Kooperation

Wirksame Vorsorge gegen Radioaktivität

Das Bundesamt für Strahlenschutz und die Beuth Hochschule Berlin beschließen eine Kooperation im Bereich Strahlenschutz und -therapie.

Lassen sich das Labor erklären: BfS-Chefin Inge Paulini (M.) und Monika Gross, Präsidentin der Beuth Hochschule.

Lassen sich das Labor erklären: BfS-Chefin Inge Paulini (M.) und Monika Gross, Präsidentin der Beuth Hochschule.

Foto: jörg Krauthöfer

Wenn man an Radioaktivität denkt, fällt einem in Berlin nicht zu allererst Karlshorst ein. Doch hier auf dem einstigen, riesigen Areal des staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR ist heute das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beheimatet. Einer von von fünf weiteren Standorten in Deutschland. Vorne auf dem Rasenstück unweit des Laborgebäudes hat Frank Weiler zur Demonstration ein Spektrometer aufgebaut. Es sieht in etwa so aus, wie ein etwas bullige Kamera auf einem dreibeinigen Stativ.

33 Jahre nach Tschernobyl gibt es noch Belastungen

Mit so einem Gerät kann er messen, wie radioaktiv der Boden ist und welcher strahlende Stoff im Boden nachzuweisen ist. Das sei wichtig für den Notfallschutz, um zu sehen, welche Stoffe strahlen. Jod, Kalium oder Cäsium? Die Messung wird aufgezeichnet, Weiler zeigt uns die Kurve auf seinem Laptop. Für den Laien sind die Werte kaum zu entschlüsseln. Für Weiler schon: „Alles normal“, sagt er. Auch die Menge des Cäsiums, das 33 Jahre nach der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 noch nachzuweisen ist, sei in Berlin „harmlos“. Der Berliner Sand sei wie ein Puffer. Anders in Bayern, in einigen Gegenden seien einige Pilze noch kontaminiert und Wildschweine auch. Das wird regelmäßig kontrolliert.

Diese interessante Demonstration in der Köpenicker Allee 120-130 diente am Montagnachmittag dazu, die Kooperation des BfS mit der Beuth Hochschule öffentlich zu besiegeln. Ziel ist die engere Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und in gemeinsamen Veranstaltungen. „Als Strahlenschutzbehörde des Bundes sehen wir uns in der Verantwortung, nicht nur von Studienangeboten der Hochschulen zu profitieren, sondern unsere Expertise auch in die Ausbildung zurückzugeben“, erklärte Inge Paulini, BfS-Präsidentin.

Ein Schwerpunkt ist Strahlenmedizin

Wissenschaftlicher Nachwuchs wird also gefördert, gleichzeitig profitiert man beim BfS, so die Hoffnung, von dem Wissen einer jungen Generation. Wissenschaftler hingegen gehen in die Lehrtätigkeit. „Spezialisten werden gebraucht“, so Inge Paulini. Für die Beuth Hochschule eröffnet sich die Möglichkeit, „Kompetenzen rund um den medizinischen und beruflichen Strahlenschutz in die Lehre zu integrieren“, sagte Monika Gross, Präsidentin der Beuth Hochschule.

Es gebe viele Anknüpfungspunkte, auch wenn beide Institutionen räumlich weit voneinander entfernt liegen, einmal „quer durch die Stadt“, lacht Gross. Ein Schwerpunkt ist die Strahlenphysik, da geht es im medizinischen Bereich um Diagnose und Therapie bei Krebserkrankungen. Die Hochschule im Wedding sei bereits mit den Helios Kliniken, mit Vivantes und der Charité vernetzt, so Gross.

Beuth Hochschule ist größte Fachhochschule Deutschlands

Die Beuth Hochschule zählt 13.000 Studenten, ist die größte Fachhochschule deutschlandweit. Zu den acht Fachbereichen gehören angewandte Mathematik, Physik und Chemie. Auch das BfS ist in verschiedene Bereiche aufgegliedert, dazu gehört neben dem Notfallschutz der medizinische Strahlenschutz.

Am Ende kommt Frank Weiler drauf zu sprechen, wie politisch seine Arbeit eigentlich ist. Wie verhalten sich die Stoffe zur Umwelt, gehen sie in die Nahrungskette über? Von der Pflanze können sie bis in die Säuglingsnahrung gelangen. Wenn die Werte höher sind als erlaubt, „müssen die Politiker ran!“