Adlershof

Reinigungskräfte im Rathaus kommen während der Bürozeit

Der Bezirk Treptow-Köpenick startet ein Pilotprojekt für bessere Arbeitsbedingungen.

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach

Foto: Ricarda Spiegel / BM

Berlin. Putzfrauen kommen in vielen Büros entweder frühmorgens oder spätabends, manchmal sogar nachts. Im Bezirksamt Treptow-Köpenick wird nun erprobt, dass es auch anders geht. Vier Reinigungskräfte am Standort Adlershof machen die Büros zu den üblichen Arbeits- und Öffnungszeiten sauber. Möglich wurde dies durch eine entsprechende Ausschreibung des Bezirksamtes für die Auftragsvergabe. Zuvor hatte eine Umfrage im "Bezirksnetzwerk zur Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Treptow-Köpenick" ergeben, ein solches Projekt zu initiieren.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) begrüßte das Modellprojekt: "Die Reinigung zu den üblichen Arbeitszeiten trägt deutlich zu verbesserten Arbeitsbedingungen bei und darüber hinaus zum Abbau von Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung", erklärte sie. Wenn das Reinigungspersonal sehr früh am Morgen oder spät am Abend arbeite, führe das oft zu einem geringen Arbeitszeitvolumen. Daher sei häufiger als in anderen Branchen eine geringfügige Beschäftigung verbreitet, das habe auch geringere Löhne zur Folge. Zudem seien Familienzeit und Kindererziehung schwer mit dem Beruf zu vereinbaren "und das in einer Branche, in der vor allem Frauen arbeiten", so die Senatorin.

Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) berichtete von guten Erfahrungen in der bisherigen Testphase. Beide Seiten profitierten davon, es entstehe eine persönliche Bindung zwischen Verwaltungsmitarbeitern und Reinigungskräften. Igel ist überzeugt, dass das Projekt ausgeweitet wird. Das sei aber immer nur möglich, wenn Reinigungsaufträge neu ausgeschrieben werden. Auch Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz begrüßte das Projekt, es biete nur Vorteile. Normalerweise bleibe den Putzkräften lediglich ein schmales Zeitfenster von höchstens vier Stunden. Mit solchen Teilzeitjobs sei trotz des Branchenlohns von 10,30 Euro pro Stunde kein gutes Einkommen zu erzielen. Viele Beschäftigte wollten lieber in Vollzeit arbeiten. Zudem wachse das subjektive Sauberkeitsempfinden, wenn die Mitarbeiter sehen, dass ihre Büros gereinigt werden.

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