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In Treptow-Köpenick gibt es 4000 Denkmäler zu entdecken

Gartendenkmal, Schulgebäude, Kirche: Der Bezirk ist reich an historischen Spuren. Ein Streifzug für Kulturliebhaber.

Imposant: die alte Bärenquell-Brauerei in Niederschöneweide.

Imposant: die alte Bärenquell-Brauerei in Niederschöneweide.

Foto: Manfred Krause

Treptow-Köpenick.  Berlin ist voll von historischen Spuren. Im Bezirk Treptow-Köpenick mit seinen unterschiedlich geprägten Ortsteilen gibt es 4000 Denkmäler, freilich zählt dazu dann jedes Häuschen einer unter Schutz gestellten Siedlung. Neben den Einzeldenkmälern gibt es Denkmalbereiche wie eben die Köpenicker Altstadt, aufgelistet sind auch die Gartendenkmäler wie der Treptower Park. Die Morgenpost stellt fünf prominente Denkmäler vor.

1 Bekenntniskirche

Der Weg hoch zu Gott führt in der Bekenntniskirche über eine große Freitreppe. Imposant sieht das aus, für ältere Kirchgänger ist es eine Herausforderung, diese Stufen zu nehmen. Die Einweihung der Kirche mit den zwei Kreuzen erfolgte 1930, die Planung hatte der Architekt Curt Steinberg übernommen. Aufgrund der Enge durch die Blockrandbebauung ist die Kirche nicht wie üblich geostet, sondern der Chor zeigt nach Norden. Das Baudenkmal in Alt-Treptow, das früher dicht an der Mauer lag, integriert Kirche, Gemeindesaal, Verwaltung, mehrere Wohnungen und eine Notunterkunft. Zu DDR-Zeiten galt die Bekenntniskirche als Enklave für Ausreisewillige und Bürgerrechtsgruppierungen. Kürzlich spendierte der Bund 1,5 Millionen Euro für die Sanierung. Der Einbau eines Fahrstuhles steht auf der Agenda – damit die Kirche ein offenes Haus bleibt, auch für Ältere.

2 Gartendenkmal Treptower Park

Lange war es hinter wildem Gebüsch versteckt: Erst im Zuge der Sanierung des Treptower Parks wurde das repräsentative Denkmal des städtischen Gartendirektors und Landschaftsarchitekten Gustav Meyer wieder freigelegt. Am frühen Mittag sieht man in den frühlingshaften Grünanlagen Jogger ihre Runden drehen, zwei Mütter mit Kinderwagen schlendern am neu angelegten Rosengarten vorbei. Das Markenzeichen des Parks ist sein „gemischter Stil“ zwischen streng geometrischen und freien Formen. Auf 84 Hektar wurden ab 1876 etwa 90.000 Gehölze gepflanzt und 300.000 Quadratmeter Rasenfläche angelegt.

Neben dem Volkspark Friedrichshain, dem Humboldthain und dem Viktoriapark ist der Treptower Park eine der vier aus dem 19. Jahrhundert erhalten gebliebenen Parkanlagen. Die Baukosten betrugen damals 1,2 Millionen Mark, dem heutigen Wert von rund 8,5 Millionen Euro entsprechend. Neu war damals, dass er für alle Bürger geöffnet war, eine von Bäumen umsäumte Spiel- und Sportwiese in der Mitte war der Anziehungspunkt. Unweit davon legte Meyer einen Karpfenteich an, der zurzeit gerade entschlammt wird. Seit zehn Jahren wird der Park denkmalsgerecht instand gesetzt. Jetzt erst sieht man die wunderbaren Blickachsen zum Wasser hin, die geschwungenen Wege, die zwischen Ost und West wiederhergestellt wurden. 15 Millionen Euro kostet diese Rekon­struktion – im kommenden Jahr soll alles vollendet sein.

