Konzert

Open-Air: Anastacia brachte die Zuschauer zum Tanzen

Beim Konzert-Marathon „Stars for free“ erlebten 17.000 Ticketgewinner neun Acts innerhalb von sieben Stunden in der Wuhlheide.

Die Zuschauer vor der Bühne feiern mit ihren Stars

Die Zuschauer vor der Bühne feiern mit ihren Stars

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Das Konzert beginnt mit einem Konfettiregen. Schon bevor der erste Künstler die Bühne betritt, fliegen bunte Papierschnipsel durch die Luft und auf die ersten Zuschauerreihen nieder. Dann eröffnet das Elektropopduo Glasperlenspiel „Stars for free“, das Gratis-Open-Air von 104.6 RTL. Sängerin Carolin Niemczyk stürmt auf die Bühne, ruft „Hallo Berlin! Habt ihr Bock, ein bisschen zu tanzen?“ ins Publikum.

Die 28-Jährige ist bemüht, die Stimmung gleich anzuheizen, tanzt selbst energiegeladen über die Bühne. Die Zuschauer sind dagegen noch verhalten. Die meisten sitzen auf den Bänken in der Sonne und wedeln sich mit knallorangefarbenen Papphänden Luft zu. Doch als der am meisten verkaufte Song des Duos, „Geiles Leben“, erklingt, schafft es Niemczyk doch: Die Ersten beginnen, vorsichtig, zu tanzen. Kurz darauf ist allerdings schon wieder Schluss. Die meisten Künstler haben nur gute zwanzig Minuten auf der großen Bühne, das reicht für etwa vier Songs.

Neun Acts beim Konzertmarathon

Insgesamt neun Acts sind an diesem Samstag beim sieben Stunden dauernden Konzertmarathon dabei. Es ist das 22. Mal, dass der Radiosender 104.6 RTL in die Wuhlheide lädt, 17.000 Tickets wurden im Vorfeld verschenkt. Die Gewinner sind jedoch längst nicht alle zu Beginn des Open-Airs in der Parkbühne angekommen, während der folgenden Auftritte wird es spürbar voller.

Als Zweiter betritt Alvaro Soler die Bühne. In Barcelona geboren, lebt der Sänger inzwischen in Berlin. Der spanischen Sprache ist er in seiner Musik allerdings treu geblieben. Und obwohl mehrere seiner Songs in Deutschland mit Gold ausgezeichnet wurden, fällt es dem Publikum etwas schwer, der Aufforderung zum Mitsingen zu folgen. Das klappt bei der dritten Künstlerin, Lea, besser. Die Singer-Songwriterin hat erst im vergangenen Jahr ihre ersten großen Erfolge gefeiert und zeigt sich beeindruckt von der Wuhlheide. „Ich glaube, wir haben als Band noch nie vor so vielen Leuten gespielt“, erzählt sie dem Publikum.

Beim nächsten Act wird es in den ersten Reihen laut. Begleitet von einem hohen Kreischen betritt Mike Singer die Bühne. Der 18-Jährige hatte bereits zwei Nummer-1-Alben, ist aber vor allem durch seine Social-Media-Kanäle bekannt: 1,4 Millionen Menschen folgen ihm auf der Plattform Instagram. Seine jungen Fans, vor allem Mädchen, recken ihre Smartphones in die Luft, rufen „Team Singer“, und zeigen sich durchweg textsicher.

Bis hoch auf die Ränge schwappt die Stimmung allerdings nicht über. Es folgen der Berliner Nico Santos, ein weiterer junger Künstler, und Comedian Markus Krebs, der den kürzesten Auftritt des Tags hinlegt: Wenige Minuten nur steht er auf der Bühne, erzählt ein paar Witze und erwähnt zwischendurch mehrfach, wohl ein wenig selbstironisch, dass ja gleich wieder das komme, wofür die Zuschauer an diesem Tag in der Wuhlheide sind: Musik.

Anastacia bringt die Zuschauer zum Tanzen

Die liefert als Nächste die Amerikanerin Anastacia, eine Künstlerin mit deutlich mehr Erfahrung als ihre Vorgänger: Ihr erstes Album erschien vor 18 Jahren. Der Unterschied ist spürbar. Die Sängerin mit XXL-Sonnenbrille zeigt routinierte Choreografien mit ihren Backgroundsängerinnen, plaudert mit dem Publikum und erfüllt die Wuhlheide mit ihrer kraftvollen Stimme. Zu Radiohits wie „One day in your life“ stehen selbst von den Sitzplätzen Zuschauer auf und tanzen. Auch die folgende Band Revolverheld liefert eine routinierte Show ab und feiert ihre eigenen Songs mindestens so sehr wie das Publikum. Zum Abschluss schießt eine Konfettikanone Papierherzen in die Luft, die Zuschauer johlen – dann sind die Musiker wieder verschwunden, gerade als die Stimmung auf dem Höhepunkt ist. Auch die Umbaupausen bremsen die Stimmung.

Als Highlight des Abends wird die finnische Band Sunrise Avenue angekündigt. Sänger Samu Haber – wohl ein wenig der Mike Singer für viele erwachsene Frauen im Publikum – genießt den Auftritt sichtbar, genießt es, wie die Zuschauer die Songs der Band mitsingen. Nach rund 40 Minuten fliegen Handtücher und Plektren ins Publikum. Die Fans jubeln.

Als letzter Künstler tritt der Berliner DJ Alle Farben auf, begleitet von zwei Sängern und einem Trompeter. Der Bass erreicht seinen Höhepunkt, Nebel schießt in die Luft, das Publikum springt und erleuchtet die Wuhlheide mit den Taschenlampen ihrer Handys, bevor mit dem traditionellen Feuerwerk das Finale folgt. Dass das trotz Trockenheit und Hitze stattfinden konnte, ist übrigens Helfern der Feuerwehr zu verdanken: Mit Tausenden Litern wurde der umliegende Wald bewässert, damit die bunten Raketen planmäßig in den Nachthimmel starten können.

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