Offene Tür

Spreepark dieses Wochenende erneut geöffnet für Besucher

Am Wochenende lädt der „Spreepark“ nach langer Zeit wieder zum Besuch ein. Ab 2023 soll der Park schrittweise wiedereröffnen.

Berlin. In der schmalen Straße an der südlichen Seite des Spreeparkgeländes stehen die Autos dicht an dicht auf den wenigen Parkplätzen. Am Zaun reihen sich die Fahrräder, Menschen laufen staunend durch den alten Haupteingang. So viele Besucher hat der Spreepark lange Zeit nicht mehr gesehen. 17 Jahre ist es her, dass sich hier im Plänterwald die Tore für die Besucher zum vorerst letzten Mal schlossen. Seitdem schläft der ehemalige Spreepark im Plänterwald einen Dornröschenschlaf.

An diesem Wochenende stellten die Senatsumweltverwaltung und die „Grün Berlin GmbH“ ihre Pläne für das Gelände vor und ermutigten Besucher, sich in Planungsprozesse einzubringen. Gabriele Floßmann war an diesem Sonnabend nach vielen Jahren erstmals wieder im Spreepark: „Das ist über 40 Jahre her, dass ich hier war.“ Zehn oder elf Jahre alt sei sie damals gewesen, erinnerte sich die 52-jährige und schüttelte ungläubig den Kopf. Eigenartig fühle sich das an, sagte sie, auch weil sie noch so gute Erinnerungen habe.

Kommentar: Dass es am Spreepark nicht vorangeht, ist unverständlich

Spreepark im Berliner Plänterwald: Viele Erinnerungen werden geweckt

Seit vor drei Jahren die landeseigene „Grün Berlin GmbH“ das Gelände mit dem Ziel übernommen hat, den Park für Besucher wieder zugänglich zu machen, wird mit viel Bürgerbeteiligung an einem neuen Konzept für das Gelände gearbeitet. Geplant ist auf dem Gelände ein Park mit Orten für Kunst und Kultur zu schaffen. Außerdem sollen die Geschichte, die Attraktionen des Parks sowie die Natur erhalten werden.

Auch die Reinickendorferin Tina war mit ihrem Sohn zu Gast im Spreepark. Am alten Riesentassenkarussell schaute sie verwundert auf die zum Teil noch bewegbaren, übergroßen Tassen. Sie und ihre älteren Kinder würden den Park noch kennen, wie er früher war – mit dem sich drehenden Riesenrad, der Wildwasserbahn und all den anderen Attraktionen. „Wir waren jedes Jahr am 4. Juni hier, von der Wende bis zur Schließung“, erinnerte sie sich. Nun ist es für sie der erste Besuch seit 2002. Sie habe eine richtige Gänsehaut bekommen, als sie angekommen seien, sagte sie und rieb sich über die Unterarme. Erinnerungen weckten auch das Schauspielertrio aus der siebenteiligen DDR-Kultserie „Spuk unterm Riesenrad“: Die drei Schauspieler Christine Scherzer, Jens Wassermann und Heide Zengerle waren extra in ihren Kostümen in den Park gekommen.

Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, sagte zur Eröffnung am Sonnabend in der alten Werkhalle, der Spreepark solle wieder zu einem Ort für alle Menschen werden. Einem Ort, an dem die Berliner vom Stress der Großstadt „durchschnaufen“ könnten. Auch erhoffe er sich, dass der Spreepark ein Ort für Berlinbesucher werden würde, die die Hauptstadt so auch von einer ganz anderen Seite kennenlernen könnten.

Das Eierhäuschen ist bereits eingerüstet

Schließlich blickt der Park auf eine wechselvolle Geschichte zurück: 1969 als erster und einziger Freizeitpark der DDR als „Kulturpark Plänterwald“ eröffnet, wurde der Park zum Publikumsmagnet. Bis zu 1,7 Millionen Besucher kamen jährlich in den Freizeitpark an der Spree. Nach dem Fall der Mauer wurde der „Kulturpark Plänterwald“ 1991 privatisiert. Den Zuschlag vom Berliner Senat bekam der Schausteller Norbert Witte, der den Park zehn Jahre als Spreepark betrieb. Aufgrund von einbrechenden Besucherzahlen meldete Witte 2001 Insolvenz an, 2002 musste der Park schließen. Seitdem ist das Gelände verwahrlost, viele Attraktionen und Fahrgeschäft sind verfallen, die Wege sind überwuchert. Stück für Stück hat sich die Natur den Park zurückgeholt.

Von 2023 an soll der Park schrittweise wiedereröffnen, zwei Jahre später soll alles abgeschlossen sein, konnten die Besucher auf den Informationstafeln lesen. Geplant sei, so Igel, die zum Teil noch erhaltenen Attraktionen umzubauen oder zu renovieren. So soll zum Beispiel das Riesenrad als Fahrgeschäft wieder nutzbar gemacht werden. Auch die alte Wildwasserbahn soll nach dem Umbau begehbar werden. Noch ist jedoch nicht viel von den Veränderungen zu sehen. Nur das Eierhäuschen am südöstlichen Ende des Parks ist bereits eingerüstet. In drei Jahren soll das traditionsreiche Ausflugslokal mit Künstlerateliers, Gastronomie und Raum für Veranstaltungen wiedereröffnet werden.

Den Park so verwildert zu sehen, mache sie betroffen, so die Reinickendorferin Tina: „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Hier zu sein, weckt viele Erinnerungen.“ Dass es ein neues Nutzungskonzept gebe, freue sie. Es sei ihr wichtig, dass der Park erhalten bleibe und nicht als Baugrund für Wohnungen verwendet werde. „Meinetwegen genauso, wie er früher war, als Park mit Kirmes – das wäre schön“, sagte sie.