Blackout

Händler berichten: So kam Köpenick durch den Stromausfall

Köpenick am Tag nach dem Stromausfall: Händler schildern, wie sie zurechtgekommen sind. Entschädigung ist möglich.

Keine Straßenbeleuchtung, keine Straßenbahnen: Mehr als 30 Stunden war in Köpenick der Strom ausgefallen.

Keine Straßenbeleuchtung, keine Straßenbahnen: Mehr als 30 Stunden war in Köpenick der Strom ausgefallen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Uhr am Rathaus geht immer noch nicht richtig, ansonsten macht die Altstadt von Köpenick am Donnerstag den Eindruck, als sei der Stromausfall nur ein schlechter Traum gewesen. Tramlinien verkehren wie gewohnt, die Geschäfte und Restaurants haben wieder geöffnet. „Wir haben da weiter gemacht, wo wir aufgehört haben“, sagt etwa eine Mitarbeiterin der Sana-Apotheke.

Auch Saskia John steht wieder hinter der Theke im Altstadtcafé Cöpenick. „Unsere Zeitschaltuhren sind verstellt, ansonsten funktioniert aber alles“, berichtet sie. Sie ist froh, dass das Lokal wieder aufmachen konnte. „Eineinhalb Tage, das sind schon Einbußen bei den Einnahmen.“ Auch bei den Waren gebe es Verluste, Eis und andere Lebensmittel müssten weggeworfen werden.

Nachwirkungen noch spürbar


Vor dem Problem der unterbrochenen Kühlkette standen einige Ladenbetreiber. Der Ratskeller bot deshalb am Donnerstag nur eine eingeschränkte Speisenauswahl. „Wir müssen erst einmal kontrollieren, welche Lebensmittel überhaupt noch verarbeitet werden können“, sagt Mitarbeiterin Susanne Krämer. Mindestens um die Hälfte sei die Karte reduziert. In der Sana-Apotheke hatten die Beschäftigten Glück im Unglück. Eine Kollegin, die nicht im betroffenen Gebiet wohnt, hatte wegen eines Urlaubs gerade ihren Kühlschrank ausgeräumt. Dort fanden also die kühlpflichtigen Medikamente Platz.

In der Bäckerei Hennig hat man bereits eine Liste erstellt, welche Produkte aus der Kühlung nun ersetzt werden müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte das Geschäft aber auch während des Stromausfalls geöffnet – samt Notstromaggregat für die Kaffeemaschine. „Es war natürlich kein normaler Betrieb. Unser Backofen ging nicht, deshalb haben wir Brötchen von anderen Filialen geholt“, erzählt Andrea Stahnke. Insgesamt seien Mitarbeiter und Gäste aber zufrieden gewesen. „Im Team haben wir das gemeistert. Es war alles gut organisiert.“

Lob an Katastrophenstab und Bürger

Die Organisation lobte auch Birgitte Jochum, Sprecherin des Krankenhauses Hedwigshöhe: „Wir haben uns vom Senat und dem Krisenstab gut unterstützt gefühlt.“ Die Versorgung durch das Notstromaggregat habe reibungslos funktioniert. Mit mehr Einschränkungen hatte das DRK Klinikum zu kämpfen. Dort musste die Intensivstation evakuiert werden. Nachdem der Strom am Mittwochabend wieder floss, seien die Patienten aber noch in der Nacht zurückverlegt worden, sagte Sprecherin Romina Rochow. Ebenso wurde die Rettungsstelle wieder angemeldet. Alle für Donnerstag geplanten Operationen sollten stattfinden.

Das Bezirksamt zeigte sich am Tag danach ebenfalls zufrieden. „Bei so einem Ereignis greifen die Zahnräder ineinander, die sonst nur theoretisch durchgespielt werden“, sagte Pressesprecherin Sabrina Kirmse. „Es waren überall Bezirksamtsmitarbeiter vor Ort. Wer eine Frage hatte, bekam eine Antwort.“ Dafür war auch ein Bürgertelefon geschaltet. Das sei stark angenommen worden, so Kirmse, auch wenn es in sozialen Netzwerken ein wenig Häme für eine Notfallnummer bei ausgefallenem Telefonnetz gegeben habe. Nichtsdestotrotz seien zahlreiche Bürger informiert worden, berichtet die Pressesprecherin. „Die meisten haben es mit Geduld und einer Portion Galgenhumor genommen“, sagt sie. „Das Ganze hat uns noch einmal zusammengeschweißt.“

Auch Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen) und Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) hatten den Einsatz der freiwilligen Helfer und die Hilfsbereitschaft der Bürger gelobt. Hätte der Stromausfall noch länger gedauert, wären weitere Kommunikations- und Versorgungswege möglich gewesen. „Die Bundeswehr stand bereit, falls es sich noch über die Nacht hingezogen hätte. Auch der Katastrophenstab war vorbereitet, es standen Schulen und andere Institutionen als Anlaufpunkte zur Verfügung“, sagt Sabrina Kirmse. So aber dürften nun viele Eltern froh sein, dass alle Schulen und Kitas am Donnerstag wieder öffnen konnten.

Auch im Bezirksamt selbst musste der Betrieb wieder anlaufen. Da im Rathaus die Server ausgefallen waren, konnten auch Standorte in Adlershof, zum Beispiel das Jugendamt, nicht arbeiten. Termine können ohne weiteres nachgeholt werden, versichert Kirmse. Bürgersprechstunden und eine Infoveranstaltung mit Senatorin Elke Breitenbach werden neu angesetzt. Außerdem sei geplant, die Bürger zeitnah über Entschädigungsmöglichkeiten zu informieren. „Das gehört auch noch zur Katastrophenbekämpfung“, findet Kirmse.

Bei Stromnetz Berlin kann eine Entschädigung beantragt werden

Bei Stromnetz Berlin kann über ein Online-Formular eine Entschädigung beantragt werden. Grundsätzlich ist außerdem die Hausratversicherung für entstandene Schäden zuständig, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Ob Betroffene aber tatsächlich Geld bekommen, hänge vom Vertrag ab. Noch wird geprüft, inwieweit die Baufirma verantwortlich gemacht werden kann und eventuellen Schadensersatzforderungen, auch von Gewerbetreibenden, nachkommen muss.