren. Gleichwohl warten noch weite Flächen und riesige Werkshallen auf Nutzer.

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft unterstützt das Anliegen der Hochschule. Im Sommer hatte sich der Lenkungskreis Stadtentwicklung Ober­schöne­weide getroffen und nach Angaben eines Sprechers drei Varianten diskutiert. Eine Verlagerung des Campus auf ein anderes benachbartes Gelände, die Möglichkeit der Nutzung landeseigener Liegenschaften sowie einen Ankauf des benachbarten Peter-Behrens-Baus.

HTW sieht jetzt ein Zeitfenster für Verhandlungen

HTW-Präsident Busch drängt auf eine Grundsatzentscheidung, will sich aber nicht mehr auf den Behrens-Bau festlegen. Denn der und auch die nahe gelegenen Rathenauhallen haben zuletzt die Besitzer gewechselt. Er würde gern mit den neuen Eigentümern verhandeln, ob und zu welchen Konditionen sie sich die Hochschule als Nutzer ihrer Objekte vorstellen könnten. In einer Art Wett­bewerbsverfahren wolle er an die Sache herangehen. Aber ihm ist klar, wie schwer sich die Verwaltung mit einer solch offenen Situation tut, ohne klares Raumprogramm und Budget eine Fest­legung zu treffen.

Dennoch wäre es vernünftig, jetzt das Zeitfenster zu nutzen und die Möglichkeiten für die Konzentration der HTW in Obeschöneweide auszuloten. In zwei Jahren, wenn der Flughafen BER ­eröffnet sei, könne sich Berlin die Flächen dort nicht mehr leisten, prophezeit der Professor. Dann habe der Markt die Stadtentwicklungsfrage entschieden.