Technologiepark

„Adlershof ist 2018 doppelt so stark gewachsen wie China“

Technologiepark ist weiter auf Wachstumskurs. Mittlerweile haben sich mehr als 1100 Firmen angesiedelt. Zahl der Beschäftigten steigt auf 19.400.

Roland Sillmann ist Geschäftsführer der Wista Management GmbH.

Roland Sillmann ist Geschäftsführer der Wista Management GmbH.

Foto: Reto Klar

Der Technologiestandort Adlershof ist im vergangenen Jahr erneut überdurchschnittlich gewachsen. Ende 2018 waren auf dem Areal im Südosten Berlins 1144 Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen tätig. Die Umsätze und Haushaltsmittel der ansässigen Firmen und Institute wuchsen um 12,2 Prozent auf 2,32 Milliarden Euro. Die Firmen und Institute in dem Entwicklungsgebiet in Adlershof beschäftigten 19.400 Menschen. Ein Jahr zuvor hatte die Zahl der Mitarbeiter noch bei rund 18.000 gelegen.

Auf dem 4,2 Quadratkilometer großen Areal sind sowohl wissenschaftliche Einrichtungen und Start-ups, aber auch gestandene Unternehmen angesiedelt. Zudem gibt es zwei Wohngebiete.

„Adlershof ist 2018 doppelt so stark gewachsen wie China“, sagte der Geschäftsführer der Wista Management GmbH, Roland Sillmann, am Donnerstag. Die Wista ist für Entwicklung und Verwaltung der Flächen in Adlershof zuständig. Der Erfolg sei dem Standort aber nicht in die Wiege gelegt worden, betonte er. Die langfristig angelegte städtebauliche Planung und die Unterstützung der Politik hätten den Weg geebnet, erklärte er.

Technologiepark vernetzt Wissenschaft und Unternehmen

Der Technologiepark sei ein gelungenes Beispiel, wenn es um Vernetzung von Unternehmen mit Wissenschaft gehe, sagte Barbro Dreher (parteilos, für Grüne), Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Adlershof, das gemeinsam mit anderen Gewerbe- und Technologiezentren zu den elf sogenannten Zukunftsorten in Berlin zählt, sei ein Erfolgsmodell, erklärte Dreher.

Erst Anfang April war mit dem geplanten Siemens-Campus in Spandau ein weiterer Standort-Leuchtturm hinzugekommen. Siemens plant auf dem Gelände in der Siemensstadt Produktion, Start-ups, Forschen und Wohnen zusammenzubringen. Etwa 600 Millionen Euro investiert der Konzern dafür. In ähnlicher Größenordnung wird auch die öffentliche Hand Geld bereitstellen müssen, etwa, um vor Ort für die nötige Verkehrsinfrastruktur zu sorgen. „Jeder Euro ist gut angelegtes Geld“, sagte Staatssekretärin Dreher.

Investiertes Geld fließt gut „verzinst“ wieder zurück

Auch nach Adlershof waren zwischen 2008 und 2017 rund 1,1 Milliarden Euro Fördermittel von Bund, Land und der Europäischen Union geflossen. 2017 seien es noch 109 Millionen Euro gewesen. Demgegenüber standen Steuerzahlungen der Unternehmen und Einrichtungen am Standort in Höhe von rund 400 Millionen Euro.

Erstmals nach 2009 hat Wista auch die Bedeutung des Technologieparks Adlershof für die übrige Wirtschaft untersuchen lassen. Laut einer Auswertung von DIW Econ, dem Consulting-Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin, würden durch jeden in Adlershof geschaffenen Arbeitsplatz 1,6 weitere Jobs in Berlin entstehen. Adlershof löse für die deutsche Hauptstadt somit derzeit einen Gesamtbeschäftigungseffekt von rund 29.000 Personen aus.

Zahlreiche angesiedelte Firmen sind führend in ihrer Branche

Die Jobs entstehen zum Beispiel bei Zulieferbetrieben, die mit den Firmen in Adlershof zusammenarbeiten. Der Standort sei damit „von vergleichbarer wirtschaftlicher Relevanz wie die Berliner Digitalwirtschaft“, so die Studienautoren. Aktuell gibt es in dem Technologiepark gut 90 Marktführer und etwa 140 Technologieführer.

DIW Econ nahm auch die Motivation der Unternehmer und Wissenschaftspartner am Standort unter die Lupe. Rein finanzielle Motive spielen demnach im Wissenschafts- und Technologiepark (28,3 Prozent der Antworten) und auch bei den Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen (30,8 Prozent) eine untergeordnete Rolle.

Stattdessen stehen für die Forscher und Gewerbetreibenden Ansehen und unternehmerischer Erfolg (52 Prozent), Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen (46 Prozent), die Verwirklichung eigener Ideen (44,7 Prozent) sowie die Gestaltung der Zukunft im Vordergrund (44,3 Prozent). Ein Drittel der Unternehmer gab an, mit ihrem Tun zudem in der Gesellschaft etwas bewegen zu wollen.

Wista soll auch Marzahner Cleantech-Park managen

Das Erfolgsmodell Adlershof will die Wirtschaftsverwaltung jetzt auf ganz Berlin übertragen. Perspektivisch solle die Wista weitere Gewerbezentren innerhalb Berlins entwickeln, sagte Staatssekretärin Dreher. Dafür notwendige Flächen würden in nächster Zeit in Zusammenarbeit mit der Finanzverwaltung erworben. „Wir haben diverse Standorte ins Auge genommen“, sagte Dreher. Konkret nannte Sie ein Areal in Buchholz-Nord.

Die Wista soll auch dem noch jungen Cleantech-Park Marzahn aus den Kinderschuhen helfen. Die Vermietung der Flächen im östlichsten Bezirk läuft derzeit eher schleppend. Wista-Chef Sillmann sagte mit Blick auf die neue Aufgabe, in Marzahn-Hellersdorf sei es wichtig, die Flächen an die richtigen Unternehmen zu vergeben. Vielleicht müsse das Areal auch kleinteiliger strukturiert werden. Kleine und mittelgroße Firmen hatten berlinweit zuletzt steigende Mieten und einen fortschreitenden Flächenmangel beklagt. „Wir sehen, das es eine große Nachfrage von kleinen Akteuren gibt“, erklärte Sillmann.

Auch Adlershof selbst soll 2019 weiter wachsen. Zuletzt meldeten vor alle IT-Unternehmen am Standort gute Geschäfte. Derzeit liegt in Adlershof gemessen an der Zahl der Beschäftigten und am Umsatz aber noch die Branche Photonik und Optik vorne.