3 Brauerei Bärenquell

Wer mit der S-Bahn nach Schöneweide einfährt, sieht linker Hand das imposante rote turmreiche Backsteinensemble aus der Gründerzeit, eine Mauer an einer Seite schützt es wie eine wehrhafte Burganlage. Fensterelemente der Neorenaissance sind hier mit neugotischen Giebeln kombiniert. Von Weitem allerdings sieht man die Schäden nicht, die Vandalismus und jahrelanger Verfall hinterlassen haben: schwarze Fenster, vernagelte Türen, Brandlöcher, eingefallene Dächer. Für Graffitisprayer ist es lange schon ein Eldorado. Die Bärenquell-Brauerei ist einer der ältesten Zeitzeugen Berliner Brauereigeschichte. Mehr als 110 Jahre wurde hier Gerstensaft gebraut.

Die Produktionsanlagen wurden immer wieder an die Entwicklungen angepasst – auf dem Weg zu einer modernen Großbrauerei. 1882 fing hier die Brauerei Borussia an, ein Biergarten war auch dabei. 1898 übernahm Schultheiß das Unternehmen und erweiterte das Areal um viele Gebäude. Das Beamtenwohnhaus mit der Wohnung des Braumeisters von 1882 ist – laut Landesdenkmalamt – das älteste Bauwerk Schöneweides. 1990 wurde der VEB-Betrieb als Bärenquell Brauerei Berlin privatisiert. Die Henninger Bräu AG erwarb die Marke 1991, drei Jahre später versiegte die Bierquelle. Mehrere Versuche, das Areal unter Denkmalschutzvorgaben zu beleben, scheiterten. Nun gibt es eine neue Chance. Ein Investor möchte Bärenquell zu einem Standort für Büro, Gastronomie und Einzelhandel entwickeln. Zehn Millionen Euro fließen in das Projekt. Die Bauanträge wurden eingereicht.

4 Peter-Behrens-Bau

Eine Kathedrale der deutschen Indus­triekultur, benannt nach ihrem Architekten: Schon von Weitem sieht man den mächtigen, 70 Meter hohen Turm des Gebäudekomplexes am Ende der Wilhelminenhofstraße. Während des Ersten Weltkrieges eingeweiht, galt der Turm damals für einige Zeit als der höchste Bau Deutschlands. Anwohner bezeichneten das Gebäude häufig als „Rathaus von Oberschöneweide“, weil die aufstrebenden Fassaden eine Form der Repräsentation verkörpern. Kein Wunder, dass hier einige Szenen für die TV-Serie „Berlin Babylon“ gedreht wurden. Der Treppenaufgang mit der beeindruckenden Eingangshalle steigt über vier Geschosse auf, der Saal ist von umlaufenden Galerien umgeben. Kaum zu glauben, dass Behrens dieses für seine Zeit hochmoderne Gebäude als Fabrik für die NAG, die Nationale Automobil-Gesellschaft, eine Tochter der AEG, geplant hat – die Werkhöfe im Kabelwerk Oberspree reichten nicht mehr aus.

Für das Landesdenkmalamt hat der Bau ganz klar Anklänge an die italienische Frührenaissance. Heute sind dort Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) zu Hause. Der scheidende HTW-Präsidenten Klaus Semlinger möchte die Hochschule gern zentralisieren – genug Platz böte dafür der historische Vorzeigebau mit den großen Innenhöfen, dort könnten Mensa und Sporthalle entstehen. Eine Paketlösung des Investors gibt es.

5 Gymnasium Alexander von Humboldt

In so eine Schule geht man gern, zumal im Bauhaus-Jubiläumsjahr. Einst drückten die Schauspieler Dagmar Manzel und Jaecki Schwarz dort die Schulbank. Vermutlich wird es in diesem Jahr einige Architekturfans mehr geben. Mit seinen klaren Linien und Strukturen wurde das markante Gebäude unter Leitung des Architekten Max Taut 1928/1929 im Bauhausstil errichtet. Neben der Max-Taut-Schule in Lichtenberg gehört das Gymnasium an der Ecke Oberspree- und Mentzelstraße zu den architektonisch herausragenden Schulbauten in Deutschland. Die lichte Eingangshalle verbindet über eine mehrläufige Treppe den geschwungenen Klassentrakt entlang der Mentzel- mit dem Trakt an der Oberspreestraße. Das Landesdenkmalamt bietet Führungen und Vorträge an.

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