Wohnen

Mikro-Apartments im historischen Postfuhramt

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Gabriela Walde
Wohnen auf kleinstem Raum - Blick in den Innenhof.

Wohnen auf kleinstem Raum - Blick in den Innenhof.

Foto: Nils Hasenau /SchillerQubes / SchillerQubes

Die SchillerQuebes gruppieren sich um das historische Postamt und das Kutschhaus.

Berlin. „Hallo, hallo“, ruft der alte Mann am Zaun vor der Baustelle an der Schillerpromenade. „Was soll das einmal werden?“ „Ein Café“, ruft ihm der Architekt Marco Callegaro zu. „O, dann komme ich, wenn es fertig ist. Ich wohne um die Ecke!“ Bis der alte Herr hier seine Tasse Kaffee bekommt, wird es noch einige Monate dauern. Das Café, einst Remise, befindet sich noch im Rohbau. Es gehört zum Gesamtareal der neuen SchillerQubes, einer Anlage mit Mikro-Apartments, die letzten sollen 2020 fertiggestellt sein.

Die ersten Miniwohnungen werden Mitte bis Ende November bezugsfertig sein. Das Café öffne sich für alle, erklärt uns der Architekt. Die Wohnanlage schotte sich nicht nach außen ab, für die Mieter, wenn sie Lust haben, sollen sich die Räumlichkeiten abends in einen Gesellschaftsraum verwandeln.
Die Schillerpromenade mit Altbaubestand ist ruhig und grün, einige Schritte weiter liegt die vielbefahrenen Wilhelminenhofstrasse.

Zielgruppe sind junge Menschen

169 Mini-Wohnungen werden bezugsfertig angeboten also komplett möbliert – mit Küchenzeile, Regalen, Bett, Schrank und winzigem Bad. Der Boden ist mit Stäbchenparkett ausgelegt. Dazu gibt es ein kleines Fitness-Studio und einen Hobbyraum für alle. Allerdings ist die kleinste Variante nur 17 Quadratmeter groß, nicht größer als manches Hotelzimmer. Das größte Apartment ist etwas mehr als das Doppelte. Im Altbau, dem ehemaligen Postfuhramt gibt es in einigen Wohnungen Hochbetten, bei einer Deckenhöhe von vier Metern nutzt man das Potenzial.


Zielgruppe der anstehenden Vermietung sind vor allem junge Menschen aus dem Bereich Start Up, Studenten, Pendler. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) liegt um die Ecke, das Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie ist nicht weit, der Bezirk verzeichnet stetigen Zuwachs. Ohnehin sind Berufstätige heute mobiler und der Wohnraum knapp. Wer sich in der Immobilienbranche umschaut, sieht: Der Markt für Einzimmerwohnung boomt. Nicht nur in Berlin, sondern ebenso in München, Hamburg und Frankfurt am Main.

Möblierung schlägt auf den Preis


Allerdings sind die SchillerQubes mit 460 bis 800 Euro inklusive nicht günstig, die Möblierung schlägt auf den Preis. Doch selbst WG-Zimmer liegen heute in Berlin mittlerweile bei rund 500 Euro im Schnitt in Bezirken wie Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain. Und doch sind diese Mini-Wohnungen anders als viele dieser anonymen Wohnschachteln, die in Bezirken wie Neukölln oder Wilmersdorf entstanden sind. Das liegt daran, dass die drei Neubauten Altbestand integrieren, das denkmalgeschützte Eckgebäude des ehemaligen Postamtes Oberschöneweide. Es entstand 1910 mit zwei spiegelsymmetrischen Fassade. Auch das zweigeschossige Kutschergebäude ist mit in diesem Ensemble aufgenommen wie eben auch die Remise, in die das Café einziehen wird.

Über einsehbare gläserne Brücken wird der Altbau mit zwei der Neubauten verbunden, das war eine Vorgabe des Denkmalschutzes, um die Giebelseiten zu erhalten. Damit schließt sich die Blockrandbebauung an der Schillerpromenade und an der Griechischen Allee. Seit 2000 ist das historische Gebäude als Postamt geschlossen, zuletzt wurde es als Altenheim genutzt, eine Arztpraxis hatte dort auch Räumlichkeiten.

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