Kreativszene

Zentrum für Textilwirtschaft in Schöneweide gewünscht

Die Idee: Eine Domizil vor Ort könnte Kreativen, der Modebranche und Studenten der HTW eine Anlaufstelle bieten. Eine Konferenz.

Blick in die Schau "Zwischen Schein und Sein". Sie zeigt Modegrafik in der DDR. Die Grafik stammt von  Sabine Zache (l.),  das Foto von Günter Rössler. 

Blick in die Schau "Zwischen Schein und Sein". Sie zeigt Modegrafik in der DDR. Die Grafik stammt von Sabine Zache (l.), das Foto von Günter Rössler. 

Foto: Gabriela Walde

Berlin.  „Zwischen Schein und Sein“ heißt die aktuelle Schau zur Modegrafik der DDR in den Reinbeckhallen. Genau diesen Ort hatte sich das Regionalmanagment Südost für das Fashion-Forum „Paradigmenwechsel in der Mode und Textilbranche“ gewählt. Hier ging es am Mittwoch um die Herausforderung der Modemacher zum Thema Nachhaltigkeit – und natürlich um den Standort Berlin als Hochburg der Jungdesigner.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD), der die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft begrüßte, erinnerte noch einmal an die „quälend lange Zeit des Niedergangs“ Oberschöneweides nach der Wende. Viele tausend Arbeiter verloren damals ihren Job.

450 Kreative in Oberschöneweide

Aber diese Zeiten sind vorbei, die Ansiedlung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat junges Leben in den Kiez gebracht, Gewerbe hat sich angesiedelt. Mittlerweile seien 450 Kreative in Oberschöneweide ansässig und die Hochschule an der Wilhelminenhofstraße „ein Durchlauferhitzer für junge Talente“, wie HTW-Vizepräsident Matthias Knaut feststellt.

Für Grünen-Politikerin Nicole Ludwig ist Berlin ohnehin schon die „Welthauptstadt der grünen Mode“, 2800 Unternehmen gäbe es hier, die Umsätze seien gestiegen, 5,5 Milliarden Euro wurden umgesetzt, zählt sie auf.

25.00 Beschäftigte arbeiten in der Branche. 30 Labels würden bereits nach nachhaltigen Kriterien arbeiten.

Produzierende Modeindustrie nur wenig in Berlin

Magdalena Schaffrin, Gründerin des Greenshowrooms, dämpft die Euphorie ein wenig. Sehr viele junge Menschen würden in Berlin im Bereich zwar bestens in Mode und Design ausgebildet, doch produzierende Modeindustrie gäbe es nur wenig in der Hauptstadt. Ideen alleine reichen nicht.

Am Ende waren sich die Teilnehmer des Podiums einig: Berlin braucht künftig ein Zentrum für Textilwirtschaft, andere nennen es „Fashion Hub“ oder Gründerzentrum. In Verbindung zur HTW – mit den Studiengängen Modedesign und Bekleidungstechnik – wäre Schöneweide mit seinen Produktionsstätten ein idealer Standort.

Neue Fertigungsverfahren, innovative Materialien, neue Vertriebswege und Forschungsideen - all dieses könnte unter einem Dach Synergien bewirken. Gerade Start ups und kleine Unternehmen könnten von diesem Netzwerk profitieren, meinte Carolin Ermer, Modeexpertin von der HTW.

Jetzt fehlt nur noch die Finanzierung eines solchen Projektes - die müsste dann im nächsten Haushalt eingestellt werden.