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Projekt für Obdachlose

"Geplündert und bedroht": Gründerin gibt Gabenzaun auf

Nach wenigen Wochen stellt die Initiatorin den "Schöneweider Gabenzaun" ein. Spenden für Obdachlose wurden geplündert, Helfer bedroht.

Verlottertes Gatter: der anfangs liebevoll bestückte Gabenzaun am S-Bahnhof Schöneweide.

Foto: Morris Pudwell

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Berlin. Erst wenige Wochen ist es her, dass Ines Achtert aus Köpenick das Projekt "Gabenzaun" aus der Taufe hob. Der Bauzaun vor dem Bahnhof Schöneweide sollte zu einem Ort der Hoffnung für Obdachlose werden. Sie bestückte mit anderen Unterstützern den Zaun mit Spenden: Kleidung, Hygieneartikel, Nahrung. Bedürftige Wohnungslose sollten sich daran bedienen. Doch es kam anders.

"Leider kamen die falschen Menschen und haben alles, was für Obdachlose vorgesehen war, rücksichtslos geplündert", schreibt die engagierte 50-Jährige auf Facebook. Der Gabenzaun sei zu einem "Selbstbedienungsladen" mutiert und die Helfer, die den Gabenzaun bewachen und über seinen Sinn aufklären wollten, seien aggressiv beschimpft und sogar bedroht worden. Dann sei auch noch das Schild abgerissen und in den Dreck geworfen worden. Nun zieht sie die Konsequenz: Sie will den Gabenzaun aufgeben.

Dabei hatte Ines Achtert für ihr Engagement auch viel Lob bekommen. Mehrere Medien hatten Anfang des Monats über die Umsetzung der Idee, die eigentlich aus Hamburg kommt, berichtet. Tragischerweise trugen die Veröffentlichungen jedoch offenbar zum Scheitern des Projekts bei - weil die Berichte nicht nur weitere begeisterte Unterstützer anzogen, sondern auch die Leute, die den Gabentisch für die Ärmsten der Gesellschaft rigoros abräumten und Helfer verhöhnten.

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Hilfsaktion an einem hässlichen Ort

Der Bahnhof Schöneweide hatte im Sommer traurige Berühmtheit erlangt. Dort waren zwei obdachlose Männer mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet worden. Ende vergangener Woche starb eines der Opfer im Unfallkrankenhaus Berlin. Der Obdachlose war über die Wochen intensivmedizinisch betreut und auch in ein Schutzkoma versetzt sowie mehrfach operiert worden. Gegen den Tatverdächtigen wurde Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die Tat hatte weit über die Grenzen Berlins für Entsetzen gesorgt.

Der Gabenzaun hätte zu einem lebendigen Denkmal werden können und zu einem Ort, wo Gutes Böses überwindet. Das hatte auch Ines Achtert im Sinn. "Du warst ein Symbol dafür, an einem sehr hässlichen Ort ein wenig Hoffnung und Wärme zu schenken", schreibt sie über ihr Projekt Gabenzaun. Und ergänzt nach den Erfahrungen der letzten Tage, dass sie wohl eine "naive Träumerin" sei. Nun sei sie "unsagbar traurig und unsagbar erschöpft".

Nie hätte sich Ines Achtert träumen lassen, dass es notwendig sein könnte, den Gabenzaun Tag und Nacht zu bewachen. Eine Leistung, die sie und ihre Helfer nicht erbringen können. Sie wollen weiter Obdachlosen helfen - aber nicht mehr am Zaun.

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