Verkehr

S-Bahnhof Schöneweide wird endlich saniert

Der Haupteingang ist verschlossen. Die Zwischenhalle wird abgerissen. Bei schlechtem Wetter wird es schwierig für die Fahrgäste.

Seit Montagmittag ist der Haupteingang der S-Bahn Schöneweide verschlossen. Der Eingang befindet sich am Sterndamm.

Seit Montagmittag ist der Haupteingang der S-Bahn Schöneweide verschlossen. Der Eingang befindet sich am Sterndamm.

Foto: GW

Berlin. Die Türen des Hauptgebäudes sind seit dem 3. Dezember verschlossen, rote klebbare Fußstapfen am Boden weisen den Fahrgästen die Laufrichtung: Die Sanierung und Modernisierung des S-Bahnhofes Schöneweide geht nun endlich in die letzte Etappe. Auf die Fertigstellung warten viele Fahrgäste seit Jahren, der Bahnhof mit seinem hässlichen, verschmutzten Vorplatz zählt zu den trostlosesten Stationen Berlins. Der Bahnhof sei nicht das „allergrößte Schmuckkästchen“ der Bahn, wie Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, bemerkt. „Darum werden wir die gesamte Anlage für 91 Millionen Euro flott machen“, so Kaczmarek.

Zu DDR-Zeiten war Schöneweide ein Fernbahnhof, heute ist die Station eine wichtige Verbindung im Berliner Südosten. Für die rund 48.000 Fahrgäste, die täglich das Areal passieren, bedeutet die Umbauphase eine Umstellung mit etwas längeren Fußwegen. Es gibt zwei Ein- und Ausgänge, einmal über den Sterndamm, der Zugang aus Johannisthal bleibt noch bis März offen.

Empfangsgebäude von 1868 soll bleiben

Im neuen Jahr soll die Zwischenhalle abgerissen werden, hier vermuten die Bahnexperten Schadstoffe. Das marode denkmalgeschützte Empfangsgebäude von 1868 bleibt bestehen. Ein Investor allerdings wird noch gesucht, ein Konzept gibt es noch nicht.

Die neue Zugangsregelung ärgert vor allem die Geschäftsleute im benachbarten Einkaufszentrum Schöneweide, die Laufkundschaft wird weniger werden, weil der Haupteingang geschlossen ist. Dafür entsteht direkt vor der Tür des Zentrums eine Tramverbindung, die künftig durch einen Tunnel unter dem Bahndamm geführt wird. die später einmal Kunden bringen wird. Drei Jahre soll gebaut werden, heißt es, doch die Zuständigen bei der Bahn wissen, dass ein gutes Jahr mehr wohl realistisch ist.

Die größte Herausforderung ist es, bei laufendem Betrieb zu sanieren. Die Bahnsteige werden vollständig erneuert, sie erhalten andere Dächer und neue Sitzgelegenheiten, zusätzlich werden Fahrtreppen installiert. Dabei wird immer nur eine Bahnsteighälfte umgebaut, auf der anderen wird der Zugverkehr abgefertigt. Zu Stoßzeiten im Berufsverkehr dürfte es recht eng werden. Auch bei schlechtem Wetter wird es schwierig, zwar wird es kleinere Wartehäuser geben, doch die großen Überdachungen können sie nicht ersetzen. Da werden einige Passagiere im Regen stehen.

Ursprünglich sollte Schöneweide längst modernisiert sein, seit fünf Jahren ist er bereits ein Bauprovisorium. Es gab Verschiebungen, mal die Kabel, mal die Leitungen, mal war ein Bauunternehmen Schuld. „Gestörter Bauablauf“ heißt das bei der Bahn.

Temporäre Aufzugsanlage für 1,3 Millionen Euro

Ab März wird es eine temporäre Aufzugsanlage geben, die einen direkten Zugang zu den Bahnsteigen gewährleistet. Diese Stahlkonstruktion auf elf Metern Höhe sei ein Novum und hätte es in Deutschland in dieser Form noch nicht gegeben, berichtet Friedemann Keßler, Leiter des Regionalbereich. Die Fahrstühle stammen aus Holland, die Mietkosten von 1,3 Millionen Euro zahlt das Land. Der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft aus Treptow-Köpenick und eine Bürgerinitiative hatten lange für diese barrierefreie Variante gekämpft. Ursprünglich hatte die Bahn während der Bauphase gar keine Fahrstühle für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte geplant, sondern lediglich einen Busshuttle zum nächsten barrierefreien Bahnhof wie beispielsweise Baumschulenweg.

Was mit dem wüsten Vorplatz und dem seit 2016 geschlossenen Fußgängertunnel passiert, ist noch offen. Ideen zumindest gibt es für eine Mini-Bahnhofsmission in Containerform. Hier sollen die Obdachlosen der Gegend eine Anlaufstelle bekommen. Doch das kann dauern, Reisende werden sich also weiter gedulden müssen.

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