Müggelberge

Zum Gruseln: Legenden rund um den Teufelssee

Ernst Michael Schwarz wandert auf den Spuren Fontanes durch das Hochmoor. Und hat in einem Band gruselige Geschichten aufgeschrieben.

Auf Fontanes Spuren: das Cover von "Der Teufelssee als mystischer Ort" von Ernst Michael Schwarz

Auf Fontanes Spuren: das Cover von "Der Teufelssee als mystischer Ort" von Ernst Michael Schwarz

Foto: GW, BM

„In Köpenick gibt es auch einen Teufelssee?“, fragt ein Kollege. Es gibt sogar drei, neben dem im Grunewald einen weiteren in Brandenburg und jenen schmalen, kleinen in Köpenick. Ernst Michael Schwarz kennt sich bestens aus mit diesen dunklen Gewässern, schließlich hat er gerade den kleinen Band „Der Teufelssee als mystischer Ort“ herausgegeben. Wer dort einmal war, weiß, dass die Waldschule dort einen Rundweg unterhält, der an seltener Vegetation vorbei führt. Insgesamt 17 Köpenicker Sagen und Geschichten hat er zusammengetragen vom See in den Müggelbergen.

Viele Legenden ranken sich um das Hochmoor

Wir lesen darin Begebenheiten von einer schönen Hexe, die eine Nacht mit dem Teufel verbrachte und von einem Hirsch mit leuchtendem Kreuz zwischen dem todbringenden Geweih. Und dann gibt es noch die verwunschene Prinzessin, die mit ihrem ganzen Palast im Moor versinkt. Der See am Fuße des Kleinen Müggelberges ist nämlich ein Hochmoor. „Daher ranken sich um ihn viele Legenden“, erzählt Schwarz. „Man kann darin nicht versinken, aber ausprobieren würde ich es auch nicht“, fügt er lachend hinzu. Inspiriert haben ihn Fontanes berühmte „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, denn auch den Müggelsee und Köpenick hat der Schriftsteller damals durchschritten. Und so war auch Schwarz‘ Motto: Einfach mal loswandern! Im 200. Fontane-Jubiläumsjahr kommt das Bändchen (7,99 Euro) aus dem Anthea Verlag gerade recht.

Auf die Idee zu dem Büchlein kam der 72-Jährige bei einer Reise in den West-Harz. Als er dort in der Stadtbibliothek nach alten Sagen „herumschnüffelte“, fiel ihm ein großer Band aus dem 19. Jahrhundert in die Hände. Da ging es um eine Hexe aus Müggelheim, die Geliebte des Teufels. Das war der Ausgangspunkt der Recherche, und „ich legte los, um zu schauen, was ich in Köpenick finden konnte.“ Erst im vergangenen Jahr hatte Schwarz sein handgroßes Büchlein „Cöpenicker Sagen & Geschichten“ vorgestellt. Dort bekommt man auf 47 Seiten das Gruseln, wenn man über die Pest liest, all die läutenden Pestglocken und den Gevatter Tod, der unerkannt im Wirtshaus bechert.

Eine Kindheit in der DDR

Schwarz, 1947 in Leipzig geboren, fing erst 2008 an zu schreiben, als er in den Vorruhestand ging. Immer wieder hatten ihn Schüler darauf angesprochen, er solle doch einmal erzählen, wie es war in der DDR. „Unsere Eltern erzählen nichts, haben sie mir gesagt. Das Phänomen kennen wir aus der Nazizeit, das wiederholt sich“, glaubt er. Familie und Freunde drängten ihn: Schreib alles auf. Schließlich hat er selbst einiges erlebt, Sänger im Thomanerchor, Philosoph, Dozent an der Militärhochschule in Grünau, U-Bahnfahrer, nach dem Fall der Mauer später Lehrer bei der Jugendhilfe. So entstand vor drei Jahren „Ein Junge aus der DDR“. Darin beschreibt er Kindheit und Jugend bis zum 18. Lebensjahr, genau bis zu jenem Punkt, wo ihn der Transportzug in Leipzig zum Armee-Standort fuhr. Immer erzählt aus der Perspektive des Jugendlichen, auch die politischen Ereignisse finden ihren Platz.

„In Leipzig, der Messestadt, lebte man anders als im Rest der DDR“, meint er. Eigentlich gab es Kontaktverbot mit den „Wessis“, nur zweimal im Jahr eben nicht. Zu Messezeiten gab nämlich nicht genug Quartiere für die Gäste. „Dann hatten wir die Wessis direkt neben uns auf dem Wohnzimmer auf dem Sofa.“ Über diesen Alltag hat er recht humorvoll geschrieben, auch über so seltsame Dinge wie die Intershops. Er hat einiges publiziert, darunter „Im Abseits“, eine „Wendegeschichte“ des 29-jährigen Klaus Bertram, der fast acht Jahre in einer JVA in Ostbrandenburg verbrachte.

Zu viel DDR-Literatur

Von sogenannter DDR-Literatur hält er nicht viel. „Die Luft ist raus, es gibt zu viel.“ Über Uwe Tellkamps „Der Turm“ kann er sich mächtig aufregen, aber das ist ein anderes Thema. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist Schwarz ein guter Chronist, wenn es um DDR-Themen geht wie Mangelwirtschaft, Facharbeiter, Internierungsakten oder den ganzen normalen Wahnsinn des Alltags. Und wie er 1989 aus der Partei flog und zum U-Bahnfahrer umsattelte. Und wie geht es weiter mit dem Schreiben? So recht mag er nicht damit rausrücken, nur so viel: Es soll diesmal ein Krimi werden. Tatorte: Köpenick und Lichtenberg in den 90er-Jahren, also in der Wendezeit.