30 Jahre Mauerfall

Die „Mauermädchen“ treffen sich nach 58 Jahren wieder

Vor 58 Jahren haben sich Rosemarie B. und Kriemhild M. zum letzten Mal gesehen. Im Juni treffen sie sich im Rahmen einer Ausstellung.

Die zwei Freundinnen an der etwa hüfthohen Mauer im August 1961 

Die zwei Freundinnen an der etwa hüfthohen Mauer im August 1961 

Foto: Horst Siegmann/Landesarchiv/290007648

Berlin.  In der Sonderschau „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ holt das Stadtmuseum im Ephraim Palais den Osten in die Mitte. Die Museen Treptow-Köpenick haben dort ihren eigenen Auftritt mit einem sehr berührenden Foto, das dort ab 11. Mai ausgestellt sein wird und häufig publiziert wurde. Zu sehen sind zwei Freundinnen, 15 Jahre alt, wie sie sich über die im Bau befindliche Mauer in der Harzer Straße, Ecke Mengerzeile die Hand reichen.

Ungewöhnlich förmlich für den Moment, dafür umso symbolischer: links der Osten, rechts der Westen. Erstaunlich auch, dass der Grenzer nicht eingriff. Eigentlich hätte er derart emotionale Szenen nicht zulassen dürfen.

Am 13. Juni werden sich die beiden wiedersehen

Horst Siegmann schoss das Foto 1961 im Auftrag der Landesbildstelle, ein Filmer war auch dabei. Und ein „Stern“-Reporter für seine Geschichte „Mein Kind ist nach drüben“. Die beiden Mädchen schauen sich in die Augen. Der Teenager links hat Trauer in den Augen. Beide besuchten vor dem Mauerbau gemeinsam eine Schule in Neukölln. Seither haben sich die beiden Mädchen nicht mehr gesehen. Am 13. Juni werden sie sich nach 58 Jahren wiedersehen, am 14. Juni wollen sie um 18 Uhr im Museum Treptow, (Sterndamm 102) erstmals gemeinsam in der Öffentlichkeit über das Thema „Begegnung an der Mauer“ im Rahmen des Begleitprogrammes des Stadtmuseums sprechen. Die Stiftung Aufarbeitung fördert das Projekt.

Zeitzeugenaufruf brachte Erfolg

Dass es überhaupt zu diesem Treffen kommt, ist der Recherche des Museums am Alten Markt in Köpenick zu verdanken. Der damaligen Leiterin Barbara Zibler lag das „Geheimnis“ dieses beredten Schwarzweißfotos seit langem am Herzen. Schließlich ist das Dokument Teil der Dauerausstellung in Treptow und wichtig für den Bezirk in der frühen Phase der Berliner Mauer.

Die dritte Freundin lebt in Treptow

Wer sind diese Mädchen? Was wurde aus ihnen? Daraufhin platzierte das Museum im vergangenen März einen Zeitzeugenaufruf mit dem Foto der beiden in der Berliner Woche. Das Blatt landet in jedem Haushalt des Bezirkes. Eine Freundin der beiden Mädchen, damals die Dritte im Bunde, erkannte ihre alten Schulfreundinnen wieder. Sie lebt bis heute in Treptow. Sie stellte einen Kontakt her zu Rosemarie B., dem Mädchen mit den melancholischen Augen. Rosemarie B., die ihren vollen Namen geschützt wissen möchte, lebt heute in Gießen.

Treffen in Berlin

„Ihre Familie flüchtete einige Tage, nachdem das Foto aufgenommen wurde, vom Osten in den Westen“, erzählt Agathe Conradi von den Museen Treptow-Köpenick. Über Rosemarie B. gelang schließlich auch der Kontakt zu Kriemhild M., die seit Jahren schon in der Schweiz lebt. Es dauerte Monate, bis das Museum endlich auch eine Verbindung zu ihr bekam.

„Da erfuhr ich, dass dieses Gespräch der beiden Mädchen an der Mauer nicht zufällig war, sondern schon im Zusammenhang mit der Flüchtlingsgeschichte der Familie B. zusammenhing“, so Conradi. Als die beiden einstigen „Mauermädchen“ hörten, dass es die Ausstellung in der Hauptstadt gibt, beschlossen die beiden: „Wir fahren nach Berlin“.

Auch einen Besuch vor Ort, wo einst die Mauer stand, ist geplant. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte der Geschichte weitergeht.