Treptow-Köpenick

7 Millionen Euro für ein Industriemuseum in Oberschöneweide

Die alte AEG-Kantine soll als Ausflugsziel ausgebaut werden. Auch das Wassersportmuseum in Grünau bekommt 3,5 Millionen Euro.

Die AEG-Kantine an der Wilhelminenhofstraße wurde um 1900 im Landhaus-Stil erbaut. 

Die AEG-Kantine an der Wilhelminenhofstraße wurde um 1900 im Landhaus-Stil erbaut. 

Foto: IndustriesaloN

Berlin. Der Bezirk Treptow-Köpenick bekommt nach den Bundesmitteln für die Sanierung der maroden Regattatribüne und den Ausbau des Union-Nachwuchsleistungszentrums erneut Fördergelder, diesmal für zwei stadtgeschichtlich bedeutsame Projekte. Sieben Millionen Euro an GRW-Mitteln fließen in den Aufbau eines Industriemuseums in der alten AEG-Kantine an der Wilhelminenhofstraße.

Weitere 3,5 Millionen Euro gehen an das Wassersportmuseum in Grünau, das neu aufgestellt wird und einen touristischen Infopunkt erhalten soll. Es ist die Dependance des Sportmuseums Berlin und befindet sich an der historischen Olympia-Regattastrecke von 1936. Diese überstand den Krieg und und die Teilung der Stadt. Dutzende Olympiasieger sollen hier trainiert haben. Wassersportgeschichte soll künftig anschaulich vermittelt werden, verbunden mit der Entwicklung von aktuellen Wassersportarten.

Museum soll Sozialgeschichte erzählen

„Wir stehen in den Startlöchern“, freut sich Susanne Reumschüssel, Projektleiterin für das Industriemuseum. Seit Jahren schon beschäftigt sie sich mit den Plänen für den Ausbau des denkmalgeschützten Gebäudes, allein das Geld fehlte. Der Bezirk kann so ein Vorhaben aus eigenen Mittel nicht stemmen. Als erstes geht es nun um die Erstellung einer Machbarkeitsstudie, sagt sie. Dann muss die Bausubstanz geprüft werden. In dem großzügigen Bau soll die

Industriegeschichte und Gegenwart Oberschöneweides multimedial dargestellt werden. In dem Gebiet arbeiteten zu DDR-Zeiten 25.000 Menschen, mit dem Fall der Mauer setzte der Verfall ein, verbunden mit einem Bedeutungsverlust des Ortsteils. Heute ist das zwei Kilometer große Areal ein Industriedenkmal, das sich für kulturelle Nutzung anbietet. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat dort ihr Domizil, möchte sich noch vergrößern. Studenten beleben den Kiez. Rund um die Reinbeckhallen haben sich Künstler wie Olafur Eliasson und Bryan Adams eingekauft.

Das Digitale wird eine große Rolle spielen

Die AEG hatte dort einen der größten Industriekomplexe an der Spree errichtet, dazu gehörte die für damalige Zeit moderne Kantine. Das Digitale wird, so Reumschüssel, eine große Rolle spielen, schließlich war hier einst der Fortschritt zu Hause. „Das Gebäude ist ein Symbol für die Sozialpolitik der AEG“, findet sie. „Hier sieht man, wie die Elektroindustrie damals ihre Leute bei Laune hielt, um Arbeitskämpfe zu reduzieren. Gutes Essen gehörte dazu.“

1899-1900 wurde das Gebäude von Johannes Kraaz im Stil einer Landhausvilla entworfen, heute ist in einem schlechtem Zustand. Hier ist viel zu tun - der Schwamm hockt an einigen Stellen im Gebälk, der Putz bröckelt überall, Einbauten aus DDR-Zeit verstellen die Blickachsen. Kaum mehr vorstellbar, dass hier am 21. Oktober 1992 die Queen Hof hielt. Ein Foto dokumentiert den Besuch, an ihrer Linken sieht man auf dem Bild den damaligen Bürgermeister Eberhardt Diepgen. Damals hatte das britische Unternehmen Bicc das KWO gekauft, die Firma ging 1996 Konkurs. Einen Teil der Anlagen übernahm später die Wilms-Gruppe aus dem Sauerland. Wer die alte Kantine besucht, wird am Eingang ein Gästebuch sehen, auf einer Seite steht in klarer Schrift: „Rettet das Gebäude!“

Projekte passen zum neuen Bezirksmarketing

Beide Projekte, Industriemuseum und Wassersportmuseum, passen gut in den Rahmen des neuen Bezirksmarketings. „Die Vielfalt Berlins findet sich in den Kiezen, in den Bezirken – diese Potenziale sollen künftig stärker in den Mittelpunkt gerichtet werden“, erklärte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop Anfang des Jahres.

Berlin-Besucher erobern die Innenstadt mit den Highlights wie Brandenburger Tor und Museumsinsel. Das Zentrum hat sich in den letzten Jahren verdichtet, dagegen werden bezahlbare urbane Nischen für Kreativwirtschaft und kulturelle Bespielungen immer weniger. Mit neuen Ideen und historischer Spurensuche will man also besonders kiez- und kulturaffine Berlin-Abenteurer locken. Die Revitalisierung alter Industriekultur gehört dazu.