Wassersport

Angst um die Stege am Wasser

Eine Interessensgemeinschaft von Vereinen und Bootshäusern fordert eine Entfristung der Genehmigung - und Mitspracherecht im Bezirk.

Beim SV Rahnsdorf wurden die Steganlagen erneuert. Die Befristung des Vertrages schafft Probleme. 

Beim SV Rahnsdorf wurden die Steganlagen erneuert. Die Befristung des Vertrages schafft Probleme. 

Foto: SV Rahnsdorf

Berlin. Müggelsee, Dahme und Spree gehören neben denen im Westen zu traditionsreichen Wassersportgebieten Berlins. Schon länger sorgt die Konzeption für Steganlagen des Bezirksamtes für Unmut unter den zahlreichen Vereinen, Wassersportlern und Privatanlegern. An den Grunewalder Seen verschickte das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Abrissverfügungen an private Eigentümer. Die Stege und der Schutz der Uferbereiche sind in allen Bezirken mit Gewässern ein Thema.

In Treptow-Köpenick sieht die Stegekonzeption vor, dass die Errichtung und der Betrieb der einzelnen Stege geprüft wird – und zwar alle zehn Jahre. Da steht dann der Gang zur Behörde für jeden Besitzer an, und der weiß nicht, ob er auch mit einer Genehmigung zurückkehrt. Jede Verlängerung wird wie ein Neuantrag behandelt. Das gilt auch für Altanlagen. Bis ins Jahr 2004 galt der Bestandsschutz.


3275 Steganlagen (Stand 2016) existieren im Bezirk, rund 500 sind angeblich genehmigt. Die anderen haben gewissemaßen eine Duldung, weil die Konzeption derzeit noch nicht verabschiedet ist. Nun haben sich Wassersportvereine, Bootshausbesitzer, Segler und Ruderer in einer gemeinsamen Grundsatzerklärung zusammengeschlossen. Sie fordern die Aufhebung der Befristung – und eine Steglösung für alle Berliner Bezirke.


Bootshausbesitzer Rainer Walz führt den Familienbetrieb seit 1989, davor war es seine Mutter, der Großvater gründete das Unternehmen An den Bänken 1927. Er findet den Vorgang absurd. „Wenn ich ein Haus gebaut habe, muss ich nach zehn Jahren auch nicht zur Behörde, um die Baugenehmigung verlängern zu lassen oder?“

Dürfen künftig nur noch Elektroboote anlegen?

Zumal dieser Aufwand in keinem Verhältnis stehe zum Nutzen, da das Bezirksamt ohnehin unter knapper Personaldecke leide. Zwei Mitarbeiter befassen sich seit diesem Jahr damit. Die andere Crux sei das strenge Berliner Naturschutzgesetz, wonach Schwimmblattpflanzen mit dem Schilf gleichgesetzt sind – also unter Naturschutz stehen. Zu den Seerosen muss demnach ein Abstand von zehn Metern gehalten werden. Walz hat sich Luftaufnahmen angeschaut und festgestellt, „in ganz Köpenick gibt es im Wasser an den Stegen Seerosen!“ Diese lieben nämlich Bewegung im Wasser. Fazit: Die Pflanzen hebeln den Bestandsschutz aus. Wer also seinen Steg retten möchte, müsste die Seerosen vernichten. Darf er aber nicht, sonst bekommt er es mit dem Naturschutz zu tun. Einige meinen, dass hier mit den Mitteln des Naturschutzes eine Bereinigung stattfindet.

In einigen Bereichen sieht das Papier vor, dass künftig keine Motorboote mehr anlegen dürfen, sondern nur Elektroboote. „Viele empfinden das als Bevormundung“, erklärt Ralf Henze von der Interessengemeinschaft „Steganlagen in Treptow-Köpenick“. An einigen Stellen, so das Konzept, soll eine räumliche Zusammenfassung von Einzelstegen vorgenommen werden - zugunsten einer größeren Anlage. Das sehen nicht wenige als „Enteignung“ an, schließlich bedeutet dies einen Eingriff ins eigene Grundstück, wenn vielleicht das Motorboot gar nicht mehr anlegen kann. „Es trifft hier die Kleinen und die Gewerbetreibenden“, so Henze, „es geht hier nicht um Leute, die eine Millionenschwere Yacht vor der Tür haben.“

Mehr Rechtssicherheit wünschen sich vor allem die Wassersportvereine

Der SV Rahnsdorf hat vor einigen Jahren 160.000 Euro in eine Steganlage investiert. Da es sich hier auch um Kinder- und Jugendsport handelt, konnte eine Förderung durch den Senat für Inneres und Sport greifen. Nur: Dort verlangt man eine Absicherung des Baus auf die nächsten 25 Jahre. „Das ist ein Dilemma für uns“, meint Ralf Elsner, zweiter Vorsitzender des Vereins.

Nun gibt es eine Lösung - in diesem speziellen Fall einen Vertrag mit der Oberen Naturschutzbehörde. Doch es kann nicht Sinn eines Gesetzes sein, dass jeder Verein mit den Behörden einzeln verhandelt. Den Wassersportvereinen ist nun eine Frist von 20 bis 25 Jahre in Aussicht gestellt. Das sei eine zu große Ungleichheit gegenüber privaten und gewerblichen Anrainern, führe womöglich zu Klagen, vermuten Experten.


„Das verursacht Angst bei allen. Dem Sport hat es nichts gebracht“, findet Elsner. „mit der jetzigen Stegekonzeption werden wir an dieser Stelle keine Sicherheit bekommen!“ „Ein Bestandsschutz für legal gebaute Stege“, meint Henze, „würde wahrscheinlich schon 70 Prozent der Lösung bringen." Die Bezirksverordnetenversammlung hatte bereits im letzten Dezember beschlossen, die Befristung der Genehmigung aufzuheben. Passiert ist seither nichts. Fortsetzung folgt.

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