Kein Strom in Berlin

Stromausfall: „Zwei Kabel auf einmal, das sind Bauarbeiten“

Zehntausende Menschen in Köpenick litten am Dienstag und Mittwoch unter dem größten Stromausfall seit Menschengedenken. Wie kam das?

Jürgen Schunk, Chef des Krisenstabes der Stromnetz Berlin GmbH

Jürgen Schunk, Chef des Krisenstabes der Stromnetz Berlin GmbH

Foto: Joachim Fahrun

Für die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin war es der größte Stromausfall seit Menschengedenken. Einen ganzen Tag lang waren Zehntausende Kunden ohne Elektrizität. Der Chef des Krisenstabes, Jürgen Schunk beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann haben Sie den Ausfall registriert?

Um 14.07 Uhr ist das erste System ausgefallen, um 14.10 Uhr dann das zweite. Deshalb war das Umspannwerk Landjägerstraße komplett abgeschnitten und damit waren zirka 31.500 Haushalte und 1900 Gewerbekunden komplett vom Netz. Die Kunden waren spannungslos.

Betraf der Ausfall nur Köpenick?

Im Gegensatz zu Pressemitteilungen, die am Mittwoch im Umlauf waren, bezog sich der Stromausfall ausschließlich auf Köpenick, nicht auch auf Lichtenberg. Dort gab es die ganze Zeit ohne Einschränkungen Strom.

Wie kann so etwas geschehen?

Als Fachleute sagen wir, zwei Kabelsysteme fallen kurz hintereinander aus, das müssen Bauarbeiten sein. Wir sind die Trasse abgefahren, haben kontrolliert, wo der Schaden sein könnte. An der Salvador-Allende-Brücke gab es umfangreiche Bauarbeiten an der Auffahrt zur Brücke. Dort haben wir festgestellt, dass dort ein Bohrkopf horizontal in die Auffahrt reingebohrt hat. In einem ersten Schritt hat der unser erstes Kabelsystem mit drei Leitern außer Betrieb gesetzt, in einem zweiten auch das zweite Kabelsystem.

Warum dauerte die Reparatur so lange?

Die Hoffnung, die wir am Anfang hatten, dass nicht alle Leiter des Kabelsystems betroffen sind, haben sich leider nicht erfüllt. Wir mussten feststellen, dass alle Leiter aus beiden Kabelsystemen defekt sind. Wir mussten sechs Muffen setzen, um das System wieder herzustellen. Das hat Auswirkungen auf die Entstörungsdauer. Zunächst mussten wir das Muffenloch graben. das erfolgte bis Dienstag etwa 24 Uhr. Das Loch hat die Größe von einem Klein-LKW. Es musste sauber abgegrenzt werden, um dort auch sauber arbeiten zu können. Das waren alles vorbereitende Arbeiten, die etwa bis Mitternacht dauerten. Mit den Montagen wurde sogleich begonnen. Am Mittwochmorgen waren zwei Muffen installiert, die anderen vier folgten im Laufe des Tages. Wir waren mit mehreren Teams und Spezialisten vor Ort. Aber die Möglichkeiten, mit mehr Leuten zu arbeiten, waren natürlich begrenzt. Die stünden sich ja sonst in dem Loch auf den Füßen herum.

Was bedeutet dieser Vorfall für die Stromnetz GmbH? Müssen Sie die Kunden entschädigen?

Die Verantwortung für den Schaden trägt die Baufirma. Die Stromnetz Berlin GmbH gehört ja selbst zu den geschädigten. Unsere Versorgungsqualität sinkt durch diesen Ausfall statistisch gesehen deutlich. Das wird dazu führen, dass wir in den Augen der Bundesnetzagentur in einen Malus rutschen. Die Agentur wird uns voraussichtlich die Gelder um mehrere 100.000 Euro kürzen.