Bahnhof

Aussteigen in Schöneweide? Besser nicht!

Geplünderter Gabenzaun, angesteckte Obdachlose: Nun beginnt die Hauptsanierung. Ines Achtert vom Gabenzaun macht jedenfalls weiter.

Trostlos: Die Unterführung am Bahnhof Schöneweide ist längst geschlossen. Ab 3. Dezember wird umgebaut. Später könnte es hier eine mobile Anlaufstelle für Obdachlose geben. 

Trostlos: Die Unterführung am Bahnhof Schöneweide ist längst geschlossen. Ab 3. Dezember wird umgebaut. Später könnte es hier eine mobile Anlaufstelle für Obdachlose geben. 

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin. Aussteigen in Schöneweide? Besser nicht. Das Bahnhofsgebäude mit der Überführung zu den Gleisen gehört zu den trostlosesten Stationen in Berlin. "Wenn ich nicht unbedingt muss, steige ich da nicht aus", sagt eine Pendlerin. Die Treppen sind so ausgetreten, dass Rutschgefahr besteht. Überall Taubendreck, Müll, bröckelnde Fliesen. Vor den meisten Läden sind die Rollläden runter gezogen, nur noch ein Ticketschalter ist geöffnet. Erst kürzlich hat der Blumenladen geschlossen, der etwas bunt in das Grau des Baus brachte.

Neben dem Eingang sieht es nicht besser aus, Baugitter, Dreck. Hier wurden im Sommer zwei Obdachlose angezündet. Erst kürzlich wurde der "Gabenzaun" geplündert, ein soziales Projekt mit Kleidung und Utensilien für Bedürftige. "Er war ein Hoffnungszeichen gegen die Ödnis", sagt die Initiatorin Ines Achtert. Das Areal sei mittlerweile „für viele ein Angstraum“ geworden, sagt Benedikt Hotz vom Zentrum für Demokratie, das gegenüberliegt, und mit Alarmanlage gegen rechte Übergriffe ausgestattet ist.

Eine Generalsanierung des Bahnhofes soll die Situation verbessern

Ab 3. Dezember geht es los, dann wird das historische, denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude samt Unterführung geschlossen, der Zugang erfolgt für die Reisenden künftig über den Sterndamm. Keiner weiß genau, wie die Fahrgastströme laufen werden. Schließlich passieren rund 40.000 Nutzer die Ein-und Ausgänge.

Die Bahnsteige werden komplett erneuert, sie erhalten andere Dächer und neue Sitzgelegenheiten. Nach langen Hickhack und der Verschleppung des Problems steht nun auch fest, dass es drei temporäre Aufzüge geben wird, damit Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen mobil sind. Die Kosten übernimmt das Land Berlin, nicht die Bahn. Drei Jahre Bauzeit sind geplant, aber so genau will man sich momentan nicht festlegen bei der Bahn, es gäbe gewisse Unwägbarkeiten. Auf jeden Fall soll alles "schick und hübsch" werden. Doch reicht das allein?

"Wir müssen dran bleiben", sagt der Treptow-Köpenicker SPD-Politiker Lars Düsterhöft. Er meint damit den Umgang mit Obdachlosigkeit, aber auch mit verdeckter rechter Gesinnung. Es gibt zusammen mit der Gebewo die Idee für eine mobile Anlaufstelle in unmittelbarer Umgebung des Bahnhofes, als Tages-Treffpunkt für Obdachlose und Menschen mit Suchterkrankung. Sozusagen eine Mini-Bahnhofsmission, ein Wohnwagen oder Container könnte es sein. Dort würden entsprechende Angebote, Waschmaschinen und Sozialarbeiter, "die Probleme mit anpacken können", zur Verfügung stehen. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht geklärt. Vorerst bleibt bei Problemen der Runde Tisch. Da sitzen Vertreter des Bezirkes, Polizei, BSR, das Centermanagment und Sozialarbeiter zusammen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Immerhin.

Ines Achtert, die Aktivistin des Gabenzaunes, lässt sich indes nicht entmutigen durch das Scheitern des Gabenzaunes vor dem Gebäude. Sie macht weiter, nur anders. Die Kleidung und Spenden, die übrig geblieben sind und die sie nun bei sich zu Hause lagert, will sie den Obdachlosen im direkten Kontakt übergeben. "Das macht die Sache leichter und kommt an die richtigen", meint sie. Sie kennt über die Jahre "ihre Pappenheimer". Eins hat sie bei aller Enttäuschung doch gefreut. "Die große Solidarität der Berliner. Sie haben viel beigesteuert und mich unterstützt." Ob der Umbau von Schöneweide die Gegend verändert, weiß sie nicht. Die Obdachlosigkeit jedenfalls wird nicht weniger.

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