Plänterwald

Initiative kritisiert Konzept für den neuen Spreepark

Initiative wirft der Betreiberfirma Grün Berlin mangelnde Transparenz im Beteiligungsverfahren vor - und fordert einen Neuanfang.

Der Spreepark im Abendlicht. Das Riesenrad soll sich künftig wieder drehen

Der Spreepark im Abendlicht. Das Riesenrad soll sich künftig wieder drehen

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  „Park statt Quark“ – so steht es auf einem Transparent im Boot auf der Spree auf Höhe der Insel der Jugend. Flöße und Boote hatten sich dort am vergangenen Wochenende zu einer langen Kette verbunden, freigegeben wurde die Boote-Demo von der Wasserschutzpolizei.
Zusammengefunden haben sich in der Initiative „offene Republik Spreepark“ Berliner Clubbetreiber, Künstler, Naturschützer, Mitglieder der Flöße-Community und Anwohner am Plänterwald. Ihr Protest richtet sich gegen das neue Konzept für den Spreepark, den alten DDR-Vergnügungspark im Plänterwald. 2001 wurde er geschlossen, verfiel zunehmend über die Jahre. Der Protestler wehren sich nun gegen einen „eingezäunten, kostenpflichtigen Disneyland-Park“.

Sie fordern „die Hälfte des Spreeparks“ und damit ein neues Beteiligungsverfahren zur freien Gestaltung des weitläufigen Areals. „Wir haben konkrete Pläne und Vorstellungen“, so Daniel Haider vom Flöße-Kollektiv. Er denkt an Anleger für Kultur-Flöße.

Erst im Mai hatte Grün Berlin das Nutzungskonzept für den Spreepark vorgestellt. Die landeseigene Betreibergesellschaft unterhält auch das Tempelhofer Feld und den Park am Gleisdreieck. Ziel ist es, einen „neuen Typus eines Kunst- und Kulturparks“ zu schaffen. Kunst und Kultur sollen das prägende Gesicht des Spreeparks werden, so steht es in der Planung. Neben Ateliers und Ausstellungen könne es auch Flächen für performative Künste geben. Auch das ehemalige Ausflugsrestaurant „Eierhäuschen“ ist in die Konzeption einbezogen. Somit fühlten sich auch viele Kunstschaffende angesprochen.

„Ort der Überraschungen“ statt Rummel

Eins steht fest: Einen Rummel wird es auf der 23 Hektar großen Fläche im Plänterwald nicht geben. Dafür einen „Ort der Überraschungen“ als „Teil der Kulturmetropole Berlin“. Die alten Fahrgeschäfte sollen teilweise miteinbezogen werden, auch das Riesenrad wird sich in Zukunft wohl wieder drehen.

Einer der Kritikpunkte ist das undurchsichtige Verfahren, in dem das Parkkonzept bei Grün Berlin derzeit erarbeitet wird. Künstler, Interessenten und auch Anwohner hätten versucht sich einzubringen, der Dialog sei aber nie richtig zustande gekommen, oder die Ideen seien allzu schnell verworfen worden, erklärt Katalin Gennburg, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Wir brauchen keine Hinterzimmergespräche“, sagt sie.

Die Anwohner vor Ort seien einfach „nicht mitgenommen worden“. Sie befürchten Lärmbelästigung und einen schnelllebigen Tagestourismus mit einer großen Zahl von Busanfahrten. Tatsächlich ist das Verkehrskonzept für den Park noch offen. Wo neue Parkplätze entstehen werden, ist nicht geklärt. Im Fokus steht vor allem die Dammstraße, die als Zufahrtsstraße vergrößert werden könnte.

Ein anderer urbaner Tourismus

Zwar habe es Veranstaltungen mit Bürgerbeteiligung zu einzelnen Themen gegeben, so Gennburg, aber dies wertet sie ausschließlich als „Legitimation für eine Beteiligung“. Das Konzept findet sie schlichtweg altmodisch. „Kein Mensch braucht mehr einen klassischen Eventpark mit Eintritt. Berlin hat stets damit gepunktet, dass die Stadt anders war, cool, lebendig“, sagt sie. Ein neuer urbaner Tourismus hätte sich entwickelt, die Leute kämen nach Berlin, um am Lebensgefühl teilzuhaben.

Die Senatsverwaltung weist die Vorwürfe zurück. „Durch den Rahmenplan ist ein sehr offenes Konzept vorgegeben. Damit wurde bewusst nicht zu viel festgelegt, um verschiedene Interessen einzubeziehen“, erläutert Matthias Tang, Sprecher von Senatorin Regine Günther. Bis jetzt habe es vier Dialogveranstaltungen und zwei Planungswerkstätten gegeben. „Über 1000 Anregungen wurden von den Bürgern formuliert“, so Tang. 2019 werde es eine Planungswerkstatt zum Thema Kunst geben. „Wenn es Gesprächswünsche einzelner Interessenten gibt, kann man diese an uns herantragen.