Verkehrsführung

Streit um jede Ampelanlage am Bohnsdorfer Kreisel

Ein Gutachten spricht sich eindeutig für den Zweirichtungsverkehr aus, doch die Kämpfe zwischen Bezirksamt und Anwohnern gehen weiter.

Wenig Platz: Chaotische Verkehrssituation am Bohnsdorfer Kreisel. 

Wenig Platz: Chaotische Verkehrssituation am Bohnsdorfer Kreisel. 

Foto: BM/Walde / Gabriela Walde

Berlin. Rund um die Taut Passage in Grünau sieht man viele Absperrgitter, das Parkdeck ist zu klein, die Bushaltestelle kaum zu finden. Wer sich nur einmal zwei Minuten vor Einkaufszentrum an der S-Bahn Grünau stellt, kriegt einiges zu hören. „Die versetzten Bushaltestellen sind eine Zumutung. Dazu gibt es nicht einmal ein Wartehäuschen, gerade jetzt im Winter“, schimpft Karl-Heinz Radeke. „Alles chaotisch“, meint eine Kundin. Center-Managerin Eveline Eckelmann verzeichnet rückgängige Besucherzahlen durch die Umbaumaßnahmen vor der Tür. Auslieferer fänden kaum einen Parkplatz, sagt sie.

Zankapfel ist seit Jahren die Verkehrsführung, die zu regelrechten Grabenkämpfen unter den Anwohnern, Kunden und Gewerbetreibenden geführt hat, wie man an einer „Vor-Ort“-Diskussion mit Robert Schaddach, SPD-Abgeordneter aus Treptow-Köpenick, sehen könnte. Einrichtungsverkehr gegen Zweirichtungsverkehr. Da wird um jede Ampelanlage diskutiert.

Im Detail geht es um zu schmale Radwege, um Gefahrenstellen durch abbiegende Lkws, fehlplazierte Fußgängerstreifen und Abbiegespuren. Vor allem gäbe es in den Stoßzeiten starken Rückstau in der Wassersportallee, so ein Argument. Der Bohnsdorfer Kreisel ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen den Ortsteilen Grünau, Altglienicke und Bohnsdorf. Seit 2016 kümmert sich eine kampfbereite Bürgerinitiative zum Erhalt des Kreisels, über 4000 Unterschriften wurden gesammelt.

Momentane Verkehrsführung bleibt wohl erhalten

Wie es aussieht, bleibt die momentan provisorisch angelegte Verkehrsführung erhalten. Ein Gutachten belegt die Vorzüge des Zweirichtungsverkehrs: die Wege am Bohnsdorfer Kreisel sind kürzer geworden, die Unfälle weniger. Doch die Entscheidung, welche Variante am Ende tatsächlich gebaut wird, steht noch nicht fest. „Alles ist möglich“, sagt Stadtrat Rainer Hölmer (SPD), um gleich zu erklären, dass die Verkehrslenkung eigentlich einen Zweirichtungsverkehr vorsieht. Laut Information des RBB hat die Behörde den Vorgang längst zurück an den Bezirk verwiesen. Hölmer, der selbst Radfahrer ist, ist überzeugt, dass der Kreisel für Radfahrer nicht ideal ist, schließlich „fährt keiner einmal rum“. Nun werde die Diskussion in der BVV vorangetrieben, um zu einer endgültigen Entscheidung zu kommen.

Am Ende wird es wohl so sein, dass die jetzige Baustelle Fakten schafft. „In den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass die zwei Richtungen doch funktionieren“, gibt Eveline Eckelmann zu. „Es müssen noch einige Kinderkrankheiten abgefedert werden, Ampelschaltungen nachgebessert werden. Aber dann klappt das schon.“ 2022, so die Planung, soll dann alles fertig sein am Bohnsdorfer Kreisel. Vermutlich wird es bis dahin noch viel Gegenwind geben von zahlreichen Anwohnern in Grünau. Stadtrat Hölmer jedenfalls hat bei keinem Verkehrsthema so eine heftige Diskussion erlebt wie beim Bohnsdorfer Kreisel.

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